Einbrecher hebelt mit einem Brecheisen ein Fenster auf. © Fotolia.com Foto: sdecoret

Einbruchschutz: Tipps für mehr Sicherheit im Haus

Stand: 27.10.2022 15:38 Uhr

In der dunklen Jahreszeit nutzen Einbrecher häufig die Chance, unbemerkt durch Fenster und Türen einzusteigen. Mit einfachen Tipps und günstigen Maßnahmen lassen sich Kriminelle aufhalten.

Laut Bundeskriminalamt (BKA) scheiterten 2021 fast die Hälfte aller Einbrüche, weil die Kriminellen nicht in die Wohnungen gelangten. Denn viele Einbrecher sind Gelegenheitstäter und lassen nach etwa fünf Minuten von ihrem Vorhaben ab, wenn sie sich keinen Zugang verschaffen können. Zeit ist also ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, einen Einbruch zu verhindern. Wer sein Zuhause schützen will, sollte Fenster und Türen daher gut sichern.

Fenster und Türen schließen

Ein gekipptes Fenster © NDR Foto: Elke Janning
Haben Bewohner bei einem Einbruch ein Fenster auf Kipp gelassen, zahlen viele Versicherungen nicht.

Eine gute Nachricht lautet: Dank Sicherheitstechnik und Präventionsarbeit der Polizei kommt es immer seltener zu Wohnungseinbrüchen. Doch die modernste Technik nützt nichts, wenn Mieter und Eigentümer Fenster auf Kipp stehen lassen und Türen nicht abschließen.

Beim Verlassen der eigenen vier Wände gilt deshalb: Fenster und Außentüren unbedingt schließen. Viele Versicherer weigern sich, Ansprüche aus der Hausratversicherung zu begleichen, wenn ein Fenster nachweislich gekippt war. Haustüren sollten immer zweimal abgeschlossen werden. Haustürschlüssel niemals unter Fußmatten, Blumentöpfen oder andernorts im Freien verstecken. Solche "Verstecke" machen Einbrecher in Kürze ausfindig.

Einbruchschutz während der Urlaubszeit

Ein voller Briefkasten, in dem die Post überquillt. © NDR Foto: Elke Janning
An vollen Briefkästen können Einbrecher erkennen, dass niemand zu Hause ist.

Wer in den Urlaub fährt, sollte sein Vorhaben nicht vorab oder während der Reise in sozialen Netzwerken posten und Kriminellen damit wertvolle Informationen über seine Abwesenheit zuspielen. Aktuelle Fotos vom Strand oder auf der Skipiste dienen Einbrechern als Informationsquelle. Nachbarn oder Freunde, die regelmäßig den Briefkasten leeren und beim Blumengießen das Licht einschalten, lassen das Haus bewohnt wirken.

Bewegungsmelder, Kamera und Zeitschaltuhr installieren

Zeitschaltuhren, die das Licht automatisch einschalten und Jalousien hoch und runter fahren, erwecken den Eindruck, es sei jemand zu Hause. Bewegungsmelder sorgen für Licht an Haustüren, Kellereingängen sowie Fenstern und damit für zusätzlichen Schutz vor Einbrechern. Moderne Kameras für den Außenbereich lassen sich einfach mit dem Smartphone verbinden, sodass Bewohner das eigene Grundstück auch in Abwesenheit überwachen können.

Eine Überwachungskamera, die auf den Betrachter gerichtet ist. © NDR Foto: Elke Janning
Überwachungskameras sollen Einbrecher abschrecken. Sie dürfen aber nur auf das eigene Grundstück gerichtet sein.

Beim Installieren von Kameras ist jedoch Vorsicht geboten. So dürfen Kameras nur auf das eigene und nicht auf das Grundstück des Nachbarn gerichtet sein. Zudem muss im Überwachungsbereich gut sichtbar ein Hinweisschild angebracht werden, das Besucher und Paketboten über die Überwachung aufklärt. Einige Experten warnen übrigens davor, Kamera-Attrappen im Außenbereich zu installieren. Statt abzuschrecken, können diese den Tätern signalisieren, in der Wohnung sei "etwas zu holen".

Jalousien nicht dauerhaft herunterlassen

Häufig lassen Bewohner Außenjalousien herunter, wenn sie längere Zeit abwesend sind, um eine zusätzliche Barriere gegen Einbrecher zu schaffen. Viele Experten raten jedoch davon ab. Denn tagelang heruntergelassene Rollos signalisieren Tätern, dass niemand zu Hause ist. Zudem sind Rollos in der Regel nur als Sicht- und Sonnenschutz konzipiert und lassen sich leicht aushebeln, zerschneiden oder hochdrücken.

Das gilt nicht bei Rolläden, die einbruchhemmend konstruiert oder zusätzlich gesichert sind. So gibt es zum Beispiel extra stabile Rolläden mit integrierten Sperren, die das Hochschieben verhindern und durch verstärkte Führungsschienen das Herausreißen erschweren.

Türen und Fenster zusätzlich sichern

Wie sicher eine Haustür oder ein Fenster ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Das hängt von Alter, Material und eingesetzter Schließ- und Sicherungstechnik ab. Jahrzehntealte Türen und Fenster aus Holz lassen sich meist schon mit wenig Kraftaufwand eintreten.

Ein Türrahmen mit 3-Punkt-Verriegelung © NDR Foto: Elke Janning
Die 3-Punkt-Verriegelung verschließt die Haustür nicht nur mittig, sondern auch unten und oben.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zur Nachrüstung für Türen und Fenster. So kann die Installation eines neuen Haustürschlosses mit 3-Punkt-Verriegelung sinnvoll sein. Durch diese Verriegelung verschließt der Türrahmen die Tür nicht nur mittig, sondern zusätzlich oben und unten.

Abschließbare Fenstergriffe erschweren ein leichtes Öffnen der Fensterflügel, wenn eine Scheibe eingeschlagen oder ein Fenster versehentlich in der Kippstellung offen gelassen wurde. Für einen besseren Einbruchschutz empfiehlt die Polizei den Einbau von Fenstern, die mindestens Widerstandsklasse 2 (RC 2) haben. Das Netzwerk "Zuhause sicher" stellt weitere Informationen zum Nachrüsten von Fenstern bereit.

Ob eine neue Haustür eingebaut werden sollte oder ob sich die vorhandene Tür kostengünstig technisch verbessern lässt, etwa mit einem neuen Schloss, kann vor Ort festgestellt werden. Die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes bietet Bürgern kostenlose individuelle Beratung sowie allgemeine Informationen zum Thema Einbruchschutz.

Inventarliste für Schadensregulierung erstellen

Einbruchsopfer können oftmals zunächst nur schwer rekapitulieren, welche Gegenstände Täter entwendet haben. Um die Schadensregulierung mit der Hausratversicherung sowie die Arbeit der Polizei zu erleichtern, ist eine zuvor erstellte Inventarliste des Haushalts hilfreich. Wertgegenstände, Schmuck, Computer und teure Unterhaltungselektronik sollten mit detaillierten Fotos und möglichst mit Rechnungen dokumentiert werden.

Richtiges Verhalten nach einem Einbruch

Wer nach Hause kommt und seine Wohnung in einem chaotischen Zustand vorfindet, wird verständlicherweise zunächst einmal sehr geschockt sein. Dennoch ist es ratsam, Ruhe zu bewahren und Folgendes zu beachten:

  • Verlassen Sie sofort die Wohnung oder das Haus
  • Rufen Sie die Polizei über den Notruf 110
  • Halten Sie Einbrecher nicht auf oder greifen Sie diese nicht an
  • Falls Sie den Täter antreffen, prägen Sie sich möglichst viele Informationen ein (Aussehen, Größe, Fluchtweg, Fahrzeug)
  • Nehmen Sie Kontakt zur Versicherung auf
  • Räumen Sie erst auf, wenn der Tatort wieder freigegeben ist
  • Machen Sie ggf. selbst Fotos

Zentraler Sperr-Notruf für Konto, Smartphone und Ausweis

Haben die Einbrecher die Brieftasche, wichtige Dokumente oder das Smartphone gestohlen, ist Eile geboten, um Missbrauch zu verhindern. Beim Sperren von Kredit- und Giro-Karten, dem elektronischen Personalausweis oder dem Smartphone hilft der kostenfreie zentrale Sperr-Notruf 116 116. Zum Sperren müssen folgende Informationen griffbereit sein:

  • Girocard: IBAN, alternativ Bankleitzahl (BLZ) und Kontonummer
  • Keditkarte: Name der Bank (Kartenherausgeber) oder BLZ
  • Online-Banking: IBAN, alternativ Bankleitzahl (BLZ) und Kontonummer
  • E-Personalausweis: Vorname, Geburtsdatum und Sperrkennwort
  • Smartphone/SIM-Karte: Mobilfunknummer

Psychologische Folgen: Weißer Ring bietet Hilfe für Einbruchsopfer

Regentropfen an einer Fensterscheibe © NDR Foto: Elke Janning
Viele Einbruchsopfer fühlen sich nach der Tat zu Hause nicht mehr sicher. Hilfe bietet die Organisation Weißer Ring.

Besonders schmerzlich für Opfer eines Einbruchs ist neben den materiellen Verlusten die Tatsache, dass ein Unbekannter die Privatsphäre verletzt hat - viele Menschen fühlen sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher und geborgen. Psychologische Beratung und Hilfe in finanziellen Notlagen leistet die Opferschutz-Organisation Weißer Ring. Auch manche Hausratversicherungen bieten psychologische Beratungen an.

Weitere Informationen
Maskierter Einbrecher bricht ein Fenster auf. © Fotolia.com Foto: sdecoret
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Ein Gespräch mit einem Experten des Landeskriminalamtes Niedersachsen über zahlreiche Aspekte rund um das Thema Einbruchschutz. 39 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Ratgeber | 15.12.2021 | 20:00 Uhr

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