Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) spricht auf einer Pressekonferenz. © dpa-Bildfunk Foto: Frank Molter

Registrierte Straftaten in SH auf niedrigstem Stand seit 1977

Stand: 18.03.2021 10:25 Uhr

Seit mehr als 40 Jahren war die Zahl der registrierten Straftaten in Schleswig-Holstein nicht mehr so niedrig wie 2020. Das Innenministerium sieht auch einen Einfluss der Corona-Pandemie.

Die Zahl der registrierten Straftaten in Schleswig-Holstein ist im vergangenen Jahr erneut gesunken. Sie lag mit 173.929 Fällen auf dem niedrigsten Stand seit 1977, wie Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) heute bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für 2020 bekannt gab. Zugleich stieg die Aufklärungsquote auf 55,8 Prozent - der beste Wert seit 1963. Im Vergleich zu 2019 sank die Zahl der Straftaten um mehr als 9.500 Fälle.

281 registrierte Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz

Das Innenministerium sieht auch einen Einfluss der Corona-Pandemie auf die Häufigkeit der Straftaten. "Allerdings ist dabei die Anzahl der Straftaten mit einem unmittelbaren Corona-Bezug insgesamt als sehr gering einzustufen", sagte Sütterlin-Waack. In 281 Fällen wurde demnach gegen das Infektionsschutzgesetz verstoßen. Nur in Einzelfällen habe es Widerstand oder andere Fälle von Gewalt im Zusammenhang mit der Durchsetzung des Abstandsgebots, der Maskenpflicht oder der Kontaktbeschränkungen durch die Polizei gegeben.

Häusliche Gewalt durch Corona-Lockdowns angestiegen

Die Lockdowns mit all ihren Zumutungen hätten allerdings den Druck in belasteten Partnerschaften massiv erhöht, sagte Sütterlin-Waack. Hinweise von zum Beispiel Frauenberatungsstellen würden nun durch die offiziellen Zahlen bestätigt. Es gab einen Anstieg um 3,7 Prozent oder 180 Betroffene im Vergleich zum Vorjahr - und für Oktober bis Dezember 2020 liegen noch gar keine verlässlichen Informationen vor. Auch bei den Sexualdelikten gab es einen Anstieg um 10,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Noch stärker - 30 Prozent - ist die Steigerung der Fallzahlen zu Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von kinderpornografischen Inhalten. Rolfpeter Ott, für die Kriminalstatistik zuständiger Abteilungsleiter im Landeskriminalamt, führt diesen Anstieg zwar auch auf eine Aufklärung des Dunkelfeldes durch Polizeiarbeit zurück. Doch jeder Fall sei einer zu viel, so Ott.

Mehr Homeoffice: Wohnungseinbrüche gehen zurück

Einen positiven Aspekt in Sachen Kriminalität hatten die Lockdowns aber auch. Offenbar durch weniger Reisen und viel Homeoffice sank die Zahl der Wohnungseinbrüche um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich zu 2015 haben sich die Zahlen inzwischen sogar halbiert. "Die seit Jahren vorgenommene Schwerpunktsetzung unserer Polizei in diesem Bereich zahlt sich also ganz klar aus", schlussfolgerte die Innenministerin.

Die Aufklärungsquote im Bereich der Wohnungseinbrüche habe sich zudem innerhalb der fünf Jahre von 8,9 auf 14,5 Prozent erhöht, sagte Sütterlin-Waack. Ein großer Anteil der nicht aufgeklärten Taten werde immer noch professionell agierenden reisenden Tätergruppierungen zugerechnet.

Corona-Hilfen sorgen für mehr Wirtschaftskriminalität

Ebenfalls als Folge der Pandemie bezeichnet das Innenministerium die Steigerung der Wirtschaftskriminalität. So wurden 169 Fälle von Subventionsbetrug im Zusammenhang mit der Gewährung von "Corona-Soforthilfen" im Frühjahr 2020 erfasst. Da viele Verfahren sehr umfangreich seien, sei die Statistik zudem noch nicht vollständig, so Sütterlin-Waack. Die Neuregelung der Beantragung der Corona-Hilfen über Rechtsanwälte oder Steuerberater habe zum Jahreswechsel in Schleswig-Holstein jedoch zu einem deutlichen Rückgang der Verdachtsfälle geführt.

Gewalt gegen Polizisten: 440 Verletzte

Betroffen zeigte sich Innenministerin Sütterlin-Waack vom erneuten Anstieg der Gewalt gegen Polizeikräfte um 26 Fälle auf insgesamt 1.280 Fälle mit 2.872 beteiligten Polizeikräften. 440 von ihnen wurden verletzt. "Diese Beamtinnen und Beamten waren dabei im Dienst für unser aller Sicherheit. Wir wissen obendrein, dass die Intensität der Gewalt erneut zugenommen hat. Und deshalb sind unsere Investitionen in die Schutzausstattung ebenso richtig wie die zum Schutz unserer Polizeikräfte vorgenommenen Anpassungen der Gesetzgebung - ich nenne hier nur die Zulassung von Bodycams", sagte die Ministerin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.03.2021 | 11:00 Uhr

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