Impfschaden-Versicherung: Das Geschäft mit der Corona-Angst

Stand: 29.03.2021 16:03 Uhr

Wer sich über Corona-Impfstoffe und mögliche Risiken einer Impfung informieren möchte, stößt im Internet auf Angebote für private Unfallversicherungen mit Impfschadenschutz.

Insbesondere in sozialen Netzwerken finden sich zahlreiche Beiträge von Versicherungsagenturen, in denen empfohlen wird, im Zusammenhang mit einer Impfung über den Abschluss einer Unfallversicherung nachzudenken oder bestehende Unfallversicherungen zu "optimieren". Auch in persönlichen Briefen werben Versicherungsvertreter gezielt bei ihren Kunden für solche Unfallversicherungen.

Schlagzeilen und Überschriften wie "Absicherung von Impfschäden" oder "Versicherungsschutz sogar bei Impfrisiken und Folgeschäden" sollen offenbar für Aufmerksamkeit sorgen.

Spiel mit Ängsten vor Impfschäden

Verbraucherschützer stören sich an der Aufmachung und Tonalität der Kundenbriefe und Anzeigen. "Versicherungen gießen damit Öl ins Feuer der derzeit geführten Debatten über die Sicherheit der Corona-Impfstoffe", kritisiert Philipp Rehberg von der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Auf Anfrage von Markt bedauern die Versicherungen die Anzeigen ihrer Vertreter und unterstreichen, dass die Werbung keine offizielle Werbekampagne des Konzerns sei.

Versicherungsschutz unabhängig von Corona planen

Aus Sicht von Verbraucherschützern ist es nicht sinnvoll, nur wegen eines anstehenden Impftermins eine Unfallversicherung abzuschließen. Grundsätzlich gilt, dass bei sehr unwahrscheinlichen Impfschäden eine Reihe von Absicherungen greifen:

Zunächst kommen Krankenkassen, egal ob privat oder gesetzlich, für die Behandlungskosten auf. Sollten Berufstätige infolge eines Impfschadens nicht mehr arbeiten können, zahlt die gesetzliche Rentenversicherung eine Erwerbsminderungsrente. Auch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung greift in solchen Fällen.

Berufsunfähigkeitsversicherung meist besser

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung deckt gesundheitliche Risiken viel umfassender und unabhängig von Corona ab. Das Problem bei Unfallversicherungen: Um Leistungen in Anspruch nehmen zu können, fordert der Versicherer den Nachweis, dass eine dauerhafte gesundheitliche Schädigung von der Impfung verursacht wurde. Doch das dürfte in vielen Fällen nicht einfach sein: So könnte statt der Impfung auch eine Krankheit für die dauerhafte Invalidität verantwortlich sein.

Angebote für Unfallversicherungen genau prüfen

Versicherungsvertreter argumentieren, dass nicht jeder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen könne. So benötigen etwa ältere Menschen, die aus dem aktiven Berufsleben bereits ausgestiegen sind, keine Absicherung vor Einkommensverlusten durch Berufsunfähigkeit.

Wer trotz allem eine Unfallversicherung abschließen möchte, sollte die Versicherungsbedingungen genau prüfen.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 29.03.2021 | 20:15 Uhr

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