Elektroautos im Vergleich: Alternative zu Benziner und Diesel?

Stand: 26.10.2020 15:17 Uhr

Mit Zuschüssen der Bundesregierung und der Hersteller kostet ein Elektro-Kleinwagen kaum mehr als ein vergleichbares Auto mit Benzin- oder Diesel-Antrieb. Aber sind die Elektroautos wirklich eine gute Wahl?

von Claudius Maintz

Beim Kauf eines vollelektrischen Autos erhalten Verbraucher von Staat und Herstellern 9.000 Euro Umweltprämie. Einzige Einschränkung: Das E-Auto darf nicht mehr als 40.000 Euro kosten (Netto-Listenpreis). Der Anreiz für den Kauf von Elektroautos zeigt bereits Wirkung: Waren im September 2019 nur knapp vier Prozent der neu zugelassenen Autos elektrisch, lag der Anteil im September 2020 schon bei 15,6 Prozent.

E-Auto-Prämie nutzen: Preisvergleich mit Benzinern

Beispiel Hyundai Kona: Der kleine SUV kostet als Benziner knapp 19.000 Euro, die Elektro-Version fast 34.000 Euro, also 15.000 Euro mehr. Aber: Der Bund fördert E-Autos mit 6.000 Euro (E-Auto-Prämie), die Hersteller legen mindestens noch einmal 3.000 Euro drauf. Macht zusammen 9.000 Euro. Manche Autofirmen wie Hyundai erhöhen ihren Anteil freiwillig. Beim Kona betragen die Zuschüsse insgesamt 11.000 Euro. Unterm Strich kostet der Benziner 19.000 Euro, die elektrische Version 23.000 Euro.

Elektroautos haben niedrigere Betriebskosten als Benziner

Die Mehrkosten gegenüber Benzin-Fahrzeugen gleichen viele E-Autos durch niedrigere Betriebskosten aus. Der ADAC hat ausgerechnet, dass die Gesamtkosten für Anschaffung und Betrieb bei vielen E-Autos günstiger sind als bei vergleichbaren Modellen der gleichen Marke mit klassischem Antrieb. So ist im Ergebnis zum Beispiel der Renault Zoe günstiger als ein vergleichbarer Clio.

Ein Grund sind niedrigere Kosten für Reparaturen: E-Autos haben beispielsweise keinen Auspuff, der kaputt gehen könnte. Auch Ölwechsel entfallen bei Elektroautos komplett.

Akku-Austausch kann teuer werden

Teuer werden kann allerdings die Anschaffung eines neuen Akkus: Der Austausch der Batterie kann fünfstellige Euro-Beträge kosten. Verbraucher sollten daher auf eine möglichst lange Herstellergarantie für den Akku achten. Bei einigen Herstellern kann man das Auto kaufen und die Batterie mieten. Geht der Akku kaputt, erhält man kostenlos einen neuen.

Reichweite: Bis zu 450 Kilometer mit einer Akkuladung

Moderne Elektroautos haben eine Reichweite von 300 bis 450 Kilometer, ältere Modelle meist nur 250 Kilometer. Bei flotter Fahrweise müssen die Fahrzeuge schon früher wieder an die Ladestation. Ein größerer Akku kann die Reichweite des Autos erhöhen. Aber: Durch das höhere Gewicht steigt der Stromverbrauch - und das wiederum reduziert die Reichweite.

Um die Reichweite zu erhöhen, lässt sich bei den meisten E-Autos die sogenannte Rekuperationsrate einstellen. Dabei handelt es sich um die Energie-Rückgewinnung, sobald der Fuß vom Gaspedal geht. In der Stadt ist es sinnvoll, einen hohen Wert zu wählen. So wird beim Bremsen vor jeder roten Ampel wieder etwas Strom in die Batterie geladen. Auf dem Land dagegen ist es ratsam, das Auto einfach rollen zu lassen.

Zuschüsse für Ladestationen am Parkplatz zu Hause

Wer vom Diesel oder Benziner auf ein elektrisches Auto umsteigt, muss umdenken: Geladen wird, wenn das Auto parkt - zu Hause, auf der Arbeit oder beim Einkaufen. Die Parkplätze der E-Autos sind gleichzeitig Ladestationen. Ab dem 24. November 2020 bezuschusst die staatlicheKfW-Bank Ladestationen für Zuhause mit 900 Euro.

Warum das Laden von E-Autos oft lange dauert

Ein Grund für lange Ladezeiten ist ein Bauteil im Elektroauto, das den Wechselstrom (AC) etwa aus städtischen Säulen in Gleichstrom (DC) für den Akku umwandelt. Der sogenannte Wechselrichter verträgt oft nur einen Teil der Leistung, der aus der Ladesäule kommen könnte - also zum Beispiel statt möglicher 22 Kilowatt (kW) nur 7,2. Viele Hersteller bieten einen größeren Wechselrichter an, allerdings nur gegen Aufpreis.

Schnellladesäulen entlang von Autobahnen

Bei Schnellladesäulen, zum Beispiel entlang von Autobahnen, wird der zum Laden der Batterie erforderliche Gleichstrom bereits außerhalb des Autos erzeugt und fließt direkt in den Akku. Die schnellsten Ladegeräte erreichen momentan 350 kW.

Theoretisch ließe sich die Batterie eines E-Autos in weniger als zehn Minuten laden. Doch nur wenige Autos können so hohe Ladeleistungen verarbeiten, etwa Porsche Taycan und Tesla Model 3. Und: Damit der Akku nicht überhitzt und Schaden nimmt, regelt die Ladesäule die Leistung herunter. So dauert das Laden der Batterie etwas länger.

Volles Aufladen dauert sehr lange

Auf Langstrecken laden viele Fahrer von E-Autos den Akku niemals ganz voll. Denn das letzte Fünftel einer Batterie mit Strom zu füllen dauert in der Regel so lange wie die ersten zehn bis 80 Prozent. Die geladenen Teilchen (Ionen) brauchen am Ende länger, um in der Batterie einen freien Platz zu finden,. Wer es eilig hat, geht für acht bis zehn Minuten an den Schnelllader. Das dauert nur unwesentlich länger, als einen Diesel oder Benziner vollzutanken und in der Tankstelle zu bezahlen. Das Aufladen an Schnelladern ist etwas teurer als das Tanken von Benzin und Diesel.

E-Autos: Lade- und Reichweiten-Probleme bei Kälte

  • Batterie: Bei Temperaturen unter null Grad Celsius kann die Batterie des E-Autos einfrieren: Der Elektrolyt, in dem sich die Lithium-Ionen bewegen, wird extrem zäh. Dann passiert an der Ladesäule nichts, der Akku bleibt leer.

  • Reichweite: Die meisten E-Autos haben bei Kälte eine geringere Reichweite. In einem Praxistest von Markt sank sie beim Renault Zoe nach einer Nacht im minus 15 Grad kalten Kühlcontainer von 219 auf 181 Kilometer. Mit eingeschalteter Heizung oder Klimaanlage fällt der Wert weiter. Etwas Abhilfe schaffen hier Wärmepumpen-Heizungen, die im Gegensatz zu rein elektrischen Heizungen weniger Energie verbrauchen.

Warnung vor leerem Akku

Autos mit Verbrennungsmotor signalisieren deutlich, wenn der Kraftstoff zur Neige geht. E-Autos fordern noch stärker zum Ansteuern einer Ladesäule auf - in mehreren Stufen, zum Teil mit lauten Warngeräuschen.

Besonders teure Modelle wie zum Beispiel der Porsche Taycan (ab 104.000 Euro) besitzen sogar einen elektrischen "Rettungsschirm" - für den Fall, dass das Auto auf einem Bahnübergang oder in einer Autobahn-Baustelle liegen bleibt. Ein erneuter Druck auf den Startknopf mobilisiert dann letzte Kräfte für maximal fünf Kilometer. Bei Tesla gibt es eine ähnliche Funktion.

E-Autos können gefährlich leise sein

Autos mit konventionellen Antrieben sind zwar deutlich leiser geworden. Doch die meisten Passanten hören sie immer noch. Dagegen surren E-Autos scheinbar lautlos über die Straße. Dadurch kann es zu Unfällen kommen. Deshalb müssen neue Elektroauto-Modelle laut EU-Verordnung seit dem 1. Juli 2019 bei Geschwindigkeiten bis 20 km/h ein Geräusch erzeugen.

Weitere Informationen
Elektroauto an der Ladestation. © fotolia Foto: estations

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 26.10.2020 | 20:15 Uhr

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