Stand: 01.04.2016 15:27 Uhr  | Archiv

Flüchtlinge mit Bausparverträgen abgezockt

Offenbar geraten Flüchtlinge in der Region Hannover immer häufiger an eher zwielichtige Geschäftsleute, die ihnen Verträge aufschwatzen, die die Hilfesuchende dann in finanzielle Nöte bringen. Davor warnt zumindest die Freiwilligen-Zentrale in der Landeshauptstadt. Bankberater würden sich dann etwa die schlechten Deutschkenntnisse zunutze machen. Auch bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen mehren sich nach eigenen Angaben die Vorfälle. Dort meldeten sich Flüchtlinge unter anderem wegen dubioser Fitness- und Handy-Verträge. Oft unterschreiben sie Verträge, obwohl ihnen das Kleingedruckte nicht erklärt wird.

Bei Abbuchungen aufmerksam geworden

Von solchen Vorfällen weiß auch Christiane Kayser zu berichten. Seit einiger Zeit kümmert sie sich um eine Familie aus Ghana. Als sie auf das Konto der Mutter der Familie schaute, sei sie auf hohe Abbuchungen aufmerksam geworden. Das habe die Rentnerin stutzig gemacht. Dabei handelte es sich ihr zufolge um eine Lebensversicherung für die beiden älteren Kinder in Höhe von jeweils 50 Euro. Dann gab es noch zwei Bausparverträge - auch mit je 50 Euro. "Das Schlimme daran, sie wäre gar nicht sofort an das Geld herangekommen, wenn sie es gebraucht hätte", so Kayser. Schließlich seien die Verträge langfristig angelegt gewesen und an bestimmte Fonds gebunden. Der Berater in der Bank habe schlichtweg die schlechten Deutschkenntnisse und die Gutgläubigkeit der Familie ausgenutzt.

Hilfe suchen, Rückabwicklung erwirken

Grundsätzlich gilt: "Wenn man einen Vertragsabschluss machen will, vorher genau Gedanken machen, ob ich mir das auch leisten kann? Und wenn ich der Sprache nicht mächtig bin, unbedingt einen Menschen zum Beratungsgespräch mitnehmen, der die Sprache beherrscht und vielleicht sogar Erfahrung auf dem jeweiligen Sachgebiet hat." Dazu rät Rotraud Mahlo von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Die meisten Verträge werden demnach mit der Unterschrift unter dem Papier gültig. Es sei denn, es gelten bestimmte Widerrufsrechte - wie zum Beispiel bei Abschlüssen im Internet oder bei Geschäften, die an der Haustür abgewickelt werden. "Wir können natürlich die Verträge in einem Beratungsgespräch prüfen", erklärt Mahlo. "Wenn wir dann festgestellt haben, dass der Mensch, der den Vertrag abgeschlossen hat, gar kein Deutsch kann und der Vertrag aber in deutscher Sprache aufgesetzt war, dann haben wir es bislang eigentlich auch immer geschafft, dass die Unternehmen die Verträge rückabgewickelt haben." Die Verbraucher hätten also ihr Geld zurückbekommen und das Unternehmen habe den Vertrag dann aufgelöst. So auch im Fall der ghanaischen Familie von Christiane Kayser.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 01.04.2016 | 17:00 Uhr

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