Stand: 31.07.2019 08:35 Uhr

Metal-Train: Mit 750 Metalheads durch die Nacht

von Jörn Schaar

18 Uhr, Bahnhof München Ost: Die ersten 200 Metalheads haben es sich an Gleis 12 bequem gemacht. Mit Klappstühlen und großem Biervorrat warten sie auf die Abfahrt des Metal-Train. Der Sonderzug, der sie mit sechs Zwischenstopps zum Wacken Open Air bringen soll.

Markus und seine Freunde aus dem Erzgebirge haben sich mit reichlich Bier für die Fahrt eingedeckt: "Es soll ja reichen", sagt er und lacht. "Und wir haben Zeit, das alles leer zu trinken." 13 Stunden dauert die Fahrt, Zwischenhalte gibt es unter anderem in Ulm, Heidelberg und Köln. Der letzte Stopp soll morgens um 3.31 Uhr in Gelsenkrichen im Ruhrgebiet sein - aber bis dahin ist es noch lang.

Warum im Zug schlafen, wenn man feiern kann?

Alles an Bord!

Um kurz vor 19 Uhr fährt der Sonderzug in den Bahnhof ein. "Wackeeeeen!" schallt es aus 200 Kehlen, bevor eilig die Rucksäcke, Klappstühle und Biervorräte eingepackt werden. Innerhalb von wenigen Minuten sind alle an Bord und auf die Abteile verteilt. Für die meisten Metalheads führt der erste Weg in einen der beiden Barwagen. Dort wartet eine gutgelaunte Theken-Crew auf die Wacken-Fans - und die lassen sich nicht lange bitten. Zwei DJs legen am Abend auf - zu Rammstein, Slayer, Sodom, aber auch den Toten Hosen feiern die Fans ihre eigene Festival-Aufwärm-Party. Der Boden klebt und obwohl alle Fenster in dem Barwagen offen sind, ist es stickig, sobald der Zug steht. Und das tut er oft auf der Reise nach Itzehoe: Wegen Störungen im Betriebsablauf und der niedrigen Priorität, die so ein Sonderzug hat, sind schnell 90 Minuten Verspätung eingefahren.

Private Party im Abteil

Ulli und Stefan aus der Nähe von Stuttgart haben mit ihren Freunden die Party ins Abteil verlegt. Die Musik aus dem Barwagen wird auch auf Lautsprecher in den einzelnen Abteilen übertragen. "Das ist einfach super, wir können das Fenster auf machen, wie wir wollen. Und ich habe eben gesehen, dass wir auch die Lautstärke einstellen können", erzählt Ulli freudig, die in diesem Jahr zum ersten Mal mit dem Metal-Train nach Wacken fährt. "Bier haben wir hier und wenn das alle ist, dann können wir im Barwagen Nachschub holen." In dem Moment verabschiedet sich einer aus der Runde - Schnaps holen.

Entstanden aus einer Schnapsidee

Seit 18 Jahren organisiert ein Verein aus Baden-Württemberg die Touren. "Wir haben ursprünglich mal Sonderzüge zu den Auswärtsspielen vom VfB Stuttgart veranstaltet", erzählt der Vorsitzende Tom. "Und irgendwann kam dann die Idee, dass wir ja auch mal nach Wacken fahren könnten." Das war für die damals zwölfköpfige Crew eine ganz neue Erfahrung. "Wir kannten ja die Fußball-Fans, denen war alles egal", sagt Finanzwart Jörg grinsend. "Aber mit den Metalheads war hier auf einmal ein ganz anderes Publikum an Bord. Da kam sogar mal jemand und fragte nach einem Lappen, weil er sein Bier verschüttet hatte."

Inzwischen ist die Crew auf etwa 50 Leute angewachsen. "Wir haben sogar Sanitäter an Bord", erzählt Tom. Ein bisschen Stolz schwingt in seiner Aussage mit. "Eine ist Notärztin, dann haben wir zwei Leute, die im Hauptberuf im Rettungsdienst arbeiten, und einen Freiwilligen." Das Security-Team sei auch größer geworden, aber die hätten selten etwas zu tun. "Gewalt oder so etwas gibt es hier einfach nicht. Wackenfans sind ein besonderer Menschenschlag", sagt Tom. Dieses Mal mussten aber zwei Leute den Zug unterwegs verlassen. "Die haben sich sogar für unsere Verhältnisse zu sehr daneben benommen."

Die Band der freiwilligen Feuerwehr Wacken spielt bei der inoffiziellen Eröffnung des Wacken-Festivals 2016. © dpa/bildfunk Foto: Axel Heimken

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Am Mittwoch haben die Wacken Firefighters ihren Auftritt beim Wacken Open Air. Wir haben die Mitglieder des Musikzug vorab getroffen und berichten außerdem direkt aus dem Metal-Train.

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Die ganze Nacht Party

Gegen 2 Uhr erreicht die Party ihren Siedepunkt. Der Zug steht irgendwo in der Pampa, die Luft im Barwagen ist zum Schneiden, Kondenswasser tropft an der Wand herunter. Das scheint aber niemanden zu stören, es wird getanzt und mitgegrölt: "You gotta fight - for your right - to paaaarty". An Schlaf denkt hier niemand - noch. Doch schon zwei Stunden später ist das Feld der Feiernden merklich ausgedünnt. Der DJ scheint das als Herausforderung zu begreifen und dreht noch einmal richtig auf.

Als die letzten Zusteiger gegen 5 Uhr morgens im nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen in den Zug klettern, kommen die ersten Passagiere schon wieder aus den Liegewagen. Ab 6.30 Uhr gibt es Frühstück - und dafür hat sich Thomas aus dem Catering eine besondere Zusammenstellung überlegt: "Toast mit Nutella oder Honig, Wiener Würstchen - oder für die ganz Harten gibt's auch noch Maultaschen von gestern Abend."

Karte: Der Metal-Train rollt - von München nach Itzehoe
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Horst und Mandy am Morgen | 31.07.2019 | 06:40 Uhr

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