Stand: 29.07.2019 06:25 Uhr

Petrichor: Der Duft des Sommerregens

Hinter Petunien und Löwenmäulchen in einem Blumentopf ziehen dunkle Gewitterwolken auf. © NDR Foto: Daniel Sprenger
Dunkle Regenwolken künden im Sommer nicht nur von bevorstehendem Niederschlag, sondern auch von einem einmaligen Duft.

Wenn nach längerer Trockenheit dunkle Gewitterwolken am Himmel aufziehen, dann dringt - noch bevor die ersten Tropfen fallen - mit dem auffrischenden Wind jener ganz eigene Geruch in die Nase, der im Sommer von nahendem Niederschlag kündet: erdig, frisch und leicht feucht.

Regen reagiert mit Molekülen am Boden

Dieser Odeur hat sogar einen eigenen Namen: Petrichor. Der Begriff setzt sich zusammen aus den griechischen Worten petra für Stein und Ichor, das eine Flüssigkeit bezeichnet, die der griechischen Mythologie zufolge in den Adern der Götter fließt.

Tatsächlich fällt die Flüssigkeit aus Wolken auf die Erde. Der an sich noch geruchlose Regen reagiert dann mit Molekülen am Boden oder auf Pflanzen, wie australische Forscher bereits 1964 herausfanden und darüber im Fachblatt "Nature" berichteten. "Durch den Regen werden Duftstoffe von Pflanzen aufgewirbelt", sagt Denny Karran vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Öle werden vornehmlich im Sommer abgesondert

Diese ätherischen Öle werden vornehmlich während sommerlicher Trockenperioden abgesondert und von Böden und Gesteinen (also auch Gehwegen und Straßen) absorbiert.

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Blick auf die Außenalster bei diesigem Wetter © NDR Foto: Eduard Valentin

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Auch Bakterien und Staub tragen zum Geruch bei

Neuere Studien haben zudem ergeben, dass auch Bakterien im Boden zu Petrichor beitragen. Demnach fahren diese Bakterien bei Hitze und Trockenheit ihren Stoffwechsel zurück. Durch den Kontakt mit Wasser geben die Mikroorganismen chemische Substanzen frei, darunter den Alkohol Geosmin, welcher zusammen mit den pflanzlichen Ölen und Staub auf Steinen hauptverantwortlich für das bekannte erdige Aroma ist.

Den Regen riechen

Fallen einzelne Regentropfen auf die mit diesen dreierlei Duftstoffen besprenkelte Oberfläche, werden kleinste Aromabläschen mit Duftmolekülen freigesetzt und vom aufziehenden Wind transportiert. Daher riecht es vor allem zu Beginn eines kräftigen Schauers erdig - durchaus auch schon dort, wo der Regen noch gar nicht eingesetzt hat. Oder wie Meteorologe Karran es zusammenfasst: "Deshalb sagen manche Leute auch 'Ich kann den Regen schon riechen.'"

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 26.07.2019 | 20:15 Uhr

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