Stühle stehen oben auf Tischen in einem Klassenzimmer. © picture alliance Foto: Julian Stratenschule
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AUDIO: Runder Tisch zu Jugendgewalt in Heide (1 Min)

Nach Mädchen-Gewalt in Heide: Runder Tisch an Schulen

Stand: 24.03.2023 18:14 Uhr

Nachdem in Heide eine Mädchengruppe eine 13-Jährige misshandelt und die Taten gefilmt haben soll, haben sich am Freitag Schulleitungen, die Jugendhilfe und die Schulrätin des Kreises getroffen.

Nachdem ein offenbar gewaltsamer Übergriff durch Jugendliche auf eine 13-Jährige in Heide (Kreis Dithmarschen) bekannt geworden ist, haben sich am Freitag die Schulleitungen der weiterführenden Schulen mit der Schulaufsicht und Vertreterinnen und Vertretern der Jugendhilfe getroffen. Das Treffen diente dazu, mit den Schulen gemeinsam die Gesamtsituation der Jugendgewalt in Heide zu besprechen und Implikationen abzuleiten, sagte Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien. "Die ersten Erkenntnisse gehen dahin, dass es keinen signifikanten Anstieg der Jugendgewalt an Schulen gibt, aber es dennoch notwendig ist, genau hinzuschauen", sagte die CDU-Politikerin. "Insbesondere auf die Frage, warum sind Mädchen zunehmend beteiligt und auch, warum sind es so junge Mädchen gewesen?"

Minderjährige müssen vor Öffentlichkeit geschützt werden

In dem konkreten Fall würden die Schulen bereits seit Ende Februar mit den Beteiligten die Vorfälle aufarbeiten, erklärte Prien. Der Übergriff hatte sich bereits am 21. Februar ereignet, geriet jedoch erst in dieser Woche an die Öffentlichkeit. "Wichtig ist mit Blick auf den konkreten Fall, dass Opfer, aber auch die Täterinnen weiter mit pädagogischen Maßnahmen so in den Stand versetzt werden, dass sie weiter die Schule besuchen können", sagte die Bildungsministerin. Dafür nutzten die Schulleitungen und Lehrkräfte "den gesamten pädagogischen Werkzeugkasten". Klar müsse aber auch sein, dass pädagogische Maßnahmen nicht an die Öffentlichkeit kommuniziert würden. "Das sind keine Fälle, die man öffentlich verhandelt", so Prien. Es gehe um den Schutz von Minderjährigen.

Weitere Hilfsangebote prüfen

Für die Zukunft sei das Ziel, derartige Fälle zu verhindern oder im Zweifelsfall die Beteiligten korrekt zu betreuen. Dafür werde nun geprüft, ob die vorhandenen Präventionsangebote ausreichend und für die Zielgruppe geeignet waren, sagte die Bildungsministerin. Am kommenden Freitag werde sie selbst nach Heide fahren, um mit Schulleitungen, Eltern, aber auch Schülerinnen und Schülern zu sprechen. "Wir müssen schauen, ob wir zusätzliche Angebote auch von Seiten des Landes brauchen und stellen können."

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) steht für ein Interview vor der Kamera. © NDR
AUDIO: Bildungsministerin Prien: Bei Jugendgewalt genauer hinschauen (1 Min)

Prien: Medienkompetenz Aufgabe der Schulen, aber auch der Eltern

Ein weiteres Thema ist laut Prien Medienkompetenz. Denn im konkreten Fall war der Übergriff gefilmt und die Aufnahmen über soziale Medien verbreitet worden. Danach gab es wiederum Hetzkampagnen gegen die mutmaßlichen Täterinnen und Aufrufe zur Selbstjustiz. Nicht nur der Vorfall selbst, sondern auch die Verbreitung im Nachgang sei "verstörend", so Prien. An die Betreiber wie TikTok könne nur appelliert werden, solche Videos zu löschen. Auch Nutzende riefen sowohl die Bildungsministerin als auch die Ermittlungsbehörden und Kinderschutz-Expertinnen und -Experten auf, das Video und auch Ausschnitte davon, nicht weiterzuverbreiten. "Unabhängig davon ist es Aufgabe von Schule, die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu stärken, so dass sie sowas nicht machen", sagte Prien. Es werde nun auch geprüft, wie Eltern und Lehrkräfte besser geschult werden könnten. Die Ministerin berichtete außerdem davon, dass erste Schulen bereits selbst Konsequenzen gezogen haben - so habe ein Flensburger Gymnasium die Nutzung von sozialen Netzwerken in der Schule verboten. Prien hob jedoch auch die Verantwortung der Eltern hervor. "Das gilt für Erziehung zu Empathie, zur gewaltfreien Kommunikation. Und auch für die Medienerziehung tragen Eltern eine wesentliche Verantwortung."

Weiterer Fall von Jugendgewalt gegen Zwölfjährige

Gleichzeitig ist am Freitag ein weiterer Fall von Jugendgewalt gegen eine Schülerin in Heide bekannt geworden. Eine Polizeisprecherin sagte NDR Schleswig-Holstein, der Vater eines zwölfjährigen Mädchens aus Heide habe bereits im Januar eine Tat angezeigt. Die Polizei ermittele wegen Körperverletzung und wegen Beleidigung gegen eine Mitschülerin des Schulzentrums Heide-Ost. Diese Mitschülerin habe die Zwölfjährige geschlagen und beleidigt. Hintergrund sind laut Polizei Streitigkeiten gewesen. Andere Medien berichten darüber hinaus von einer Morddrohung gegen die Zwölfjährige. Das könne sie aber nicht bestätigen, so die Polizeisprecherin. Ob es in dem Fall noch andere Straftaten gegeben habe, müsse im Zuge der Ermittlungen geklärt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.03.2023 | 17:00 Uhr

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