Staatliche Beteiligung bei TKMS in Kiel?

Stand: 20.09.2021 05:00 Uhr

Trotz der anhaltenden Krise im Schiffbau schreibt ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) eine Erfolgsgeschichte nach der anderen. Die Kieler Werft fordert aber mehr staatliches Eingreifen.

von Christian Wolf

Erst vor Kurzem konnte die Kieler Werft mit dem Auftrag zum Bau neuer norwegischer und deutscher U-Boote vom Typ 212CD den größten Einzelauftrag in der Konzerngeschichte verbuchen. Außerdem ist in der vergangenen Woche der Grundstein der neuen Werft-Halle gelegt worden. In den kommenden Jahren investiert TKMS insgesamt 250 Millionen Euro in den Standort, um nach eigenen Angaben auch künftig die modernsten U-Boote der Welt zu bauen.

Luftaufnahme des Kieler Standorts der ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS). © ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS)
Die Werft in der Kieler Förde ist bekannt für den U-Boot-Bau.
Wunsch nach mehr staatlicher Unterstützung

Doch das Unternehmen sorgt sich um die Zukunft und fordert vor allem mehr staatliche Unterstützung und Regelung der Werftenlandschaft. "Wir haben sicherlich in der Vergangenheit unseren Beitrag zur Fragmentierung der Branche beigetragen. Vieles von dem, was wir damals gemacht haben, würde ich heute nicht so machen", erklärt Oliver Burkhard, Personalvorstand des Mutterkonzerns ThyssenKrupp AG und Aufsichtsratsvorsitzender von TKMS, und spielt damit auf den Verkauf an.

Burkhard: "Konsolidierung auf nationaler Ebene richtiger Schritt"

Schon länger wünscht sich die Politik einen nationalen Champion im Marineschiffbau, der aus den einzelnen Anbietern zusammengeschlossen wird und es mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen kann. "Doch seit der Ankündigung vor mehr als 18 Monaten ist in Sachen Konsolidierung nichts passiert", erklärt Burkhard. Hier sei die künftige Regierung gefordert und müsse das Thema wieder auf die Agenda nehmen. TKMS sei dabei für alle Optionen offen - und der Aufsichtsratsvorsitzende kann sich viel vorstellen: "Wir sind weiterhin im Austausch mit allen Parteien. Eine Konsolidierung auf nationaler Ebene ist der richtige Schritt, weil die maritime Branche in Deutschland die einzige ist, die pritvatwirtschaftlich geführt wird."

Auch muss aus Sicht von Oliver Burkhard das Thema Schlüsseltechnologie geklärt werden, da es hier immer noch zu viele offene Fragen gebe. Dadurch wäre es dem Staat möglich, Marineaufträge direkt an deutsche Werften zu vergeben. "Die Diskussionen in der Vergangenheit bei verschiedenen Projekten haben aber gezeigt, dass hier noch nicht alles geklärt ist", so Burkhard.

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Oliver Burkhard, Aufsichtsratsvorsitzende TKMS, in einem Interview. © NDR
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Oliver Burkhard, Aufsichtsratsvorsitzender von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), möchte mehr staatliche Unterstützung. 4 Min

Staatliche Werftbeteiligung als Schlüssel zum Erfolg?

Es scheint aus Sicht von Burkhard keine Grenzen zu geben, was die Zukunft des Marineschiffbaus und der Werft-Konsolidierung angeht. Beispielsweise schließt der Aufsichtsratsvorsitzende von TKMS auch eine staatliche Beteiligung am Konzern nicht aus: "Das könnte eine Möglichkeit sein - in Teilen von Europa ist eine staatliche Beteiligung an Werften normal. Wir können uns das vorstellen und loten da alles aus." Sorgen bereiten dem Aufsichtsratsvorsitzenden auch die neuen Richtlinien der Banken für nachhaltige Finanzierungen, die sogenannten ESG: "Environment, Social, Governance". "Durch ESG könnte es für uns bald schwieriger werden, Zwischenfinanzierungen für Projekte zu bekommen - hier ist auch die Politik gefragt." ESG reguliert das ethische Investment: Unternehmen, die beispielsweise auf Kinderarbeit setzen, sollen so kein Geld mehr von Banken bekommen.

Unabhängig davon könnte der Erfolg von TKMS in den kommenden Monaten fortgesetzt werden. Denn das Unternehmen ist in der engeren Auswahl für den Bau neuer polnischer Fregatten und den Bau neuer niederländischer U-Boote.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.09.2021 | 08:00 Uhr

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