Stand: 29.10.2020 11:50 Uhr

Corona-Reiserecht: Stornierung nur bei Reisewarnung gratis

Ein Stempel mit der Aufschrift "Reisewarnung" steht auf einer Europaflagge, im Hintergrund Euro-Geldscheine (Themenbild) © Picture-Alliance / ZB Foto: Sascha Steinach
Geld zurück bekommen Urlauber meist nur, wenn eine Reisewarnung für das Reiseziel gilt.

Wegen der Corona-Krise haben viele Verbraucher in den vergangenen Monaten geplante Reisen storniert. Seit es weltweit wieder mehr Infizierte gibt, veröffentlicht das Auswärtige Amt immer neue Reisewarnungen. Betroffen sind auch beliebte Urlaubsländer wie Spanien. Was müssen Kunden tun, um ihr Geld im Zweifelsfall von dem Reiseveranstalter zurückzubekommen?

Wann dürfen Verbraucher kostenlos stornieren?

Eine kostenlose Stornierung von Pauschalreisen ist in der Regel für Länder möglich, für die eine Reisewarnung gilt. Dazu gehören derzeit viele bei deutschen Urlaubern beliebte Länder, Regionen und Städte in Europa wie etwa Frankreich, Spanien und Italien. Allerdings heißt es dazu beim Auswärtigen Amt: "Letztendlich ausschlaggebend ist nicht die Reisewarnung des Auswärtigen Amts, sondern die juristische Frage, ob außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vorliegen. Dies ist im Einzelfall zu klären."

Viele Reiseveranstalter haben allerdings auf die aktuelle Lage reagiert und geplante Reisen abgesagt. Andere bieten ihren Kunden die Möglichkeit, kostenfrei umzubuchen oder zu stornieren.

Was gilt für Buchungen in Länder, für die aktuell eine Reisewarnung besteht?

Wer jetzt eine Reise etwa für den Winter oder das Frühjahr in ein Land bucht, für das aktuell eine Reisewarnung gilt, nimmt bewusst ein Risiko in Kauf. Es ist rechtlich unklar, ob Verbraucher diese Reisen später kostenlos stornieren dürfen. Einige Veranstalter werben allerdings mit kostenlosen Stornierungsmöglichkeiten bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Ist die geplante Reise noch relativ lange hin, rät die Verbraucherzentrale, sich bei Buchung auf jeden Fall mit den jeweiligen Stornoregeln und den Vor- und Nachteilen einer frühen Stornierung genau zu beschäftigen. In der Regel gilt: Je früher der Reiserücktritt erklärt wird, desto niedriger sind die Stornogebühren. Nähere Hinweise geben die Verbraucherschützer auf ihrer Website. Außerdem sollen Arbeitnehmer künftig keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung haben, wenn sie sich nach einer Reise in ein Risikogebiet in Quarantäne begeben müssen.

Wann müssen Kunden Stornogebühren zahlen?

Wer eine Reise in eines der europäischen Länder gebucht hat, für die aktuell keine Reisewarnung gilt, kann reisen. Wer trotzdem stornieren möchte, für den gelten seit dem 15. Juni wieder die vertraglich festgelegten Stornobedingungen. In vielen Ländern bestehen allerdings weiterhin Einschränkungen im touristischen Angebot und im öffentlichen Leben. In diesen Fällen oder wenn das Infektionsrisiko im betreffenden Reiseland hoch ist, sollten keine Stornogebühren anfallen, so die Einschätzung der Verbraucherzentrale. Je nachdem, wie der Reiseveranstalter die Situation bewertet, könne es darüber aber zum Streit zwischen Unternehmen und Kunden kommen.

Reise abgesagt: Wie bekommen Kunden ihr Geld zurück?

Wurde eine Pauschalreise vom Veranstalter abgesagt, muss dieser das Geld unverzüglich, spätestens aber innerhalb von 14 Tagen zurückerstatten oder dem Kunden einen Gutschein in gleicher Höhe anbieten. Kunden müssen den Gutschein nicht annehmen, sondern können darauf bestehen, Geld zu bekommen. Falls der Veranstalter zögert, das Geld zurückzuzahlen, sollte der Kunde die Zahlung anmahnen und selbst eine Frist setzen. Hierfür bietet der Bundesverband der Verbraucherzentralen Musterbriefe an, mit denen Kunden ihr Geld zurückfordern können.

Wie sicher ist ein Gutschein?

Stilleben mit Flugzeugmodell, Globus, Reisepässen und Geld © fotolia.com Foto: eyetronic
Kunden müssen einen angebotenen Reise-Gutschein nicht akzeptieren.

Wer einen Gutschein vom Reiseveranstalter annimmt, muss nicht fürchten, dass sein Geld weg ist, falls der Reiseveranstalter Insolvenz anmeldet. Die Bundesregierung sichert den Wert des Gutscheins ab. Wird dieser nicht bis Ende 2021 durch den Kunden eingelöst, muss der Anbieter den Wert ausbezahlen. Kosten für den Gutschein oder die Einlösung dürfen nicht entstehen. Die Regelungen gelten auch für Gutscheine, die Kunden bereits akzeptiert haben, bevor diese Regelung am 31. Juli in Kraft getreten ist.

Was gilt für Individual-Reisende?

Wer Geld für individuell gebuchte Reiseleistungen zurückfordert, hat laut Verbraucherzentrale ebenfalls Chancen auf Erfolg - zumindest, wenn die Buchung nach deutschem Recht erfolgt ist. Wurde der Vertrag direkt mit einem ausländischen Unternehmen geschlossen, greift dortiges Recht. Bei ausgefallenen Flügen bekommen Kunden ihr Geld zurück oder können einen Ersatzflug zu einem späteren Zeitpunkt wahrnehmen. Findet der Flug statt, haben Kunden kein generelles Recht auf Umbuchung oder kostenloses Storno. Viele Gesellschaften bieten aber individuelle Kulanzregelungen und flexible Umbuchungsmöglichkeiten an.

Wann zahlt die Reiserücktrittsversicherung?

Eine Rücktrittsversicherung springt ein, wenn die Versicherten selbst krank geworden sind oder einen Unfall hatten. Sie springt nicht ein, wenn diese lediglich befürchten, sich mit einer Krankheit zu infizieren oder Im Falle einer Krise im Reiseland. Auch wenn die Versicherten an Corona erkrankt sind, ist die Situation nicht eindeutig, da die Krankheit als Pandemie eingestuft wurde. Diesen Fall schließen manche Versicherer aus. Es empfiehlt sich also, die Vertragsbedingungen genau zu lesen.

Wo können sich Verbraucher telefonisch beraten lassen?

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen bietet eine kostenlose telefonische Beratung zum Thema Reiserecht an. Die Experten sind montags, dienstags und donnerstags von 10 bis 17 Uhr und freitags von 10 bis 14 Uhr unter der Telefonnummer (0511) 911 96 96 zu erreichen. Darüber hinaus gibt das Verbrauchertelefon unter (0900) 1 77 57 70 (1 Euro pro Minute aus dem dt. Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend) Hilfestellung.

VIDEO: Corona: Stornierte Reisen müssen zurückerstattet werden (6 Min)

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 12.10.2020 | 16:20 Uhr

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