Stand: 02.02.2018 10:22 Uhr

Auktionsportale: Zahnersatz zum Schnäppchenpreis?

von Alex Drost, NDR Info Wirtschaftsredaktion
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Die Preise für Zahnbehandlungen können sehr unterschiedlich sein.

Im Internet gibt es verschiedene Vergleichsportale für zahnmedizinische Leistungen. Als Patient gibt man dort seine gewünschte Behandlung ein und den Ort oder die Region, in der man behandelt werden möchte. Ärzte haben dann die Möglichkeit, ihr Preisangebot abzugeben.

Gunnar Schwan von der Stiftung Warentest hat zahnärztliche Auktionsportale unter die Lupe genommen. Er hält diese Portale grundsätzlich für eine gute Idee, weil so verschiedene Meinungen und Kostensätze verglichen werden können. Kundenbewertungen von früheren Patienten sollen dabei helfen, den passenden Arzt zu finden. Allerdings würden die Angebote der Ärzte nicht unbedingt etwas über die tatsächliche Behandlungsqualität aussagen, meint der Warentester.

Große Preisunterschiede

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Trotzdem seien diese Auktionsportale aber durchaus in der Lage, den Preis für eine Behandlung zu drücken. In unserem Testfall belief sich der erste Heil- und Kostenplan für ein Implantat auf rund 5.000 Euro. Bei der Online-Auktion gaben mehrere Ärzte an, die Behandlung auch für rund 2.400 Euro durchführen zu können.

Gebührenordnung bietet viel Spielraum

Holger Lehmann, der mit 2te-zahnarztmeinung.de das erste zahnmedizinische Auktionsportal in Deutschland gründete, führt die immensen Preisschwankungen auf die Gebührenordnung für Zahnärzte zurück. Diese GOZ erlaube es den Medizinern, für eine Arbeit verschiedene Faktoren anzusetzen: "Für eine Leistung, die 100 Euro kostet, setzt der eine Arzt den Faktor 1 an, der andere den Faktor 3,5. Das bedeutet, der Erste verlangt 100 Euro und der Zweite 350 Euro - für die gleiche Leistung."

In ihre Gebote müssen Ärzte auch noch die Provision einkalkulieren, die sie an das Portal abführen müssen. Wenn ein Arzt die Behandlung übernimmt, sind es zehn Prozent des Gebots. Wenn er nicht behandelt, zahlt er keine Provision, sagt Lehmann.

Angebote nur schwer vergleichbar

Zurück zu unserem Fall: Uns interessiert ein Auktionsangebot für knapp 2.400 Euro, das wir wiederum dem Hamburger Zahnarzt Thorsten Wentzel vorlegen. Ihm fällt auf, dass das günstige Online-Angebot nicht mit dem über 5.000 Euro vergleichbar ist. Es würde sich um zwei komplett unterschiedliche medizinische Verfahren handeln: "Bei dem ersten Angbot wird das Implantat in den Knochen eingesetzt und das Zahnfleisch zugenäht, damit es einheilen kann. Beim Zweiten ragt das Implantat aus dem Zahnfleisch heraus und darauf wird eine provisorische Krone als Blende gesetzt. Diese beiden Angebote sind überhaupt nicht miteinander vergleichbar."

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Auch deswegen nicht, weil die beiden Ärzte auf unterschiedliche Materialien setzen. Bei dem einen ist es Titan, bei dem anderen Voll-Keramik. Solche Unterschiede erschweren die Vergleichbarkeit ebenfalls, sagt Kai Fortelka von der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung. Er lehnt den Online-Preisvergleich ab: "Es wird nur darauf abgezielt, Kosten zu sparen. Das führt dazu, das Angebote nur scheinbar vergleichbar sind, weil sie sich in wichtigen Details unterscheiden. Die Vergleichbarkeit ist also nicht immer gegeben."

Persönliche Beratung beim Arzt

Ob Lobbyverband, Stiftung Warentest oder Zahnarzt - einen gemeinsamen Nenner gibt es:  Alle raten dazu, sich auf jeden Fall persönlich beim Arzt über eine Behandlung informieren zu lassen. Auktionsportale können aber dabei helfen, ein Gefühl für das Preisgefüge auf dem Markt zu entwickeln. Außerdem sind sie nützlich, um verschiedene Therapieformen kennenzulernen und die Zahl der Ärzte, die für eine Behandlung in Frage kommen, zu begrenzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 18.04.2018 | 11:40 Uhr

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