Stand: 16.09.2019 13:56 Uhr

Senvion: 900 Mitarbeiter könnten ihre Jobs verlieren

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Wenn Gamesa Teile des Windradherstellers Senvion übernimmt, könnten rund 900 Mitarbeiter in Deutschland ihre Jobs verlieren.

Es ist ein schwarzer Tag für die rund 800 Mitarbeiter des insolventen Windanlagenbauers Senvion in Schleswig-Holstein. Nach einem Gespräch zwischen Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) und der IG Metall ist klar: Es gehen trotz eines Kaufangebotes Hunderte Arbeitsplätze im Land verloren. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass in Deutschland rund 900 von den gegenwärtig noch 1.400 Senvion-Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Nach Angaben der Gewerkschaft hätten 400 Mitarbeiter bereits selbst gekündigt. In Schleswig-Holstein sollen nur rund 300 Arbeitsplätze von dem deutsch-spanischen Anlagenbauer Siemens Gamesa übernommen werden.

Damit verlieren vermutlich knapp 500 Beschäftigte an den Standorten Osterrönfeld und Büdelsdorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde in den kommenden Monaten ihre Jobs. Die Turbinenfertigung in Bremerhaven mit 200 Mitarbeitern steht zum Jahresende vor der Schließung. Bereits in diesem Monat sollen die ersten Kündigungen ausgesprochen werden. Was mit den rund 500 Arbeitsplätzen in Hamburg geschieht, ist derzeit noch unklar.

Mit den Worten von Senvion-Vorstandschef Yves Rannou klang es so: "Die heutige Ankündigung bedeutet, dass wir kurz davor stehen, einen sicheren Hafen für einen wesentlichen Teil des Unternehmens und seiner Mitarbeiter zu finden."

Minister Buchholz: "Bittere Pille"

Minister Buchholz sprach von einer bitteren Pille für den Industrie-Standort Schleswig-Holstein. Die Mitarbeiter, die nicht übernommen werden, erhalten laut IG Metall in den kommenden Tagen das Angebot, für vier Monate in eine Transfergesellschaft zu wechseln - die wird aber erst eingerichtet, wenn Siemens-Gamesa auch tatsächlich Teile von Senvion übernimmt. Kommende Woche Donnerstag soll der Vertrag unterschrieben werden. Üblicherweise wird eine Transfergesellschaft für zwölf Monate eingerichtet. Doch dafür steht bislang noch kein Geld zur Verfügung. Die IG Metall möchte erreichen, dass das Wirtschaftsministerium die Transfergesellschaft finanziell unterstützt.

Es gibt eine "Exklusivitätsvereinbarung"

Gamesa, eine Tochter von Siemens, will Teile des insolventen Windradherstellers übernehmen. Beide Unternehmen haben am Montag Verhandlungen bestätigt. Demnach kann sich die Siemens-Tochter exklusiv aussuchen, welche Unternehmensteile sie von Senvion übernehmen will. Der Gläubigerausschuss habe dieser sogenannten Exklusivitätsvereinbarung zugestimmt, heißt es von Senvion. Bindend ist sie nicht. Für die übrigen Geschäftsfelder prüfe das Unternehmen weiterhin Optionen und setze die Verhandlungen mit Investoren fort, so ein Senvion-Sprecher.

Der Windrad-Hersteller hatte im April Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet und war seitdem auf Investorensuche. Zuletzt war bekannt geworden, dass es offenbar keinen Interessenten für Senvion als Ganzes gibt. Teile, wie zum Beispiel die Turbinenproduktion im Bremerhaven, werden aufgegeben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.09.2019 | 11:00 Uhr

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