Stand: 14.11.2016 18:07 Uhr  | Archiv

Handtrockner: Viele Keime in der Luft

von Daniel Krull

Handtrockner mit Luftdüsen stehen im Verdacht, Keime und Bakterien in der Raumluft aufzuwirbeln. In einer Stichprobe hat Markt die Belastung in fünf stark frequentierten Toiletten von einem Labor überprüfen lassen. In der Raumluft waren deutlich mehr Keime zu finden, wenn dort elektrische Handtrockner installiert waren. Räume mit Papierhandtuchspendern waren wesentlich weniger belastet.

Studien stützen die Ergebnisse der Stichprobe

Die Stichprobe von Markt erhebt nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Studie. Das Ergebnis wird aber von Studien unter Laborbedingungen gestützt. So bestätigt der TÜV Rheinland, dass das Ergebnis systembedingt kaum anders ausfallen könne.

Papiertücher hygienischer als Luftgebläse

Viele Menschen halten ihre Hände nur kurz unter fließendes Wasser und benutzen keine Seife. Selbst wer seine Hände nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zur Händehygiene wäscht, bekommt sie dadurch in der Regel nicht keimfrei. Im Luftstrom elektrischer Handtrockner werden Keime, Bakterien und lose Hautschuppen in die Umgebungsluft geblasen. Besonders groß ist der Effekt bei Hochgeschwindigkeitsgeräten ("Jetstreams") die einen Luftstrom von mehr als 600 Kilometern pro Stunde erzeugen.

Dyson, der Marktführer auf dem Gebiet der Jetstreams, verweist auf einen eingebauten HEPA-Filter, der Bakterien aus der Raumluft filtert, bevor der Luftstrom auf die Hände trifft. Laut TÜV bringt der Filter aber wenig, weil nicht die angesaugte Raumluft, sondern die Keime auf der Hand das Problem darstellen.

Hygienischer sind Papierhandtücher, mit denen Erreger beim Abtrocknen von der Hand gerieben werden. Deshalb dürfen in deutschen Krankenhäusern nur Papierhandtücher und keine elektrischen Handtrockner benutzt werden. In der Gastronomie gibt es solche Vorschriften nicht.

Was ist umweltfreundlicher?

Die Hersteller elektrischer Handtrockner verweisen darauf, dass beim Betrieb der Geräte kein Papierabfall entsteht. Das Umweltbundesamt (UBA) teilt allerdings mit, dass es sehr schwierig sei, eine eindeutige Bewertung vorzunehmen. Die Gründe dafür:

  • Bei Papierhandtüchern müsse man zum Beispiel berechnen, woher das Holz für die Produktion stammt, wie hoch der Altpapieranteil ist und wie viele Blätter durchschnittlich benutzt werden.
  • Bei elektrischen Handtrocknern müsse die Energie für die Herstellung der Geräte, der Stromverbrauch im Betrieb und die Herkunft des Stroms berücksichtigt werden. Ein großer Nachteil der Jetstreams sei die erhebliche Geräuschbelastung.

Dennoch sieht das UBA Jetstream-Trockner in puncto Umweltverträglichkeit vor Papierhandtüchern.

Handtrockner sind oft günstiger als Papiertücher

In der Anschaffung sind elektrische Handtrockner deutlich teurer als Spender für Papierhandtücher. Dafür sind die Folgekosten in der Regel geringer. Der Verbrauch der Papierhandtücher, ihre Entsorgung und das Auffüllen der Spender kosten Geld und binden Arbeitskräfte. Die wartungsarmen elektrischen Handtrockner werden einmal an die Wand montiert. Neben Stromkosten fallen in der Regel nur gelegentliche Reparaturkosten an.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 14.11.2016 | 20:15 Uhr

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