Stand: 27.04.2020 05:00 Uhr

Weniger Schiffsverkehr auf dem NOK

von Christian Wolf

Der Nord-Ostsee-Kanal aus der Vogelperspektive © picture alliance / dpa Foto: Carsten Rehder
Niedrige Rohölpreise und das Coronavirus sorgen dafür, dass immer weniger Schiffe den NOK passieren.

Er ist eine der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt - der Nord-Ostsee-Kanal (NOK). Bereits 2019 wurde im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weniger Ladung zwischen Kiel-Holtenau und Brunsbüttel transportiert. 2020 wird sich die Lage wahrscheinlich noch einmal verschlechtern. "Meiner Meinung nach kann man das Jahr abhaken und man kann nur hoffen, dass sich das im kommenden Winter und dem neuen Jahr einigermaßen wieder erholt", so Martin Finnberg, Ältermann der Kieler Seelotsen. Für den April rechnet Finnberg mit einem Rückgang von mehr als 30 Prozent.

Sinkende Röhlpreise und Corona

"Vor allem der sinkende Rohölpreis sorgt momentan dafür, dass Reedereien den Umweg über Dänemark in Kauf nehmen", erklärt Martin Finnberg. "Anfang des Jahres hat eine Tonne Schweröl noch 350 Dollar gekostet, im Moment bekommt man das für 100 Dollar." Aber auch das Coronavirus sorgt für weniger Schiffe, die die Schleusen des Kanals passieren. Denn schon vor Wochen hätte die Kreuzfahrer-Saison losgehen sollen. "Die kompletten Kreuzfahrtschiffe fehlen. Es kommen hauptsächlich kleine Schiffe, die Futtermittel oder Dünger als Ladung haben und Container-Frachter auf dem Weg nach Hamburg", erklärt der Ältermann der Kieler Seelotsen. Viele Reedereien wollen ihre Crew außerdem nicht der Gefahr einer Virusinfektion aussetzen. Denn bei einer Kanal-Durchfahrt müssen normalerweise viele unterschiedliche Menschen an Bord gehen.

Forderung nach politischer Hilfe

Die Initiative Kiel-Canal, die sich seit Jahren für die Interessen der Menschen einsetzt, die mit dem Nord-Ostsee-Kanal Geld verdienen, fordert deshalb Hilfe von der Politik. In einem Brief an das Bundesverkehrsministerium fordert die Initiative eine Senkung der Abgaben für das Befahren des Kanals. Die wurden schon einmal während der Finanzkrise 2008 gesenkt. Jens-Broder Knudsen, Vorsitzender der Initiative Kiel-Canal, sagt: "Nach unserer Ansicht müssen die Abgaben sogar stärker reduziert werden als damals, weil wir einen noch stärken Einbruch auf dem Nord-Ostsee-Kanal befürchten als damals."

Bund unterstützt Kanalsteurer

Eine erste Entlastung gibt es schon für die Kanalsteurer. "Wir haben uns mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass die Mitglieder des Kanalsteurervereins von der Bundesagentur für Arbeit als bezugsberechtigt für Kurzarbeitergeld anerkannt werden", so Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. So soll der Einnahmeverlust kompensiert werden. Für Jens-Broder Knudsen das ein Schritt in die richtige Richtung: "Der große Wurf ist es aber nicht. Insgesamt hängen ja 3.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Kanal ab. Daher ist es wichtig, den Kanal international wettbewerbsfähig zu halten und das geht nur mit einer Senkung der Abgaben."

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