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Baden im Meer: Sicherheitstipps für Nord- und Ostsee

Stand: 24.06.2021 17:19 Uhr

Baden und Schwimmen im Meer ist gefährlicher als an Badeseen. Die DLRG empfiehlt deshalb, nur an bewachten Stränden ins Wasser zu gehen. Tipps und Baderegeln für sicheres Schwimmen in Nord- und Ostsee.

Immer wieder kommt es zu Badeunfällen an Ost- und Nordsee. Rettungsschwimmer warnen: Auch wer gut schwimmen kann, kann in Gefahr geraten. Grundsätzlich ist das Baden und Schwimmen im Meer gefährlicher als in Binnengewässern. Innerhalb kurzer Zeit kann sich der Untergrund ändern, Tiefen entstehen, Sandbänke bilden sich oder verschwinden ganz. Wind, Wetter und Strömungen beeinflussen das Wasser permanent.

DLRG: Nur bewachte Badestellen nutzen

Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) hat auf ihrer Website Tipps zum Baden am Meer zusammengestellt. Die wichtigsten Regeln sind:

  • Immer nur an bewachten Badestellen schwimmen.
  • Kinder niemals ohne Aufsicht am oder im Wasser spielen lassen.
  • Bei gehisster roter Flagge niemals baden. Sie signalisiert eine akute Gefahrenlage wie Strömung oder hohen Wellengang, Baden kann dann lebensgefährlich sein.

Bewachte Badestellen gibt es an der gesamten norddeutschen Küste, von Borkum bis Usedom. Sie sind entsprechend gekennzeichnet.

Was bedeuten die Signal-Flaggen an Stränden?

Neben der roten Flagge informieren weitere Signal-Flaggen Badegäste an bewachten Badestellen permanent über die aktuelle Gefahrensituation. Das bedeuten die Flaggen:

  • Eine rot-gelbe Flagge am Mast einer Wachstation zeigt an, dass ein Strandabschnitt von Rettungsschwimmern überwacht wird. Weitere rot-gelbe Flaggen am Strand können diesen Bereich begrenzen.
  • Eine zusätzlich gehisste gelbe Flagge signalisiert gefährliche Bedingungen im Wasser, besonders für Kinder, ungeübte Schwimmer und ältere Personen.
  • Weht darüber hinaus ein orangefarbener Windsack am Flaggenmast, rät die DLRG, auf die Benutzung von aufblasbaren Matratzen oder Schwimmtieren aufgrund des ablandigen Windes zu verzichten.
  • Eine schwarz-weiß geviertelte Flagge kennzeichnet Strandabschnitte, die für die Sondernutzung von Wassersportgeräten geeignet und bestimmt sind. In diesem Bereich können Surfbretter, Segelboote oder Jetskis zu Wasser gelassen werden.

Gefahr durch Brandung und Strömung

Rote Flagge an einem Strand © picture alliance/dpa Foto: Carsten Rehder
Ist die rote Flagge gehisst, droht beim Baden akute Lebensgefahr.

Brandung und Strömung stellen im Meer eine besondere Gefahr dar. Türmt sich das Wasser zu hohen Wellen auf, bildet sich ein Sog, der auch Erwachsenen die Beine unter dem Körper wegziehen kann. Aber auch in der eher flachen Ostsee können gefährliche Strömungen entstehen. Schwimmer sollten sich laut DLRG nie darauf verlassen, dass herrschende Strömungen gleichmäßig sind. Es gibt unterschiedliche Arten von Strömungen, die Badenden gefährlich werden können:

  • Eine Küstenströmung (Küstendrift) ist eine ufernahe, gleichmäßige Strömung, die parallel zur Küste verläuft und sich außerhalb der Brandungszone befindet. Ist der Küstendrift zu stark, kennzeichnet die DLRG die bewachten Strandabschnitte entsprechend.
  • Brandungssog und Unterströmung: Wassermassen, die von der Brandung gegen Sandbänke oder den Strand geschleudert werden, fließen mit großer Kraft wieder zurück. Der Brandungssog kann bereits im flachen Wasser Erwachsene von den Füßen reißen, eine besondere Vorsicht ist beim Baden mit Kindern geboten.
  • Brandungsströmung: Wenn Wellen schräg auf die Küste treffen, fließt das aufgestaute Wasser meist nicht als Unterstrom ab, sondern als Brandungsströmung parallel zur Küste, und zwar in direkter Ufernähe. Eine Brandungsströmung kann auch in entgegengesetzter Richtung verlaufen.
  • Rippströmung: Sie ist besonders gefährlich, weil sie Schwimmer weit ins Meer ziehen kann. Eine Rippströmung entsteht, wenn sich bei Brandung das Wasser in unmittelbarer Strandnähe zunächst aufstaut und dieser Überdruck dann stellenweise aufgebrochen wird, etwa wegen einer Sandbank oder Vertiefungen im Meeresboden. Dann fließt Wasser mit großer Kraft durch die Brandungszone zurück in Richtung Meer. Gerät man in eine Rippströmung, sollte man Ruhe bewahren und versuchen, quer zur Strömung aus dem Hauptstrom zu schwimmen.

Gefahr an Buhnen und Steinwällen

Strömungen entstehen auch an Steinwällen und Buhnen, deren Aufgabe es ist, das Wasser vor der Küste zu brechen. Diese Bauten seien generell gefährliche Orte für Badegäste, betont die DLRG. Die Steinwälle seien zum einen sehr glatt, zum anderen könnten an den Buhnen immer Unterströmungen oder Sogwirbel entstehen, die nicht nur Kindern gefährlich werden könnten.

Sicherheitsregeln für Wanderungen im Watt

An der Nordsee lockt bei Ebbe das Watt zu Spaziergängen. Viele Menschen unterschätzen aber, wie schnell das Wasser bei Flut wieder steigt. Die DLRG hat Tipps zusammengestellt, damit eine Wattwanderung nicht zur tödlichen Gefahr wird:

  • Gehen Sie nie allein ins Watt, sondern schließen Sie sich einem kundigen Wattführer an.
  • Senken, Priele, Löcher, Muschelfelder, Steilkanten und Schlickfelder können lebensgefährlich werden, wenn man die Tücken nicht kennt.
  • Wattwanderungen sollten nur im Sommer tagsüber und bei ruhigem Wetter und guten Sichtverhältnissen gemacht werden. Ein Aufenthalt bei Dämmerung oder in der Dunkelheit sowie bei Sturm, Gewitter und Nebel ist lebensgefährlich.
  • Zieht überraschend Nebel auf, sollte man anhand der Fußspuren den Weg zurück zur Küste suchen. Laut und deutlich um Hilfe rufen!
  • Wind und Windrichtung genau beobachten.
  • Wer auf eigene Faust losgeht, sollte sich gut über die Gezeiten informieren: Berechnen Sie genügend Zeit für den Rückweg ein, bevor Sie starten.
  • Merken Sie sich einen Markierungspunkt auf dem Festland.
  • Meiden Sie bei auflaufendem Wasser die Nähe von Prielen, denn dort herrscht eine starke Strömung. Auch geübte Schwimmer sollten auf keinen Fall versuchen, einen Priel zu durchschwimmen.

Weitere Informationen
Badegäste haben sich bei Lufttemperaturen von über 30 Grad an der 20 Grad kühlen Ostsee eingefunden. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 18.06.2021 | 19:30 Uhr

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