Umfrage in Schleswig-Holstein: CDU und Grüne fast gleichauf

Stand: 28.05.2021 13:00 Uhr

Ein Jahr vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein liegt die CDU in der Gunst der Wählerinnen und Wählern weiter vorn – knapp gefolgt von den Grünen. Das hat eine repräsentative Umfrage von infratest dimap im Auftrag von NDR Schleswig-Holstein ergeben. 

Demnach könnten die Grünen ihr Wahlergebnis verdoppeln. Die CDU verliert dagegen im Vergleich zur Landtagswahl 2017. Die SPD verzeichnet starke Verluste. FDP, AfD, Linke und SSW bleiben in etwa stabil. Nach diesen Werten wäre ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP hinfällig. Eine schwarz-grüne Landesregierung wäre rein rechnerisch möglich genauso wie eine grün-geführte Ampel-Koalition mit SPD und FDP.  

Wenn am kommenden Sonntag gewählt werden würde, käme die CDU demnach auf 28 Prozent, vier Prozentpunkte weniger als bei der Landtagswahl 2017, die Grünen auf 27 Prozent (+14,1 Prozentpunkte), die SPD auf 15 (-12,3 Prozentpunkte). Viertstärkste Kraft wäre die FDP mit elf Prozent (-0,5 Prozentpunkte), gefolgt von AfD mit 6 Prozent (+0,1 Prozentpunkte), Linkspartei mit 4 (+0,2 Prozentpunkte) und SSW mit 3 (-0,3).

Große Zufriedenheit mit Landesregierung

Eine große Mehrheit der Befragten (72 Prozent) gibt an, mit der Arbeit der Landesregierung in Schleswig-Holstein sehr zufrieden (9 Prozent) oder zufrieden zu sein (63 Prozent) – 25 Prozent sind weniger (20 Prozent) oder gar nicht zufrieden (5 Prozent). Dieser Zufriedenheitswert ist überdurchschnittlich. Es ist der beste von infratest dimap gemessene Wert einer Landesregierung in Schleswig-Holstein in den vergangenen 20 Jahren. In den jüngsten Umfragen des Instituts in anderen Bundesländern und im Bund kommt keine Regierung an diese Werte heran.

Auch die Bewertung des Corona-Krisenmanagements fällt deutlich positiv aus: Fast zwei Drittel sind sehr zufrieden oder zufrieden mit der Arbeit der Regierung in diesem Bereich, etwas mehr als ein Drittel weniger zufrieden oder gar nicht zufrieden. Fast acht von zehn Befragten haben aufgrund der Lage im Land Anlass zur Zuversicht, nur 15 Prozent sind besorgt.

Hohe Popularitätswerte für Ministerpräsidenten

Ähnlich positiv sind der infratest Umfrage zufolge auch die Popularitätswerte von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Danach sind 72 Prozent mit seiner Arbeit sehr zufrieden oder zufrieden, 17 Prozent weniger oder gar nicht zufrieden. Mit der Arbeit von Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) sind 40 Prozent sehr zufrieden oder zufrieden – 21 Prozent weniger oder gar nicht zufrieden. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) erreicht bei den Zufriedenheitswerten 34 Prozent, der Vorsitzende des SSW im Landtag, Lars Harms 23 Prozent, SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli 21 Prozent, AfD-Abgeordnete Jörg Nobis 11 Prozent.

Auffällig ist dabei, dass die SPD-Landeschefin und stellvertretende Bundesvorsitzende Midyatli relativ unbekannt ist: Nur 34 Prozent der Befragten haben angegeben, sie zu kennen. Die grüne Ministerin Heinold verliert bei der Zufriedenheit (- 8 Punkte), während Gesundheitsminister Garg (+12 Punkte) zulegt – genauso wie Ministerpräsident Günther (+7 Punkte) und der ehemalige AfD-Fraktionschef Nobis (+4) – im Vergleich zur letzten Umfrage im April 2018.

Corona, Wirtschaft, Bildung sind die wichtigsten Themen

Bei der Umfrage wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch gefragt, was die beiden wichtigsten Probleme im Land sind. Am häufigsten genannt wurden dabei die Corona-Krise (25 Prozent), Wirtschaft (23 Prozent), Bildung/Schule/Ausbildung (23 Prozent) und Verkehr (20 Prozent). Darauf folgen Umweltschutz und Klimawandel (14 Prozent), Arbeitslosigkeit und Arbeitsmarkt (8 Prozent) sowie Digitalisierung (6 Prozent) und soziale Ungleichheit (6 Prozent). Zu den zehn am häufigsten genannten Bereichen zählen auch Familienpolitik und Kinderbetreuung (4 Prozent) sowie Wohnen und Mieten (4 Prozent).

Wähler unzufrieden mit Stand der Digitalisierung

Beim Thema Digitalisierung stellten die Befragten Schleswig-Holstein ein schlechtes Zeugnis aus. 68 Prozent gaben an, dass die Digitalisierung im Land weniger gut oder gar nicht gut voran kommt – sehr gut oder gut fanden das nur 25 Prozent. Auffällig hierbei: Das Urteil teilen Anhänger aller Parteien. Allerdings unterschiedlich deutlich: Die Grünen-Wähler bewerten die Digitalisierung besonders kritisch (78 weniger gut/gar nicht gut), bei den CDU-Wähler sind das nur 63 Prozent.

Für die Umfrage wurden 1.220 Wahlberechtigte zwischen dem 21. und 26. Mai am Telefon und online befragt. Die Schwankungsbreite liegt zwischen 2 Prozentpunkten (bei einem Anteilswert von 10 Prozent) und drei Prozentpunkten (bei einem Anteilswert von 50 Prozent).

Weitere Informationen
Daniel Günther im Interview. Alte Aufnahme aus dem Schleswig-Holstein Magazin am 14.06.2017.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.05.2021 | 13:00 Uhr

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