Stand: 26.09.2016 06:00 Uhr  | Archiv

Brisante Patientendaten für jeden zugänglich?

Rettungswagen im Einsatz © picture-alliance / dpa Foto: Patrick Seeger
Die Feuerwehr Hamburg übermittelt Patientendaten unverschlüsselt an Einsatzkräfte.

Die Rettungsleitstelle der Feuerwehr Hamburg sendet sensible personenbezogene Daten unverschlüsselt an ihre Einsatzkräfte. Gesundheitsdaten sind nach den Landesdatenschutzgesetzen besonders sensibel und bedürfen eines besonderen Schutzes. "Weibliche Person, 66 Jahre, Verdacht auf Herzinfarkt" - zusammen mit der Adresse werden solche Daten per Funk an viele Notarzt- und Rettungswagen übermittelt. Das Personal kann sie auf sogenannten Meldeempfängern auslesen und zum Einsatz ausrücken.

280.000 Einsatzmeldungen zum Mitlesen im Internet

Doch diese Datenübertragung ist offenbar nicht sicher. Die Meldedaten können mit geringem technischem Aufwand abgefangen und ausgelesen werden. Ein Hacker stellte rund 280.000 Hamburger Einsatzmeldungen monatelang zum Mitlesen ins Internet. Mithilfe einer eingebauten Suchfunktion konnten Online-Nutzer nach Namen, Straßen und Verdachtsdiagnosen forschen. Inzwischen ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen den illegalen Datensammler. Doch nach Recherchen von Markt können die Daten noch immer kinderleicht abgefangen werden. Die Hard- und Software dafür ist in Deutschland frei verkäuflich.

Feuerwehr muss Datenschutz einhalten

Abhilfe könnte die Anschaffung verschlüsselungsfähiger Meldeempfänger bringen. Der Hamburger Beauftragte für Datenschutz, Johannes Caspar, pocht jedenfalls auf die Einhaltung des Datenschutzes bei der Feuerwehr: "Das Hamburger Datenschutzgesetz sieht vor, dass technische und organisatorische Maßnahmen zu ergreifen sind, von demjenigen, der verantwortlich Daten verarbeitet, die Unbefugte daran hindern, ohne große Schwierigkeiten Zugriff zu diesen personenbezogenen Daten von Bürgerinnen und Bürgern zu bekommen. Insofern ist eine Verpflichtung der verantwortlichen Stelle gegeben, in diesem Falle der Feuerwehr Hamburg."

Feuerwehr: "Datenmissbrauch ist strafbar"

Die Feuerwehr Hamburg schreibt auf Anfrage von Markt: "Datenmissbrauch ist strafbar. Es ist Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden, dies zu unterbinden und zu ahnden. Unabhängig davon nutzt die Feuerwehr Hamburg technische Erneuerungen, um mögliche Innovationen oder notwendige Schutzmaßnahmen dem Stand der Technik anzupassen und einem Missbrauch vorzubeugen."

Andere Rettungsleitstellen im Norden sind schon weiter. Dort wird die gesamte Übermittlung der sensiblen Einsatzdaten verschlüsselt - und das schon seit Jahren.

Die Antworten der Hamburger Feuerwehr im Wortlaut

 

1. Setzt die Feuerwehr Hamburg im Rahmen der Alarmierung von Einsatzkräften über DME (Digitale Meldeempfänger) im POCSAG-Verfahren (2-Meter-Band) Verschlüsselungstechnik ein?

Bei der Alarmierung von Einsatzkräften handelt es sich um interne Betriebsabläufe, zu denen die Feuerwehr Hamburg keine Details veröffentlicht.

 

Dieses Thema im Programm:

Markt | 26.09.2016 | 20:15 Uhr

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