Stand: 13.10.2017 09:48 Uhr

"Fette sind wichtig und gesund"

Chemisch betrachtet ist Öl vor allem eins: Fett. Doch ist es deshalb ungesund? Welche Fette braucht unser Körper und welche sollten wir lieber weglassen?

"Fett wurde irrtümlich schlechtgeredet"

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Fette seien wichtig, sagt Dr. med Anne Fleck.

"Nach neuestem Stand der Forschung wissen wir, dass es einfach ein fetter Irrtum ist, wie Fett in den letzten Jahrzehnten schlechtgeredet wurde", sagt Ernährungsmedizinerin Dr. Anne Fleck. "Man hat das Fett ja verantwortlich gemacht für alle Krankheiten: Übergewicht, Diabetes Mellitus, Herzinfarkt, Schlaganfall. Wir wissen aber nach neustem Stand: Die Fette sind wichtig, sie sind sogar gesund. Sie machen schlank und fördern auch unsere Kognition, also unser Gedächtnis, unsere Hirnleistung."

Schutzmantel für die Körperzellen

Auch unsere Körperzellen brauchen Fett als Schutzmantel. "Unser Körper ist gebaut aus Milliarden von Zellen. Und das Zellinnere wird geschützt durch die Zellmembran. Und die besteht wiederum aus Fett. So ist Fett quasi die Ritterrüstung für unsere gesunde Zelle", erklärt Anne Fleck. Aber nicht nur für Zellen wird Fett gebraucht. Für die inneren Organe wie Nieren und Leber ist Fett auch eine Art Innenpolster. Außerdem ist Fett ein wichtiger Wärmeschutz. Dazu kommt, dass unser Körper nur mit Fett bestimmte Vitamine aufnehmen kann. Anne Fleck empfiehlt deshalb, Gemüse- oder Karottensäfte immer mit ein paar Spritzern Olivenöl zu trinken, damit die Aufnahme fettlöslicher Vitamine verbessert wird. "Wer zum Beispiel schon zum Gemüse etwas Fettes isst, der hat die Garantie, dass die Vitamine gut in den Körper kommen."

Die Fett-Art ist entscheidend

Entscheidend ist, wie viel und welche Art von Fett wir essen. Am häufigsten kommen in unserer Nahrung gesättigte Fettsäuren vor, etwa in Fleisch, Käse und in pflanzlichen Ölen, die bei Zimmertemperatur fest sind. "Die gesättigten Fette wurden Jahrzehnte geschmäht, weil man sie verantwortlich machte für eine Erhöhung des Cholesterinspiegels", sagt Ernährungsmedizinerin Fleck. Heute wisse man aber, dass die gesättigten Fette den herzschützenden Anteil des Cholesterins erhöhen und dass sie damit nicht zwingend herzschädlich sind. Auch werde vermutet, dass gesättigte Fettsäuren vor Allergien schützen können.

Ungesättigte Fettsäuren sind besonders gesund

Als besonders gesund gelten einfach ungesättigte Fettsäuren. Sie stecken in Avocados und Nüssen, aber auch in Oliven- und Rapsöl. Sie sind leicht verdaulich und wirken entzündungshemmend. Je hochwertiger ein Olivenöl ist, desto höher ist auch der Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren. Zudem hat Olivenöl einen hohen Gehalt an Polyphenolen, also sekundären Pflanzenstoffen, und schützt damit das Herz-Kreislauf-System.

Omega-3-Fettsäuren hemmen Entzündungen

Eine Sonderstellung haben die mehrfach ungesättigten Fettsäuren Omega 3 und Omega 6. Unser Körper kann sie nicht selbst herstellen, daher müssen sie mit der Nahrung aufgenommen werden. Omega-3-Fettsäuren stecken vor allem in fetten Kaltwasserfischen wie Lachs oder Sardinen und in Speiseölen wie Walnuss-, Lein- und Weizenkeimöl. "Omega-3-Fettsäuren hemmen exzellent Entzündungen, sie beugen Arterienverstopfung vor und sie stärken unsere Gedächtnis- und Konzentrationsleistung", sagt Anne Fleck. "Allerdings sind sie in unseren Lebensmitteln und in unserem täglichen Essen sehr rar." Zudem seien Omega-3-Fettsäuren sehr empfindlich: "Man muss bei den Pflanzenölen wie Leinöl, Weizenkeimöl, Walnussöl unbedingt drauf achten, dass sie nicht nur bio und kaltgepresst hergestellt wurden, sondern auch immer unter Ausschluss von Licht, Hitze und Sauerstoff. Das sollte auch auf dem Etikett stehen."

Die Ernährungsexpertin empfiehlt, täglich ein bis zwei Esslöffel Omega-3-haltiges Speiseöl zu essen - entweder pur oder zum Beispiel als Salatdressing. Das deckt den Tagesbedarf. 

Omega-6-Fettsäuren für eine gute Wundheilung

Omega-6-Fettsäuren sind in deutlich mehr Speiseölen enthalten, besonders viel in Distel- und Sonnenblumenöl. Sie dienen zum Beispiel für eine optimale Wundheilung, wie Anne Fleck sagt. Wichtig bei den Omega-Fettsäuren sei die richtige Balance. "Das Entscheidende ist das Verhältnis der Fette zueinander. Das heißt, die Omega-Bilanz muss stimmen. Leider haben wir oft einen Überhang von Omega 6 zu Omega 3."

Vorsicht vor Transfetten

Ungesund sind die sogenannten Transfettsäuren. Transfette entstehen vor allem bei der industriellen Lebensmittel-Verarbeitung. Sie befinden sich in Popcorn, Chips, Keksen, Backwaren und Cornflakes und verstecken sich oft hinter dem Begriff "gehärtete Fette". "Sie fördern die Plaquebildung in unseren Arterien", warnt Anne Fleck. "Das heißt, die Arterien verstopfen leichter. Und damit fördern sie auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall."

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