Sendedatum: 24.11.2015 21:15 Uhr  | Archiv

Illegaler Handel bei Amazon und Ebay

von Jörg Hilbert

Amazon und Ebay haben keine ausreichende Kontrolle über die auf ihren Verkaufsplattformen angebotenen Produkte. Das haben Testkäufe und Recherchen von Panorama 3 ergeben. Demnach werden über Internetshops vermehrt illegale, zum Teil lebensgefährliche Elektronikartikel aus China angeboten. Die Marktüberwachungsbehörden stehen dieser Entwicklung ziemlich hilflos gegenüber. Denn die Verkaufsplattformen von Amazon und Ebay sind nach der aktuellen Rechtslage nicht für die Sicherheit der auf den Plattformen angebotene Waren verantwortlich. Experten fordern deshalb, Verkaufsplattformen für die Sicherheit der angebotenen Produkte künftig in die Verantwortung zu nehmen.

VIDEO: Illegaler Handel bei Amazon und Ebay (10 Min)

90.000 gefährliche elektrische Geräte beschlagnahmt

Offenbar handelt es sich bei den illegalen Produkten um ein Massenphänomen: Ein Gutachten für die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, das Panorama 3 vorliegt, berichtet darüber, dass der deutsche Zoll im Jahr 2012 rund 90.000 gefährliche elektrische Geräte beschlagnahmte, Tendenz steigend. Unsere Reporter haben LED-Lampen und einen Transformator für den Betrieb von LED bei Amazon und Ebay gekauft und vom "Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik" (VDE) untersuchen lassen. Das Ergebnis: Keines der insgesamt neun gekauften Elektronikprodukte darf in Deutschland verkauft werden. Die Produkte können im Fehlerfall einen tödlichen Stromschlag verursachen.

Warnung per Mail

Auf Nachfrage weisen Ebay und Amazon auf die Verpflichtung der Verkäufer hin, nur rechtlich einwandfreie und sichere Waren anzubieten. Nachdem Amazon und Ebay von uns über die Ergebnisse der ersten Einkäufe informiert worden waren, wurden diese LED zwar von den Plattformen für den Verkauf gesperrt. Amazon warnt mittlerweile Käufer sogar per Mail vor der Benutzung der gefährlichen Leuchtdioden. Doch auf den Verkaufsplattformen tauchen immer wieder illegale Produkte auf. Reporter entdeckten sogar eine gefährliche LED, die Ebay aus dem Verkauf genommen hatte, in offenbar baugleicher Form bei Amazon. Die in der Regel aus China stammenden Händler machten einfach weiter - und die Verkaufsplattformen können dies bislang offenbar nicht wirksam verhindern.

Geteilte Verantwortung gefordert

Professorin Dagmar Gesmann-Nuissl
Professorin Dagmar Gesmann-Nuissl fordert, die Plattformbetreiber ebenso in die Verantwortung zu nehmen.

Professorin Dagmar Gesmann-Nuissl von der Technischen Universität Chemnitz unterbreitet in dem Gutachten für die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin weitreichende Lösungsvorschläge. So sollten nach ihrer Meinung Plattformbetreiber "genauso die Verantwortung tragen wie der Hersteller oder der Händler". Dann würden die Plattformbetreiber systematisch nach illegalen Produkten suchen, um die Gefahr, von der Marktaufsicht belangt zu werden, zu minimieren. Das zuständige Bundessozialministerium erklärte auf Anfrage, dass eine solche Gesetzesänderung noch nicht einmal angedacht sei.

Um welche Produkte geht es eigentlich?

Jedes Jahr werden offenbar Zehntausende elektronische Produkte aus China illegal nach Deutschland eingeführt. Allein 2012 hat der Zoll 90.000 gefährliche Geräte beschlagnahmt. Und offenbar werden es immer mehr. Eine Expertin von der TU Chemnitz geht von einer Wachstumsrate von jährlich um die 25% aus. Und viele davon werden offenbar über Internetplattformen gehandelt. Wir haben neun verschiedene Elektronikartikel bei "Amazon" und "Ebay" gekauft und sie vom Branchenverband VDE testen lassen. Acht LED Lampen und einen Transformator für den LED-Betrieb. Das Ergebnis: Keines der Produkte darf in Deutschland verkauft werden.

Händler lassen sich nicht belangen

Wir recherchieren für Sie
Jörg Hilbert, Panorama 3  Foto: Roman Rätzke

Jörg Hilbert

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Panorama 3 wollte die nach gültiger Rechtslage alleinigen Verantwortlichen des illegalen Handels ausfindig machen. Dabei stießen die Reporter auf ein Netz von Verkäufern und auf chinesische Mittelsmänner in Deutschland, die das Geschäft abwickeln. So tauchen für Dutzende Onlineshops immer wieder die gleichen Lieferadressen auf. Zwei dieser Adressen sind in Frankfurt an der Oder. Es sind die Firmen M.B.B. Logistics und ein Lager einer Firma mit dem Namen DFZC. Doch offenbar stecken hinter diesen Firmen nur Mittelsmänner, die auf Nachfrage jede Verantwortung von sich weisen. So teilt uns M.B.B. Logistics mit: "Bedauerlicherweise können wir nicht für die Qualität der Produkte in jedem Paket verantwortlich sein." Und DFZC meint, dass der Verkäufer die Produktsicherheit garantieren müsse, eine Logistikfirma sei dafür nicht verantwortlich. Offenbar handelt es sich hier lediglich um Logistik-Firmen, so genannte "Fullfillment-Center", die das Geschäft für chinesische Auftraggeber abwickeln.

Der Verbraucher hat es also nur noch mit Dienstleistern zu tun. Die Händler sitzen im fernen China und sind weder vom Verbraucher noch von den Marktaufsichtsbehörden zur Verantwortung zu ziehen. Die Logistik-Firmen, aber auch Internetplattformen wie Amazon und Ebay ermöglichen einen illegalen Handel, der ohne sie kaum möglich wäre.

Weitere Informationen
Panorama 3 Autor Jörg Hilbert und Jürgen Ripperger vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE)

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 24.11.2015 | 21:15 Uhr

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