Sendedatum: 05.05.2014 21:00 Uhr  | Archiv

Energiekosten: Das ändert sich für Mieter

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Wer eine Wohnung oder ein Haus vermietet, muss Interessenten den Energieausweis zeigen.

Bei Fernsehern, Kühlschränken und Waschmaschinen gibt es sie schon seit Jahren: sogenannte Energieeffizienzklassen. Die Plaketten mit Farbcodes von grün bis rot und mit Buchstaben von A bis E geben Aufschluss über den jährlichen Stromverbrauch von Elektrogeräten. Auch für Häuser existiert längst ein sogenannter Energieausweis. Doch den haben viele Mieter bisher niemals zu Gesicht bekommen. Das soll sich ändern: Seit dem 1. Mai 2014 sind Vermieter nach der Energieeinsparverordnung verpflichtet, in Immobilienanzeigen auf den Energiebedarf hinzuweisen und bei Wohnungsbesichtigungen eine Kopie des Energieausweises an Interessenten auszuhändigen. Recht so! erklärt, was das für Mieter bedeutet und welche Probleme die energetische Modernisierung mit sich bringen kann.

Wie aussagekräftig ist der Energieausweis?

Susanne Schönemeier vom Deutschen Mieterbund in Hannover hält den Energieausweis für sinnvoll: "Im Idealfall hängt der Vermieter ihn im Treppenhaus aus." Mieter könnten schnell und unkompliziert den Energieverbrauch mehrerer Häuser oder Wohnungen vergleichen. Im Energieausweis steht der sogenannte Energieverbrauchskennwert in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Konkret heißt das: Bei einem Kennwert von 200 Kilowattstunden pro Jahr und einer Wohnungsgröße von 90 Quadratmetern beträgt der jährliche Energiebedarf der Wohnung 18.000 Kilowattstunden.

Kann man den Energieverbrauchskennwert in Euro und Cent umrechnen?

Aus den Kennwerten kann man nicht exakt die tatsächlichen Kosten ermitteln, weil diese zum Beispiel abhängig vom Energieträger (etwa Öl, Gas, Fernwärme) und vom Heizverhalten unterschiedlich sind. Die Verbraucherzentrale NRW hat zu jeder Effizienzklasse die ungefähren Kosten geschätzt. Dabei gehört ein Passivhaus zur Effizienzklasse A+, ein nicht modernisiertes Einfamilienhaus ohne Wärmendämmung oder ein Altbau mit alter Heizanlage zur schlechtesten Klasse H.

Effizienzklassejährlicher Energiebedarf in kWh pro qmungefähre jährliche Energiekosten pro Quadratmeter
A+bis 30unter 2 Euro
A30 bis 503 Euro
B50 bis 755 Euro
C75 bis 1007 Euro
D100 bis 1309 Euro
E130 bis 16012 Euro
F160 bis 20015 Euro
G200 bis 25018 Euro
Hüber 25020 Euro und mehr

Wer muss die Kosten für eine energetische Modernisierung bezahlen?

Wer den Energiebedarf eines Hauses senken will, kann zum Beispiel die Heizanlage erneuern, neue Fenster einbauen oder eine Wärmedämmung anbringen. Vermieter, die eine Modernisierung durchführen, dürfen die Investitionskosten anteilig auf die Mieter abwälzen. Bis zu elf Prozent der Kosten lassen sich so auf die Jahresmiete umlegen. Das heißt: Bei einer 80.000 Euro teuren Maßnahme darf der Vermieter die Jahresmiete um bis zu 8.800 Euro erhöhen. Diese Summe wird auf alle betroffenen Mieter verteilt.

Schwierig ist oft die Abgrenzung von Modernisierungskosten und Instandhaltungskosten, die zum Beispiel für die Beseitigung von Schäden anfallen. Diese muss der Vermieter allein bezahlen.

Sind Mieterhöhungen wegen Modernisierung gerecht?

"Die Mieter finanzieren praktisch allein die Kosten der energetischen Modernisierung", kritisiert Susanne Schönemeier vom Deutschen Mieterbund. Sie fordert einen neuen Weg der Finanzierung: Zu jeweils zwei Dritteln sollen sich Mieter, Vermieter und der Staat an der energetischen Modernisierung beteiligen. Begründung: "Das ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe."

Bringt eine Modernisierung Mietern sinkende Heizkosten?

Nicht immer lohnen sich die Maßnahmen für Mieter. Häufig steigen zwar die Mieten stark an, aber die Heizkosten sinken nicht in gleichem Maße. Lange Zeit hatten Vermieter freies Spiel: Sie konnten energetisch modernisieren, ohne dass die Maßnahme einen spürbaren Vorteil für den Mieter haben musste. Doch inzwischen muss der Mieter in jedem Fall konkret nachweisen, wie groß der energetische Gewinn durch eine Modernisierung ist, erklärt Mietrechtsexpertin Schönemeier.

Darf der Vermieter nach Gutdünken modernisieren?

Bei einer Modernisierung sind rechtliche Vorgaben einzuhalten. Der Vermieter muss eine Modernisierung drei Monate vor Beginn ankündigen und dem Mieter mitteilen: Was wird gemacht? Wie lange dauert es? Wie hoch ist die zu erwartende Mieterhöhung?

Wie können sich Mieter gegen eine Modernisierung wehren?

Nach Zugang des Modernisierungsschreibens haben Mieter einen Monat Zeit, Widerspruch einzulegen. Sie können nach Auskunft von Mieterbund-Sprecherin Schönemeier einen Härtefall durch die zu erwartende Mietererhöhung geltend machen. Eine besonders schwerwiegende Ungerechtigkeit könnte zum Beispiel vorliegen, wenn ein Mieter bettlägerig oder schwer krank ist. Doch selbst Härtefälle könnten nach Ansicht Schönemeiers allenfalls aufschiebende Wirkung haben: Eine geplante Mieterhöhung infolge einer Modernisierung zu verhindern, sei praktisch fast unmöglich.

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Dieses Thema im Programm:

05.05.2014 | 21:00 Uhr

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