Lisa Renn (links) und Doris Mührenberg von der Lübecker Archäologie inspizieren eine beim Luftangriff 1942 verschüttete Torte. © Hansestadt Lübeck

Lübeck: Archäologen finden Nusstorte aus dem Zweiten Weltkrieg

Stand: 08.09.2021 08:31 Uhr

Einen ungewöhnlichen Fund haben Lübecker Archäologen gemacht: 79 Jahre nach dem alliierten Bombenangriff auf die Stadt fanden sie im Keller eines bei dem Angriff zerstörten Hauses eine weitgehend unversehrte Torte.

Die ersten Untersuchungen hätten bestätigt, dass es sich um eine Nusstorte mit Krokant-Ummantelung gehandelt habe, teilte die Hansestadt Lübeck am Dienstag mit. "Sie ist zwar stark verkohlt und äußerlich rußgeschwärzt", berichtet Lisa Renn, Ausgrabungsleiterin vor Ort, "doch durch die Hitze auf nur noch ein Drittel ihrer ursprünglichen Höhe zusammengeschrumpft".

Das fein mit Glasur, Randverzierungen und Spritzdekor versehene Backwerk sei in der ehemaligen Küche des Hauses unter Schuttbergen begraben gewesen und habe so die Jahre überstanden. Die Archäologen vermuten, dass durch den Luftangriff zerstörte herabstürzende Bauelemente einen Teil des Erdgeschosses in den Keller haben abrutschen lassen. Neben der Torte entdeckten sie ein Kaffeeservice und mehrere Schellackplatten für ein Grammophon.

Kaffeetafel im Krieg?

In dem zerstörten Haus in der Alfstraße 18 wohnte unter anderem ein Lübecker Kaufmann namens Johann Hitze, das geht aus alten Stadtbüchern hervor. Lübeck wurde in der Nacht zum Palmsonntag 1942 bombardiert. Die Stadtarchivare gehen davon aus, dass Torte und Service für eine Kaffeetafel anlässlich dieses Tages gedacht war, an dem traditionell auch Konfirmationen stattfanden.

Fest steht für die Lübecker, dass die Entdeckung wichtig ist: Die Torte sei momentan das einzige archäologisch freilegte Feingebäck seiner Art in Norddeutschland und ein überaus bedeutsamer Fund, sagte der Leiter des Bereiches Archäologie der Stadt, Dirk Rieger. Die Torte soll jetzt konserviert und ausgestellt werden.

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