Was der Spülsaum des Meeres über Vögel und Ökosystem verrät

Stand: 28.02.2021 05:00 Uhr

Wenn sich das Meer nach der Flut wieder zurückgezogen hat, bleibt eine Spur zurück: Der Spülsaum. Und der enthält wichtige Informationen über den Zustand der Natur, sagt Ranger Martin Kühn.

Alle zwei Wochen kontrolliert Martin Kühn, Ranger im Nationalpark Wattenmeer, den Spülsaum der Nordsee bei Reußenköge (Kreis Nordfriesland). "Wenn man mal genauer hinschaut, dann entdeckt man hier sofort verschiedene Samen. Diese Samen werden vor allem von drei Vogelarten genutzt: der Schneeammer, dem Berghänfling und der Ohrenlerche", erklärt der Fachmann. Es sind Überwinterungsgäste aus Skandinavien, die sich hier an der Westküste treffen. Sie müssen jetzt Kraft sammeln, bevor sie in wenigen Tagen die Heimreise Richtung Norden antreten.

"Wir finden sehr viel Plastikmüll"

Vor 50 Jahren haben Ranger angefangen, den Spülsaum des Meeres zu kontrollieren - weil damals viele Vögel wegen giftiger Ölrückstände verendeten. Heute kommt das so gut wie gar nicht mehr vor. "Das ist schon ein Erfolg des Naturschutzes durch verschiedene internationale Abkommen, durch bessere Überwachung. Und trotzdem gibt es natürlich noch einiges zu verbessern. Wir finden sehr viel Plastikmüll, das nimmt leider nicht ab", berichtet Martin Kühn. Neben dem Müll gibt es noch ein weiteres Problem, das den Ranger in den vergangenen Monaten beschäftigt hat: Vögel, die an der Geflügelpest verendet sind. Der letzte Fund war erst vor wenigen Tagen.

Bei der aktuellen Kontrolle, die ihn acht Kilometer am Spülsaum entlang führt, findet Kühn aber nichts, was ihm Sorgen macht. "Auf diesem Streckenabschnitt ist kaum Auffälliges zu finden. Was mich freut ist, ich habe keine toten Vögel gefunden und wenig Verunreinigungen. Das sieht an manchen Tagen auch anders aus." Bei seinem nächsten Kontrollgang werden die Überwinterungsgäste längst weitergezogen sein.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 28.02.2021 | 19:30 Uhr

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