Meilenstein für Brunsbütteler Schleusenkammer

Stand: 27.10.2021 12:25 Uhr

In dieser Woche erreicht die Baustelle der fünften Schleusenkammer in Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) einen weiteren Meilenstein: Die Verankerung des Schleusenbodens wird eingebaut.

Es ist ein kompliziertes und aufwändiges Verfahren, mit dem die Ingenieure und Arbeiter auf der Schleusenbaustelle in Brunsbüttel einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Fertigstellung 2026 machen wollen. 1.600 Pfähle werden von einem Schwimmponton aus in den Boden unter der künftigen Schleusenkammer getrieben. Jeder von ihnen ist 20 Meter lang und wird später mit Beton gefüllt. "Wir haben das Problem, dass das Grundwasser den Boden der Schleusenkammer immer wieder nach oben drücken würde", erklärt Sachbereichsleiter Joachim Abratis vom Wasserstraßen-Neubau-Amt (WNA). "Die Betonmischung füllt auch einen Hohlraum unter den Pfählen aus und bildet dann so was wie einen Anker im Boden. Wenn wir die Pfähle und die Bodenplatte verbunden haben, ist die ganze Konstruktion so schwer, dass das Grundwasser sie nicht mehr hochdrücken kann."

Elf Jahre Bauzeit - Kosten verdoppelt

Die Arbeiten an der fünften Brunsbütteler Schleusenkammer laufen schon seit 2015 und werden wohl noch gut fünf Jahre dauern. Ursprünglich war eine Eröffnung für dieses Jahr vorgesehen. Auch die Kosten sind deutlich gestiegen: Von geplanten 540 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro. Ein Teil der Kostensteigerung entsteht durch die Arbeiten, die jetzt durchgeführt werden, denn dass der Baugrund so kompliziert sein würde, hatte zunächst niemand erwartet. Außerdem wurden mehr Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg auf der Schleuseninsel gefunden als zunächst gedacht. Der Plan, die fünfte Schleusenkammer Ende 2026 zu eröffnen, scheint aber derzeit sicher zu sein.

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Sprengung Alte Kreuzermole © Landesarchiv Schleswig-Holstein LASH LSH_N10_BV_36b

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Dringend notwendige Entlastung

Die neue Schleusenkammer wird als Entlastung für die bestehenden großen Schleusenkammern gebraucht, die mehr als 100 Jahre alt sind und nur im laufenden Betrieb saniert werden können. Wenn es während einer Sanierung einen Zwischenfall gibt, steht - wie zuletzt 2013 - die gesamte Schleuse still. Mit dem Neubau wäre mehr Zeit für eine grundlegende Sanierung einzelner Schleusenkammern, hoffen die Verantwortlichen beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Nord-Ostsee-Kanal (NOK).

Herausfordernder Bau für Mensch und Tier

Die Lage der Baustelle bereitet immer wieder Probleme: Weil auf einer Insel zwischen den bestehenden Schleusenkammern gebaut wird, müssen nicht nur alle Baumaterialien und Geräte, sondern auch alle Beschäftigten per Boot zur Baustelle gebracht werden. Außerdem müssen insgesamt circa 1,6 Millionen Kubikmeter Erdaushub mit Schuten abtransportiert und ins Bodenlager Dyhrsenmoor bei Burg (Dithmarschen) gebracht werden.

Dort zerstört dieser Aushub die Feuchtflächen und damit den Lebensraum unter anderem für die Bekassine, die Feuchtwiesen als Brutplatz und Nahrungsquelle braucht. Die Stiftung Naturschutz legt deswegen neue Feuchtwiesen an: Wenn die Bekassine im Frühjahr aus ihrem Winterquartier zurückkehrt, wird sie in knapp drei Kilometern Entfernung ein neues Biotop vorfinden. Davon profitieren dann auch andere Tiere und Pflanzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.10.2021 | 19:30 Uhr

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