Stand: 24.01.2020 08:52 Uhr  - Markt

Fassadenfarbe: Biozide belasten die Umwelt

von Uwe Leiterer
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Fassadenfarben mit Bioziden können die Umwelt schädigen.

Wenn Algen und Pilze auf der Fassade wachsen, sind Hausbesitzer davon nicht begeistert. Wird ein neuer Anstrich fällig, greifen deshalb viele auf Fassadenfarben zurück, die einen Schutz gegen diese Art von Grünbelägen versprechen.

In den Farben sind häufig Biozide enthalten. Deren Hauptaufgabe ist es, Algen und Pilze bei Kontakt mit der Fassade zu töten, damit sich diese nicht ausbreiten und vermehren können. Die Gifte sind sehr langlebig, damit die Fassaden über mehrere Jahre geschützt bleiben.

Hausfassade: Vorsicht vor Bioziden in der Farbe

Markt -

Sogenannte Biozide im Anstrich bekämpfen Schimmel- und Algenbildung an der Hausfassade. Aber was ist, wenn durch den Regen die Biozide mit der Farbe in Erdreich und Gewässer gelangen?

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Biozide belasten Erdreich, Gewässer und Grundwasser

Durch Schlagregen und Tauwasser werden Fassaden immer wieder feucht. Zusätzlich verwittert die Fassadenfarbe im Laufe der Zeit durch jahreszeitlich bedingte Temperaturschwankungen und Sonnenlicht. Die Gifte werden früher oder später ausgewaschen und landen im Erdreich, der Kanalisation und in siedlungsnahen Gewässern. Das belegen Untersuchungen von Wissenschaftlern der Universitäten Lüneburg, Lübeck und Freiburg. Die langlebigen Gifte konnten sogar im Grundwasser nachgewiesen werden.

Biozide sind schädlich für Fische und Wasserorganismen

Auch außerhalb der Fassadenfarben verrichten Biozide ihre Aufgabe: Substanzen wie Benzisothiazolinon und Methylisothiazolinon sind äußerst schädlich für Wasserorganismen bis hin zu Fischen. Das ist sogar in den Sicherheitsdatenblättern der Fassadenfarben vermerkt.

Biozide wirken auch als Farbkonservierungsmittel

Die Biozide, die an der Wand Algen und Pilze töten sollen, sind oft dieselben, die die Farben im Topf vor Veränderungen schützen und eine lange Haltbarkeit garantieren sollen - die sogenannte Topfkonservierung. In der Regel ist das Benzisothiazolinon. Die Verwendungsmenge als Konservierungsmittel entspricht mindestens zehn Prozent im Vergleich zu den (zum Beispiel polymerverkapselten) Zusätzen, die als Algen- und Pilzkiller direkt an der Wand wirken sollen.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass Topfkonservierungsmittel früher oder später ebenfalls aus den verwitternden Fassadenfarben ausgewaschen werden.

Reaktionen auf Markt-Recherchen

In einer Stichprobe hat Markt Fassadenfarbe auf Biozide überprüft. Zu den Fragen der Redaktion schreibt zum Beispiel die Baumarkt-Kette Bauhaus:

Frage: In welcher Dosierung werden diese Stoffe eingesetzt und wie können Sie sicherstellen, dass diese Biozide nicht in die Umwelt gelangen?

Antwort Bauhaus:
a) "Profi Depot Fassadenplus PD6900": Als Topfkonservierung werden hier 200 ppm (Parts per million) - d.h. ein 200 Millionstel - der Kombination Benzisothiazolinon/Zinkpyrithion im Verhältnis 1:1 dem Produkt beigemischt.

b) "swingcolor Silicon Fassadenfarbe": Dieses Produkt wurde von uns in Bezug auf die Topfkonservierung im Jahr 2019 umgestellt, bzw. ist aktuell in der Umstellungsphase. Ware, die neu produziert wird, enthält demzufolge kein Methylisothiazolinon mehr. Aufgrund des Wechsels können sich somit noch Restbestände der alten Mischung in unseren Fachcentren befinden, die aktuell abverkauft werden. Daher ergibt sich in Bezug auf die Topfkonservierung aktuell folgende Situation:

alte Qualität: 200 ppm der Kombination Benzisothiazolinon/Methylisothiazolinon im Verhältnis 1:1
neue Qualität: 200 ppm der Kombination Benzisothiazolinon/Zinkpyrithion im Verhältnis 1:1

Frage: Können Sie garantieren, dass diese Stoffe nicht vom Regen ausgewaschen werden und im Boden versickern oder in die Kanalisation gelangen? Gibt es dazu Untersuchungen, die dies belegen?

Antwort Bauhaus:
Bei der Herstellung unserer Produkte kommt, wie bereits zuvor erwähnt, die niedrigste technologisch notwendige Konzentration von Konservierungsstoffen zum Einsatz, um so die Produkte ausschließlich haltbar zu machen. Die Dosierung ist dabei so gering wie möglich, um damit die potentielle Belastung für die Umwelt durch eine mögliche Auswaschung auf das Minimalste zu reduzieren.

Alle uns bekannten Studien zum Thema "Biozidauswaschungen" beziehen sich im Gegensatz zu unseren Produkten zumeist auf Erzeugnisse, die mit bioziden Stoffen in einer höheren Konzentration mit bis zu Faktor 10 zum Oberflächenschutz (Filmschutz) ausgestattet werden. Die Produkte sind demzufolge bewusst so konzipiert, dass die Biozide eine lange Verweildauer im Oberflächenfilm besitzen, um hier wirksam zu werden und so eine lange Witterungsbeständigkeit aufzuweisen. Dies ist bei unseren Produkten nicht der Fall!

Biozid-Alternativen: Silikatfarbe, Kalkputz und Titandioxid

Für Hausbesitzer bleibt die Frage, wie man eine Hausfassade lange ansehnlich und frei von hässlichen Algenbelägen und Pilzflecken halten kann. Die Fassadenfarben mit mehr oder weniger hoher Biozidbeimischung werden weiterhin angeboten. Es gibt aber auch Alternativen zu Fassadenanstrichen mit Bioziden. 

Alkalische Silikatanstriche oder Kalkputze haben einen so hohen pH-Wert, dass Algen und Pilze darauf nicht oder nur sehr schwer gedeihen können. Diese Farben benötigen auch keine Topfkonservierung. Bauhaus beispielsweise bietet mit der "Schöner Wohnen"-Fassadenfarbe ein Produkt ausdrücklich ohne Biozide an. Dort sorgt Titandioxid für einen photokatalytischen Effekt, der das Algen- und Pilzwachstum verhindern soll. Auch in anderen Baumärkten kann man sich dazu beraten lassen.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 20.01.2020 | 20:15 Uhr

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