Stand: 22.07.2019 11:14 Uhr

Stiftung Naturschutz wertet Fotofallen aus

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Über Grünbrücken können Wildtiere Autobahnen gefahrlos überqueren.

Täglich nutzen Wildtiere in Schleswig-Holstein extra angelegte Brücken und Unterführungen, mit denen sie verkehrsreiche Straßen passieren können. Fotofallen halten dabei fest, welche Tierarten genau unterwegs ist. Die Auswertung - das sogenannte Wildtiermonitoring - ist gesetzlich vorgeschrieben und wurde bislang von Ehrenamtlichen übernommen. Jetzt hat das Land diese Aufgabe an die Stiftung Naturschutz übertragen und dafür 220.000 Euro investiert. "Die Auswertung der Vielzahl von Daten, der Anzahl von solchen Bauwerken ist einfach zu groß geworden, um das noch rein ehrenamtlich zu machen", begründete Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) die Entscheidung.

Grünbrücken sollen von allen Arten genutzt werden

Mit dem Geld kann das Monitoring besser aufgestellt werden, sagte auch Bjön Schulz, der Projektleiter der Stiftung: "Wir wollen unser Kollegennetzwerk nutzen - das gute Verhältnis zur Uni, das gute Verhältnis zu anderen Artenschutzexperten. Die wollen wir alle mit Hilfe dieser Förderung engagieren, damit die für uns das Vielfaltsmonitoring auf den Grünbrücken und in den Durchlässen gestalten." Der Geschäftsführer der Stiftung, Walter Hemmerling, sagte: "Wir müssen sicherstellen, dass die Grünbrücken ihre Funktion für alle heimischen Arten erfüllen - vom majestätischen Rothirsch bis hin zum flugunfähigen Heidegrashüpfer, kurzum: vom Wildtier bis zum Winzling."

Seltene Tierarten breiten sich weiter aus - trotz Autobahnen

Einen Erfolg gibt es schon: Zwischen der A7 und der A21 gibt es seit 2013 bereits eine funktionierende Biotopvernetzung. "Am Beispiel der Grünbrücke Kiebitzholm bei Bad Segeberg haben wir viel gelernt, auch durch das wissenschaftliche Monitoring der Christian Albrechts Universität. Heute breiten sich sogar seltene und bedrohte Arten über Autobahnen hinweg wieder aus", freute sich Schulz.

Hemmerling ergänzte: "Der Ausbau der Straßen ist wichtig, aber wir müssen gleichzeitig auch am Ausbau einer grünen Infrastruktur festhalten. Nur wenn wir die Biotope der Tiere und Pflanzen miteinander vernetzen, die genau wie wir in Schleswig-Holstein zu Hause sind, können wir die Artenvielfalt erhalten." Wie viele Tiere insgesamt die Brücken und Tunnel benutzen, darüber gibt es derzeit noch keine verlässlichen Angaben.

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In Schleswig-Holstein gibt es momentan Autobahn-Grünbrücken bei Brokenlande und Clashorn über die A7, bei Strukdorf über die A20, bei Kiebitzholm über die A21 (alle Kreis Segeberg) und bei Segrahn wird die A24 (Kreis Herzogtum Lauenburg) überquert. Hinzu kommen zahlreiche größere Wildtiertunnel oder kleinere Durchlässe. Neben einer bereits eingewachsenen Unterführung bei Stolpe entstehen im Kreis Plön im Zuge des Ausbaus der B404 zur A21 ein Querungstunnel bei Nettelsee und Warnau.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.07.2019 | 12:00 Uhr

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