Stand: 26.08.2019 10:00 Uhr  | Archiv

Ackerbau: Neue Wege in der Landwirtschaft

Ein Traktor fährt am 11.07.2011 über ein Feld bei Gleichen (Landkreis Göttingen) © Picture Alliance/dpa Foto: Stefan Rampfel
Etwa die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt.

Etwa die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Dabei hat sich die Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert: Während die Zahl der Beschäftigten und Betriebe abnimmt, sind die Mengen der erzeugten Produkte stark gestiegen. Der technische Fortschritt hat dazu geführt, dass Prozesse vereinfacht und die Produktivität gesteigert wurden. Doch inzwischen gibt es auch immer mehr Kritik an der industrialisierten Landwirtschaft, die unerwünschte Nebenwirkungen auf Umwelt, Tier und Mensch hat. Landwirte und auch Wissenschaftler suchen nach Alternativen.

Probleme durch Monokulturen und Überdüngung

Monokulturen, Pestizide, Überdüngung - das sehen viele als die Hauptprobleme der konventionellen Landwirtschaft. Böden und Grundwasser sind zunehmend mit Rückständen belastet. Der Klimawandel und die Luftverschmutzung durch Verkehr und Industrie setzen der heimischen Flora zusätzlich zu. Die Nachfrage nach "immer mehr zu jeder Zeit" führt dazu, dass immer mehr Pestizide gegen Schädlinge und Unkräuter eingesetzt werden.

Superweeds: Herbizid-resistente Unkräuter

Eine Gefahr ist, dass sich immer mehr herbizidresistente Unkräuter auf den Feldern ausbreiten, also Unkräuter, die unempfindlich gegen gängige Unkrautvernichtungsmittel wie zum Beispiel auch Glyphosat sind. Sprüht der Bauer Gift auf sein Feld, bleiben die multiresistenten Unkräuter unbeschadet und breiten sich immer weiter aus. Den Anbaupflanzen rauben sie Licht und Nährstoffe und führen so zu erheblichen Verlusten für den Landwirt. Forscher entdeckten in Deutschland bereits 33 solcher Super-Unkräuter. Weltweit wurden die sogenannten Superweeds schon in 70 Ländern gefunden.

Rückkehr zu jahrhundertealten Anbauverfahren

Um den Nachteilen der konventionellen Landwirtschaft entgegenzuwirken, setzen einige Bauern inzwischen auf eine Rückkehr zu Anbauverfahren, die schon vor Hunderten von Jahren praktiziert wurden. Dazu gehören zum Beispiel eine mechanische Bodenbearbeitung, die Auswahl robuster Sorten und späte Saattermine. Auch die Einhaltung bestimmter Fruchtfolgen ist wichtig. Das heißt, auf einem Acker wird nicht jedes Jahr das Gleiche angebaut, sondern es wird für mehr Abwechslung gesorgt.

Rund zwölf Prozent der Betriebe wirtschaften ökologisch

Ökologisch wirtschaftende Landwirte richten sich nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit, der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel ist verboten und gedüngt wird vor allem mit Mist und Gülle. Unkraut soll mit bestimmten Fruchtfolgen und einer mechanischen Bearbeitung des Bodens entgegengewirkt werden. Der Nachteil der ökologischen Landwirtschaft: Die Erträge der Bio-Bauern sind niedriger als die ihrer konventionell arbeitenden Kollegen.

Laut Umweltbundesamt arbeiteten 2018 in Deutschland bereits rund zwölf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe nach den Kriterien für ökologischen Landbau und bewirtschafteten 9,1 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche.

Permakultur: Sich selbst erhaltende Kreisläufe

Noch ein Nischendasein hat in Deutschland die Permakultur, bei der natürliche Ressourcen nicht ausgebeutet werden, sondern durch eine ganzheitliche Bewirtschaftung sich selbst erhaltende Kreisläufe entstehen. Permakultur setzt darauf, dass der Mensch die Natur genau beobachtet und kennen muss, um sie dann effektiv nutzen zu können. Dadurch, dass viele unterschiedliche Pflanzen zusammen auf relativ kleinem Raum wachsen, sind die Pflanzen robuster und weniger anfällig für Schädlinge.

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Dieses Thema im Programm:

tagesschau24 | 27.08.2019 | 09:20 Uhr

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