Stand: 26.01.2018 12:42 Uhr  - Mein Nachmittag  | Archiv

Was ist dran an Haar-Mythen?

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Schöne Haare sind für viele Menschen ein Zeichen für Vitalität und Lebenskraft.

Volles, glänzendes Haare gilt seit jeher als Symbol für Schönheit, Vitalität und Lebenskraft. Viele widmen ihrer natürlichen Kopfbedeckung jede Menge Aufmerksamkeit und Pflege. Doch welche Funktion haben Haare eigentlich? Werden Haare durch regelmäßiges Schneiden dichter und werden Raucher früher grau? Fragen und Antworten.

Woraus bestehen Haare?

Haare sind lange Hornfäden, die im Wesentlichen aus Keratin bestehen. Sie enthalten keine Nerven und Blutgefäße. Die Haarwurzeln in der Kopfhaut produzieren Haarzellen. Diese Zellen schieben sich nach oben und werden zu sogenannten Spindeln. Die Spindeln bilden Fasern, die sich verdrehen und zu einem Haar werden.

Welche Funktion haben Haare?

Die klassische Funktion von Haaren ist der Schutz vor äußeren Einflüssen wie Kälte, bei vielen Tieren sind sie zudem ein wichtiges Orientierungs- und Tastorgan. Beim Menschen haben allerdings nur noch spezielle Haare eine Schutzfunktion: Kopfhaare schützen vor Kälte und UV-Strahlung. Die Haare in Nase und Gehörgang verhindern, dass Staubpartikel eindringen. Aufgrund vieler Nervenendigungen an der Haarwurzel können auch menschliche Haare Berührungsempfindungen, Druck- und Tastreize wiedergeben. Ein evolutionäres Überbleibsel ist übrigens die sogenannte Gänsehaut: Bei unseren am ganzen Körper behaarten Vorfahren stellten sich einfach die Haare auf, wenn sie froren oder einem Feind gegenüberstanden und sie diesem imponieren wollten.

Wo überall befinden sich Haare?

Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht sieht - mit wenigen Ausnahmen ist beim Menschen fast die gesamte Körperoberfläche behaart. Haarlos sind nur Handflächen, Fußsohlen, Fingerinnenseiten, Brustwarzen, Lippen und Schleimhäute. Auf dem Kopf tragen brünette Menschen rund 100.000 Haare. Blonde haben feinere, aber dafür mehr Haare - bis zu 150.000. Rothaarige haben dagegen nur 85.000 bis 90.000 Haare. Insgesamt hat ein Mensch rund fünf Millionen Haare am Körper.

Sterben Blondinen aus?

Für die Farbe der Haare ist das Pigment Melanin zuständig, das in den Pigmentzellen (Melanozyten) gebildet wird. Eumelanin sorgt für schwarze und braune Farben, Päomelanin für rote und goldene Töne. Ihre individuelle Mischung bestimmt die natürliche Haarfarbe eines Menschen. Tatsächlich haben 98 Prozent der Weltbevölkerung dunkle bis schwarze Haare. Nur zwischen etwas mehr als ein Prozent der Menschen sind blond, seltener gibt es nur rote Haare (unter einem Prozent). Dunkelhaarige produzieren in ihren Haarfollikeln viel Eumelanin, aber nur wenig Phäomelanin. Bei Rothaarigen überwiegt Phäomelanin und Blonde produzieren von beiden Farbpigmenten nur wenig. Ihre Haare sind also blond, weil sie insgesamt wenig Farbpigmente enthalten. Der Grund ist genetisch bedingt. Und weil die Gen-Variante für blonde Haare rezessiv vererbt wird, wird die Zahl der blonden Menschen tatsächlich immer weiter schrumpfen. Weiße Haare entstehen übrigens, weil die Melanin-Produktion im Alter nachlässt.

Verhindern straffe Zöpfe, dass Haare ausfallen?

Nein, im Gegenteil: Zu straff geflochtene Haare können sogar zu Haarverlust führen. Durch den mechanischen Zug zum Beispiel bei einem festen Dutt nehmen die Haarwurzeln Schaden. Im schlimmsten Fall stellen die Haarfollikel - also die Strukturen, welche die Haarwurzel umgeben und dadurch das Haar in der Haut verankern - ihre Arbeit für immer ein. Vor allem im Stirnbereich können dann Haare ausfallen.

Lassen 100 Bürstenstriche pro Tag das Haar glänzen?

Diesen Tipp geben noch heute viele Großmütter - er stammt aber aus Zeiten, in denen Frauen sich noch nicht so häufig die Haare wuschen wie heute. Zwar sorgt kräftiges Bürsten dafür, dass Fettmoleküle vom Haaransatz in die Haarlängen verteilt werden, sodass das Haar glänzt. Das passiert allerdings schon nach wenigen Bürstenstrichen. Zu starkes Bürsten wiederum führt dazu, dass die Kopfhaut mehr Talg produziert. Fettiges Haar kann die Folge sein. Früher, als Haare nur sehr selten gewaschen wurden, war das Bürsten eine wichtige Pflegemaßnahme. Es entfernte Parasiten, Staub und Schmutz und verteilte das Fett. Heute sorgen Shampoos für sauberes Haar. Hautärzten zufolge ist es übrigens egal, ob man zur Pflege eine Bürste mit Natur- oder künstlichen Borsten benutzt.

Strapaziert Färben die Haare?

Ja, das ist leider wahr. Viele Färbemittel enthalten Ammoniak, das das Haar aufquellen lässt. Die Schuppenschicht öffnet sich und lässt Wasserstoffperoxid eindringen, das im Inneren die natürlichen Farbpigmente zerstört und das Haar bleicht. Erst dann können künstliche Farbpigmente ins Haar eindringen. Das Haar bleibt nach der Prozedur aufgeraut und wirkt stumpf und glanzlos. Bei empfindlichen Menschen können Färbemittel zudem auf der Kopfhaut Allergien auslösen.

Werden Haare durch häufiges Schneiden dichter?

Dieses Gerücht hält sich hartnäckig, stimmt aber nicht. Nach dem Schneiden wirken die Haare zwar dichter, weil die dünnen Spitzen ab sind und die Haare an einer dickeren Stelle enden - sie sind es aber nicht. Nichts dran ist übrigens auch an dem Mythos, dass Rasieren das Haarwachstum anregt. Weder Kopf- noch Barthaare werden beim Rasieren dicker. Sie wachsen auch nicht schneller. Haare wachsen regelmäßig nach, und zwar etwa einen bis eineinhalb Zentimeter pro Monat, egal, wie häufig man sie schneidet.

Bekommen Raucher früher graue Haare?

In der Tat gibt es Untersuchungen, die daraufhin deuten, dass Raucher früher graue Haare bekommen als Nichtraucher. Wissenschaftler vermuten, dass Rauchen die Zellen in den Haarwurzeln schädigt. Auch sogenannter oxidativer Stress lässt Haare früher ergrauen.

Was ist oxidativer Stress?

In unserem Körper entstehen als Abfallprodukte unseres Stoffwechsels aggressive Moleküle, sogenannte freie Sauerstoff-Radikale. Sie können unsere Körperzellen schädigen. Sind zu viele davon im Blut, leiden wir an oxidativem Stress. Der Körper schüttet dann zwar Stoffe aus, die die freien Radikale neutralisieren - die sogenannten körpereigenen Antioxidantien. Die werden im Alter aber weniger. Die Folge: Der oxidative Stress nimmt zu.

Wie viel Haarausfall ist normal?

Normalerweise fallen täglich 70 bis 100 Haare aus. Bei durchschnittlich 100.000 Haaren, die der Mensch auf dem Kopf hat, fällt dies nicht weiter auf. Jedes einzelne Haar erneuert sich ständig und durchläuft dabei einen Zyklus von drei Phasen: Die Wachstumsphase dauert etwa zwei bis sechs Jahre, dann folgt eine etwa zweiwöchige Übergangsphase, in der sich die Zellen nicht mehr teilen, und dann eine zwei bis vier Monate lange Ruhephase. Danach fällt das Haar aus und es wächst ein neues Haar. Erst, wenn über einen längeren Zeitraum mehr als 100 Haare pro Tag ausfallen, sprechen Mediziner von Haarausfall. Dieser ist meist genetisch bedingt. Auch die männliche Glatze ist in der Regel keine Krankheit, sondern beruht auf einer erblichen Veranlagung. Etwa jeder zweite deutsche Mann muss im Laufe seines Lebens mit Haarausfall rechnen. Auch hormonelle Veränderungen zum Beispiel nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren können zu Haarausfall führen. Zu einer recht verbreiteten Krankheit hingegen zählt die Alopecia areata - der sogenannte kreisrunde Haarausfall.

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 26.01.2018 | 16:20 Uhr

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