Stand: 15.04.2019 11:33 Uhr

Abzocke mit Bioresonanz-Messungen

von Thomas Eckert
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Einige Apotheken bieten Bioresonanz-Messungen an.

Mit einem sogenannten Bioresonanz-Gerät wollen einige Apotheken, Ärzte und Heilpraktiker Mangelerscheinungen an Vitaminen oder Spurenelementen im menschlichen Körper feststellen. Dazu müssen Patienten nur kurz einen Stab in der Hand halten. Bioresonanz-Geräte sind angeblich in der Lage, das magnetische Feld der menschlichen Zellen zu messen, damit ließen sich laut Hersteller Gesundheitszustände und Mikronährstoffbedarfe bestimmen.

Doch nach Ansicht von Experten sind die Messungen unseriös, Geräte wie der Bioscan des Herstellers Institut Dr. Rilling und medX-Vitalscan der Firma MSCmedX hätten in Apotheken und Arztpraxen nichts zu suchen. Beide Unternehmen waren auf Anfrage von Markt nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Körperscan auf Bildschirm

Abzocke mit Bioresonanz-Messungen

Markt -

Mit Bioresonanz-Geräten wollen einige Apotheker und Ärzte einen Mangel an Nährstoffen im Körper feststellen. Doch Experten halten die Messungen für unseriös.

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Mehr als 200 Bioresonanz-Messwerte

Für die Messung halten Patienten eine kurze Zeit einen stabförmigen Sensor in der Hand, der über einen kleinen Kasten an einen Computer angeschlossen ist.

Zu Beginn der Messung startet auf dem Computer ein Programm, das vorgibt, nach und nach einzelne Organe und Körperfunktionen zu überprüfen. In das Computerprogramm werden Geschlecht, Geburtsdatum, Größe und Gewicht des Patienten eingegeben.

Nach Ende der Messung erstellt das Computerprogramm ein Protokoll, in dem mehr als 200 Einzelwerte aufgeführt werden. Die mit "Befundbericht" überschriebenen Seiten enthalten beispielsweise Angaben zu den Herz-Kreislauf-Funktionen, der Knochenmineraldichte, dem Immunsystem, den Blutzuckerwerten und dem Gehalt an Vitaminen und Spurenelementen.

Zweifelhafte Messergebnisse

Unter Aufsicht des Ernährungsmediziners Dr. Matthias Riedl hat Markt an verschiedenen Personen Messungen mit Bioresonanz-Geräten durchgeführt. Dabei beruhten die ausgegebenen Ergebnisse offenbar auf den Merkmalen Geschlecht, Geburtsdatum, Größe und Gewicht, die zuvor in das Computerprogramm eingegeben worden waren - und nicht auf der Messung medizinischer Parameter:

  • Nach Eingabe eines männlichen Patientenprofils hielt eine Frau den Sensorstab - dennoch zeigten die Messprotokolle Werte zu Prostata und männlichen Sexualhormonen an.
  • Nach Anschluss einer handelsüblichen Auto-Glühbirne (Typ H4) an den Sensorstab stellte das Bioresonanz-Messgerät unter anderem einen massiven Eisenmangel fest.

Da es keinen Wirksamkeitsnachweis für Bioresonanz-Messungen gibt, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten nicht.

Falsche Empfehlung in einer Apotheke

In einer Stichprobe in zwei Apotheken und einer Allgemeinarztpraxis erhielt der Proband nach einer Bioresonanz-Messung konkrete Therapie-Empfehlungen auf Basis der Messergebnisse - zum Beispiel die Einnahme von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln.

In einer Apotheke wurde zum Beispiel wegen eines angeblichen Eisenmangels die dauerhafte Einnahme eines Eisenpräparats empfohlen. Eine Blutanalyse zeigte jedoch, dass kein Eisenmangel besteht.

Geschäft für Ärzte, Apotheken und Hersteller

Offenkundig dienen Bioresonanz-Messungen in erster Linie dazu, vermeintliche Nährstoffdefizite aufzuzeigen, um den Patienten Nahrungsergänzungsmittel zu verkaufen. Auf seiner Homepage wirbt der Hersteller des medX-Vitalscan: Für Apotheken sei der "medX-Vitalscan das ideale Instrument" für eine "Verkaufssteigerung im OTC-Bereich", also im Bereich frei verkäuflicher Arzneimittel (OTC ist die Abkürzung für "over the counter").

Auch die Hersteller der Bioresonanz-Messgeräte profitieren: In der Basisversion kosten der Bioscan und der medX-Vitalscan jeweils rund 4.800 Euro. Ein Blick in die Geschäftsberichte offenbart, dass etwa der Hersteller des Bioscan, das Institut Dr. Rilling, im Geschäftsjahr 2016 mehr als 470.000 Euro Gewinn nach Steuern erwirtschaftet hat.

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Vorsicht bei Schnelltests aus der Apotheke

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 15.04.2019 | 20:15 Uhr

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