Maskierter Einbrecher bricht ein Fenster auf. © Fotolia.com Foto: sdecoret

Einbruchschutz: Haus und Wohnung sicherer machen

Stand: 28.09.2021 12:52 Uhr

Einbrecher scheuen Lärm und Zeitaufwand, deshalb schrecken solide mechanische Sicherungen oft ab. Verhaltensregeln sowie Technik-Tipps der Polizei helfen, Einbrüche zu verhindern.

Kurze Tage mit einer früh beginnenden Dämmerung: Herbst und Winter sind die Lieblingsjahreszeiten für Einbrecher. Meist schon am späten Nachmittag können sie im Schutz der Dunkelheit ihrem kriminellen Handwerk nachgehen. Mehr als ein Drittel aller Wohnungseinbrüche erfolgt tagsüber - bevorzugt dann, wenn die Bewohner bei der Arbeit, in der Schule oder beim Einkaufen sind. Besonders beliebt bei den Tätern sind der frühe Abend und die Wochenenden, in der Hoffnung niemanden anzutreffen.

Technische Sicherungen schrecken Täter ab

Grundsätzlich gilt: Will ein Täter in die Wohnung eindringen, schafft er es auch - entweder mit roher Gewalt und viel Lärm oder mit größerem Zeitaufwand. Beide Faktoren erhöhen jedoch das Risiko, auf frischer Tat ertappt zu werden. Genau hier sollten Mieter und Eigenheim-Besitzer ansetzen, um ihr Hab und Gut zu schützen. Besonders technische Sicherungsmaßnahmen schrecken Täter ab oder zwingen sie zum Aufgeben. Das belegt der hohe Anteil gescheiterter Einbrüche, der nach Angaben der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes im Jahr 2020 bei fast 47 Prozent lag.

Fenster immer schließen - Schlüssel sicher verwahren

Die beste Haustechnik kann einen Einbruch jedoch nicht verhindern, wenn sich Mieter oder Eigentümer falsch verhalten. Beim Verlassen der Wohnung immer alle Fenster schließen und die Haustür abschließen. Sonst haben versierte Einbrecher leichtes Spiel. Viele Versicherer weigern sich, Ansprüche aus der Hausratversicherung zu begleichen, wenn ein Fenster nachweislich gekippt war.

Sorgfältig mit Haustürschlüsseln umgehen: Schließzylinder sofort erneuern, wenn ein Schlüssel verloren wurde. Niemals einen Ersatzschlüssel im Freien verstecken. Zudem sollten Leitern, Gartenmöbel und Mülltonnen sicher verschlossen sein, um Einbrechern den Weg in die oberen Geschosse zu erschweren.

Vorsicht in sozialen Netzwerken: Keine Urlaubsfotos posten

Vorsicht ist auch in sozialen Netzwerken geboten: Niemals posten, wann eine Urlaubsreise ansteht. Auch aktuelle Posts oder Fotos von Urlaubsaktivitäten sind verräterisch und eine zuverlässige Informationsquelle für Einbrecher. Auf dem Anrufbeantworter zudem niemals Fremde darüber informieren, wie lange man nicht zu Hause ist. Fallen im Wohnumfeld fremde Personen auf, die möglicherweise die Gewohnheiten der Bewohner ausspähen, sofort die Polizei informieren.

Bewohnten Eindruck erwecken: Licht und Briefkasten leeren

Ein überfüllter Briefkasten mit Zeitungen und Prospekten. © Picture-Alliance / dpa Themendienst Foto: Silvia Marks
Ein überfüllter Briefkasten signalisiert Einbrechern: Hier ist niemand zu Hause.

Abschreckend für Einbrecher ist es zudem, wenn sie befürchten müssen, bei ihrer Tat die Bewohner oder einen Hund anzutreffen. Eine Zeitschaltuhr, die das Licht in einem oder mehreren Räumen einschaltet, erweckt den Eindruck, es sei jemand zu Hause. Außen können Bewegungsmelder Lampen steuern. Elektronische Geräte täuschen Hundegebell oder das Flimmern eines Fernsehers vor.

Experten raten hingegen davon ab, Kamera-Attrappen im Außenbereich zu installieren. Statt abzuschrecken, signalisieren diese den Tätern: Hier ist etwas zu holen. Einen überquellenden Briefkasten unbedingt vermeiden. Bei einem Urlaub oder längerer Abwesenheit einen Nachbarn bitten, regelmäßig zu leeren und die Post zu verwahren.

Fenster und Balkontüren: Pilzzapfen schützen vor Aufhebeln

Ein Fensterflügel ist mit einem Zusatzschloss und einer Scharnierseitensicherung gegen Einbruch geschützt. © Picture-Alliance / dpa Themendienst Foto: Susann Prautsch
Ältere Fenster lassen sich mit einem Zusatzschloss und einer Scharnierseitensicherung nachrüsten.

Die mechanische Sicherung von Türen und Fenstern ist ein wirkungsvoller Schutz vor Einbrechern. Eine Schwachstelle sind Fenster sowie Terrassen- und Balkontüren, die mit herkömmlichen Rollzapfen ausgerüstet sind. Mehr Sicherheit bieten sogenannte Pilzkopfzapfen mit entsprechenden Beschlägen. Bei modernen Bauelementen zeigt die Widerstandsklasse, wie gut sie vor Einbruch schützen. Von den Klassen RC1 bis RC6 sollten neue Fenster und Türen mindestens dem Standard RC2 entsprechen.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zur Nachrüstung: beispielsweise abschließbare Sicherungsstangen, die quer in den Fensterlaibungen verankert werden, Fenster-Zusatzschlösser oder Scharnierseitensicherungen. Abschließbare Fenstergriffe erschweren ein leichtes Öffnen der Fensterflügel, wenn eine Scheibe eingeschlagen wurde oder ein Fenster versehentlich in der Kippstellung offen gelassen wurde.

Haustür absichern: Panzerriegel bietet guten Einbruchschutz

Schlüsseldienst bei Montage eines Panzerriegels © Dan Race/fotolia.com
Bei fachgerechter Montage bieten Panzerriegel sehr guten Schutz vor dem Aufhebeln von Türen.

Eingangs- und Kellertüren können ebenfalls wirkungsvoll geschützt werden. Das Sicherheitsschloss sollte mit einen sogenannten Pickingschutz ausgerüstet sein, sich also mit Spezialwerkzeug nicht einfach und zerstörungsfrei öffnen lassen. Türbeschläge mit Ziehschutz, die den Schließzylinder abdecken, verhindern, dass ein aufgebohrtes Schloss einfach aus der Tür herausgezogen wird.

Verlängerte Schließbleche, die tief im Mauerwerk der Türöffnung verankert sind, machen das Aufhebeln mit einer Brechstange schwieriger. Panzerriegel über die volle Breite der Tür bieten ebenfalls einen sehr guten Schutz. Empfehlenswert sind auch Zusatzschlösser mit einem Sperrbügel, der zudem ein Aufstoßen der Tür beim Öffnen verhindert.

Professionelle Tresore und Alarmanlagen oft teuer

Professionell verankerte, hochwertige Schließfächer und Kleintresore schützen Papiere und Wertgegenstände vor dem direkten Zugriff, wenn die Täter bereits in der Wohnung sind. Safes mit hoher Sicherheitsstufe und fachgerechter Montage sind jedoch nicht preisgünstig. Eine gute und sichere Alternative ist ein Bankschließfach. Eine Überfall- und Einbruchmeldeanlage ist ratsam, kann aber bei einer Installation vom Fachbetrieb ebenfalls sehr teuer werden.

Polizeiliche Beratungsstelle gibt Empfehlungen

Welche zertifizierten Sicherheitsprodukte, Schutzmaßnahmen und Fachbetriebe bei den örtlichen Gegebenheiten geeignet sind, erfahren Verbraucher kostenlos bei den Polizeilichen Beratungsstellen vor Ort.

KfW-Bank fördert Einbruchschutz

Bei der Umrüstung gibt es für Eigentümer in bestimmten Fällen sogar finanzielle Unterstützung: Wer sein Eigenheim oder seine Wohnung gegen Einbruch sichert, kann je nach Höhe der Investition Fördergelder bis zu 1.600 Euro von der Kreditanstalt für Wiederaufbau erhalten.

Inventarliste erleichtert Schadensregulierung

Sind Sie Opfer eines Einbruchs geworden, ist es zunächst schwer zu rekapitulieren, welche Gegenstände von Wert die Täter entwendet haben. Um die Schadensregulierung mit der Hausratversicherung sowie die Arbeit der Polizei zu erleichtern, ist eine Inventarliste des Haushalts hilfreich. Wertgegenstände, Schmuck, Computer und teure Unterhaltungselektronik mit Fotos und möglichst mit Rechnungen dokumentieren.

Zentraler Sperr-Notruf für Konto, Smartphone und Ausweis

Haben die Einbrecher die Brieftasche, wichtige Dokumente oder das Smartphone gestohlen, ist Eile geboten, um Missbrauch zu verhindern. Beim Sperren von Kredit- und Giro-Karten, dem elektronischen Personalausweis oder dem Smartphone hilft der kostenfreie zentrale Sperr-Notruf 116 116. Zum Sperren müssen folgende Informationen griffbereit sein:

  • Girocard: IBAN, alternativ Bankleitzahl (BLZ) und Kontonummer
  • Keditkarte: Name der Bank (Kartenherausgeber) oder BLZ
  • Online-Banking: IBAN, alternativ Bankleitzahl (BLZ) und Kontonummer
  • E-Personalausweis: Vorname, Geburtsdatum und Sperrkennwort
  • Smartphone/SIM-Karte: Mobilfunknummer

Weisser Ring bietet Hilfe für Einbruchsopfer

Besonders schmerzlich für Opfer eines Einbruchs ist neben den materiellen Verlusten die Tatsache, dass ein Unbekannter die Privatsphäre verletzt hat - viele Menschen fühlen sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher und geborgen. Psychologische Beratung und Hilfe in finanziellen Notlagen leistet die Opferschutz-Organisation Weisser Ring. Auch manche Hausratversicherungen bieten psychologische Beratungen an.

Richtiges Verhalten bei Einbruch

Beim Nachhausekommen bietet sich hinter der Haustür ein chaotisches Bild: Der Boden ist übersät mit Gegenständen, Schubladen und Schranktüren stehen offen - ein Einbruch. Nach dem ersten Schock gilt es, Ruhe zu bewahren und einiges zu beachten:

  • Wohnung oder Haus verlassen
  • die Polizei über den Notruf 110 verständigen
  • Einbrecher nicht aufhalten oder angreifen
  • Infos zum Täter einprägen (Aussehen, Größe, Fluchtweg, Fahrzeug)
  • Kontakt zur Versicherung aufnehmen
  • erst aufräumen, wenn der Tatort wieder freigegeben ist
  • ggf. selbst Fotos machen

Weitere Informationen
Überwachungskamera an einer Hauswand © fotolia Foto: joachimplehn

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 12.10.2020 | 20:15 Uhr

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