Stand: 13.08.2020 12:00 Uhr  | Archiv

Blaualgen: Wann wird das Baden gefährlich?

Im Sommer laden viele Seen sowie die Küsten an Nord- und Ostsee Einheimische und Urlauber zum Baden ein. Sind die Temperaturen über einen längeren Zeitraum sehr hoch, kann es im Wasser zur Vermehrung von Bakterien, Keimen und Wurmlarven kommen, die gesundheitliche Probleme bei den Badegästen auslösen können. In vielen Seen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein und auch an der Ostseeküste vermehren sich derzeit besonders Blaualgen, die den Badespaß trüben oder sogar Badeverbote zur Folge haben.

Erbrechen und Druchfall: Blaualgen scheiden Toxine aus

Blaualgen an einer unbewachten Badestelle am Strand von Tremt (Greifswalder Bodden). © NDR Foto: Anna-Lou Beckmann
Massive Algenblüte am Greifswalder Bodden: Bei diesem Anblick sollte man den Gang ins Wasser gar nicht erst in Erwägung ziehen.

Blaualgen sind eigentlich Bakterien, die sich bei trockener, windiger, warmer und sonniger Witterung besonders in flachen großen Seen massenhaft vermehren können. Sie kommen aber auch im Meer vor und können dort regelrechte Teppiche bilden. Cyanobakterien produzieren Toxine, die sich im Wasser lösen können. Diese Giftstoffe können bei Badegästen durch Verschlucken und Hautkontakt Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Gliederschmerzen, Bindehautentzündungen, Ohrenschmerzen und Atemwegserkrankungen auslösen.

Informationen zu Badeverboten und Wasserqualität

Auch Haut- und Schleimhautreizungen sowie allergische Reaktionen sind möglich. Werden sehr große Mengen kontaminierten Wassers verschluckt, kann es zur Lähmung von Teilen der Lunge und somit zum Erstickungstod kommen. Eine massenhafte Vermehrung von Blaualgen erkennen Badegäste an der blaugrünen Trübung des Wassers. Sind in knietiefem Wasser die eigenen Füße nicht mehr sichtbar, sollte man dort nicht mehr baden, rät etwa das Niedersächsische Landesgesundheitsamt.

Wundinfektionen durch Vibrionen

Zwei Mädchen beim Baden am Ostseestrand von Glowe © Picture-Alliance / dpa Foto: Stefan Sauer
Wer in der Ostsee baden möchte, sollte sich vorher über eine mögliche Belastung informieren.

Vibrionen gehören zur natürlichen Bakterienflora salzhaltiger Meere. Sie leben vor allem im Meeresboden. Steigt die Wassertemperatur über 20 Grad, vermehren sich Vibrionen innerhalb kürzester Zeit sehr stark. Meistens gelangen die Bakterien über Hautverletzungen und offene Wunden in den Körper. Dort können sie schwere Wundinfektionen hervorrufen. Symptome wie Rötungen, Schwellungen und Blasenbildung auf der Haut verbunden mit Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen, Durchfall bis hin zum Schock sind typische Symptome einer Infektion mit Vibrionen.

Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Immunschwäche kann es zu schweren Krankheitsverläufen mit Blutvergiftungen und Organbefall kommen. Treten nach dem Baden Anzeichen einer Wundinfektion auf, sollte so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden, rät das Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern. Infektionen lassen sich in der Regel mit Antibiotika behandeln.

Zerkarien verursachen Hautjucken

Eine etwa einen Millimeter große Zerkarie unter dem Mikroskop © http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/ Foto: Chb
Boren sich Zerkarien in die Haut von Badenden, ist starker Juckreiz die Folge. Wer kratzt, riskiert eine Entzündung.

In Binnengewässern treten in den Sommermonaten zudem vermehrt Zerkarien auf. Die Larven der Saugwürmer befallen als Parasiten normalerweise Wasservögel, in deren Darm sie dann heranwachsen. Steht kein passender tierischer Wirt zur Verfügung, befallen Zerkarien auch Menschen. Sie bohren sich in die Haut und sterben dann innerhalb weniger Tage ab. Das führt bei den Betroffenen zu Hautreaktionen: Starker Juckreiz und Schwellungen, die sogenannte Badedermatitis, sind die Folge.

Ein Befall durch die kleinen Parasiten ist in der Regel harmlos. Wer an den juckenden Stellen kratzt, riskiert aber Hautentzündungen. Linderung verschaffen Salben gegen den Juckreiz. Wer sich vor Zerkarien schützen will, sollte flaches Wasser im Uferbereich von Seen und Flüssen meiden. Nasse Badekleidung nach dem Schwimmen rasch ausziehen und die Haut kräftig abrubbeln. An Badestellen auf keinen Fall Wasservögel füttern, denn das Wasser wird durch den Kot der Tiere mit Zerkarien verunreinigt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 12.08.2020 | 14:00 Uhr

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