Stand: 23.10.2019 12:37 Uhr

Günstige Mieten - Norderstedt beschließt Wohnungsbau-Quote

von Hannah Böhme

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Die Quote der geförderten Neubauten erhöht die Stadt Norderstedt auf 50 Prozent.

Zwei Zimmer, Küche, Bad - und das zu einem Preis, den sich nicht nur Ärzte oder Hochschulprofessoren leisten können, sondern auch Krankenpfleger oder Grundschullehrerinnen. Die Suche nach bezahlbarem Wohnraum ist für viele Schleswig-Holsteiner immer schwieriger. Als erste Stadt im Land hat Norderstedt deshalb die Quote für geförderten Wohnungsbau von 30 auf 50 Prozent erhöht. Die Stadtvertretung stimmte am Dienstagabend einem gemeinsamen Antrag von CDU, SPD, Grünen und Linken zu.

Ein Mehrfamilienhaus, welches neu gebaut wurde.

Norderstedt fordert mehr bezahlbaren Wohnraum

Schleswig-Holstein Magazin -

Wo in Norderstedt neuer Wohnraum entsteht, ist ab sofort die Hälfte der Wohnfläche Norderstedtern mit Wohnberechtigungsschein vorbehalten. Die Wohnungswirtschaft kritisiert das.

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Normalverdiener sollen profitieren

Laut Beschluss muss ab sofort die Hälfte aller Wohnflächen in neuen Bebauungsplänen für die Norderstedter vorbehalten sein, die einen Wohnberechtigungsschein besitzen. Ausnahmen gelten in Einzelfällen für Bauvorhaben unter 30 Wohneinheiten. Anspruch auf einen solchen Wohnberechtigungsschein haben nach Angaben der Fraktionen, die den Antrag eingebracht haben, etwa 60 Prozent der Norderstedter. Darunter sind viele Normalverdiener - zum Beispiel die vierköpfige Familie mit einem Bruttoeinkommen von knapp 4.000 Euro oder auch der Single-Haushalt mit einem Bruttoeinkommen von etwa 2.000 Euro. Sie alle sollen nicht mehr als 7,30 Euro netto pro Quadratmeter Miete zahlen.

Kritiker befürchten teurere Mieten für alle anderen

Die 50-Prozent-Quote für geförderten Wohnungsbau ist neues Alleinstellungsmerkmal der Stadt. Nach Angaben des Städteverbandes Schleswig-Holstein liegt die Quote nirgendwo im Land so hoch wie in Norderstedt. Üblich seien 30 Prozent, so der Verband. Kritik kommt von den restlichen Fraktionen in der Norderstedter Stadtvertretung. FDP, AfD, Freie Wähler und die Wählergemeinschaft WiN befürchten, dass Baugesellschaften die Mieten frei finanzierter Wohnungen zum Ausgleich erhöhen.

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In Norderstedt soll Gering- und Normalverdienern mehr bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung stehen.

Norderstedts Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder (SPD) bemängelt, dass die 50-Prozent-Quote als eine Einzelmaßnahme, die man pauschal über die ganze Stadt lege, nicht heilbringend sei. Sie sei maximal ein kleiner Mosaikstein in einem Großen und Ganzen, meinte die Sozialdemokratin. Sie wirbt stattdessen für ein "umfassenderes Bündnis für Wohnen". Seit rund eineinhalb Jahren führen Verwaltung und Politik dazu Gespräche mit Verbänden der Wohnungswirtschaft - ebenfalls mit dem Ziel, die Lage auf dem Wohnungsmarkt in Norderstedt zu entspannen.

Röder vermutet Retourkutsche

Neben den inhaltlichen Punkten kritisiert Röder auch die Vorgehensweise der vier antragsstellenden Fraktionen. Die Pläne seien zunächst sehr überraschend durch die Medien gegangen, bevor sie bei ihr auf dem Tisch gelandet seien. Sie geht von einer Retourkutsche aus, mit dem Ziel, die Gespräche zum Bündnis für Wohnen zu erschweren. Der ein oder andere nehme ihr heute noch übel, dass sie die Gespräche zum Bündnis zuerst mit den Verbänden der Wohnungswirtschaft und nicht mit der Politik geführt habe, sagte die Bürgermeisterin.

Die Retourkutsche scheint geglückt: Die beteiligten Verbände der Wohnungswirtschaft erklärten die Gespräche über ein gemeinsames Bündnis - die nach eigenen Aussagen bereits weit fortgeschritten waren - am Mittwochvormittag für beendet.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.10.2019 | 08:00 Uhr

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