Stand: 09.04.2018 13:18 Uhr  | Archiv

Gefährlicher Stoff in Forellen nachgewiesen

von Saskia Engels

Geräucherte Forellen aus Supermärkten und von Discountern können hohe Mengen eines Stoffes enthalten, der als gesundheitlich bedenklich gilt. Das hat eine Laboruntersuchung im Auftrag  von Markt ergeben. In allen sieben stichprobenartig gekauften Produkten wurde die Variante Ethoxyquin-Dimer nachgewiesen. Die getesteten Produkte (Preis pro 125 Gramm):

  • von Aldi, Lidl und Real für 1,69 Euro
  • von Top Mare für 1,89 Euro
  • von Wilkes für 2,19 Euro
  • von Krone für 3,29 Euro
  • von Friedrichs für 3,49 Euro

Ethoxyquin gelangt über das Futter in den Fisch

Die Substanz Ethoxyquin macht Futtermittel haltbar und gelangt offenbar auf diesem Weg in die Fische. Die Chemikalie wurde lange Zeit auch als Pestizid eingesetzt. Sie ist für diesen Zweck jedoch in der Europäischen Union seit 2011 verboten, da es Zweifel an der Unbedenklichkeit von Ethoxyquin gibt. Bis 2020 darf Ethoxyquin noch in Tierfuttermitteln verwendet werden.

Ethoxyquin-Dimer in Forellen

Gefunden wurde das Abbauprodukt Ethoxyquin-Dimer. Während es bei Fleisch einen Höchstwert für Ethoxyquin von 50 Mikrogramm pro Kilogramm gibt, existiert kein Höchstwert für Fisch. Die Werte des Abbauprodukts im untersuchten Fisch liegen weit über dem Höchstwert für Fleisch. Aus Sicht von Toxikologen muss das Abbauprodukt genauso berücksichtigt werden wie die Substanz Ethoxyquin.

Hinweise auf mögliche DNA-Schäden

"Man hat Hinweise, dass Ethoxyquin in Tierversuchen DNA-Schäden verursachen kann", warnt der Toxikologe Prof. Edmund Maser von der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Er verweist außerdem auf Studien, die eine Veränderung des Leberstoffwechsels durch Ethoxyquin dokumentierten. Generell gilt laut Prof. Maser: "Wir sind als Mensch einer Unzahl von Chemikalien ausgesetzt, die wir zum Beispiel über Lebensmittel oder andere Aufnahmepfade in unseren Körper bringen. Und da müssen wir mit Additionseffekten rechnen."

Konservierungsmittel BHT statt Ethoxyquin

Einige Züchter weichen bereits auf Futter ohne Ethoxyquin aus. Es enthält stattdessen eine andere Chemikalie: Butylhydroxytoluol (BHT). Doch aus Sicht von Lebensmittelchemikern ist BHT nicht viel besser als Ethoxquin. Bis auf die Aldi-Forelle enthielten alle Produkte BHT, teilweise in sehr hohen Mengen. Auf Anfrage von Markt verweisen die Hersteller auf fehlende Grenzwerte.

Chemie im geräucherter Forelle vermeiden

Wer Ethoxyquin im Zuchtfisch vermeiden möchte, kann auf Wildfisch oder Bio-Forelle zurückgreifen. Wildfisch wird nicht gezüchtet und bekommt somit kein belastetes Futter. Bio-Forelle wird in der Regel mit anderem Futter gemästet.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 09.04.2018 | 20:15 Uhr

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