Solo-Selbstständige hofft auf Corona-Hilfen

Stand: 07.11.2020 14:38 Uhr

Monatelang wurden sie von dem System vernachlässigt: Während es für größere Firmen Corona-Hilfen gab, wurden sogenannte Solo-Selbstständige kaum beachtet. Das soll sich jetzt ändern.

Mit dem zweiten "Lockdown" für einige Branchen hat der Bund Hilfen versprochen. Diesmal sollen auch kleine Unternehmen und Selbstständige ohne Mitarbeiter davon profitieren. Und die Überbrückungshilfe ist bei einigen auch dringend nötig.

Visagistin ohne Aufträge

Die Neumünsteranerin Jennifer Hans ist Make-Up-Artist - eine andere Bezeichnung für Visagistin. Für besondere Anlässe wie Hochzeiten und Familienfeiern schminkt sie, berät Kundinnen und Kunden zu Farben und Outfits. Doch in diesem Jahr macht ihr Corona die Arbeit schwer - bzw. unmöglich: Im März, mit den ersten Corona-Maßnahmen, musste sie für drei Monate schließen. Jetzt im November ist der Kundenkontakt durch die aktuelle Landesverordnung wieder Tabu. Der Sommer hatte auch nicht viel abgeworfen, sagt Jennifer Hans. "Der Berufszweig ist natürlich sehr eingeschlafen", sagt die junge Frau, "es ist nicht so, dass die Leute nicht wollen - sie dürfen einfach nicht kommen." Es gibt keine Veranstaltungen mehr, keine Foto-Shootings. Auch die TV- und Agenturbranche, in der Jennifer Hans auch schminkt, hätten keine Aufträge für sie: Viele schminken sich selbst wegen der geltenden Einschränkungen.

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Anspruch auf Zuschüsse bei massivem Umsatzeinbruch

Das Studio hat Jennifer Hans seit anderthalb Jahren. Alle Ersparnisse seien reingeflossen, sagt sie. Dann kam das Coronavirus, und damit sei alles rapide auf Null gegangen - allerdings die laufenden Kosten wie Miete oder Versicherung blieben. "Es kam viel Post - Rechnungen, Fixkosten. Die wollen alle ihr Geld", sagt Jennifer Hans, "da musst du gucken, woher kriegst du das Geld?" Sie habe in der Familie rumgefragt, doch große Summen könne sie sich nicht leihen. Die neuen Ankündigungen von Bund und Ländern seien aber für die Solo-Selbstständige ein kleiner Lichtblick: Jetzt - im Gegensatz zur ersten angeordneten Schließung von März bis Mai - hat auch sie Anspruch auf Zuschüsse bei massiven Umsatzeinbrüchen. "Ich habe die Steuerberaterin gefragt, die Anträge sind noch in der Mache", sagt Jennifer Hans. "Ich hoffe das geht fix - es haben jetzt ja nicht alle genügend Geld rumliegen, um diesen Monat zu überstehen."

Günther versichert: Hilfen kommen so schnell wie möglich

Viele Schleswig-Holsteiner teilen die gleichen Sorgen wie Jennifer Hans. Es steht die Frage im Raum: Wie kommen die Betriebe und Unternehmen, die vom "Lockdown light" betroffen sind, an die Entschädigungszahlungen in Höhe von 75 Prozent des Vorjahresumsatzes - und wann ist mit der Zahlung zu rechnen? Ministerpräsident Daniel Günther sprach live im Studio mit NDR 1 Welle Nord Moderator Julian Krafftzig über dieses Thema. Er versicherte: "Wir machen auf allen Ebenen Druck, dass diese Hilfe so schnell wie möglich kommt." Es sei aber eine Hilfe des Bundes, daher könne er zum jetzigen Zeitpunkt keine verbindliche Antwort geben. Der Bund habe aber am Mittwoch angekündigt, dass zumindest Abschlagszahlungen noch in diesem Monat erfolgen sollten.

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