Stand: 11.10.2019 06:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Leise und ausdauernd: Rekord-U-Boot kommt aus Kiel

von Christian Wolf
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Das ist die 212-CD-Klasse von TKMS im Modell.

Die U-Boote der Deutschen Marine vom Typ 212 A gehören mit zu den modernsten der Welt. Nach wie vor gilt der leise Hybrid-Antrieb als revolutionär. Dabei kommen neben dem herkömmlichen Dieselgenerator auch Brennstoffzellen zum Einsatz. Mithilfe der Brennstoffzellen wird Energie gewonnen, womit die Ladung der Akkus erhalten wird, die das Bord-System und den Elektro-Antrieb versorgen. So sollen die Boote bis zu 14 Tage ohne Unterbrechung tauchen können. 2013 stellte "U32" mit 18 Tagen sogar einen Tauchrekord auf. Dabei sind die U-Boote fast lautlos und daher schwer zu orten.

Nun hat die Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) mit der 212-CD-Klasse die vierte Generation des Antriebs präsentiert. Schon jetzt hat das System 70.000 Teststunden hinter sich. "Das ist ein Alleinstellungsmerkmal am Markt. Keine andere Nation bietet Brennstoffzellen-Technik in diesem Entwicklungsstadium an", so TKMS-Geschäftsführer Andreas Burmester.

Neue Akkus für U-Boote

Die neue Brennstoffzellen-Technik soll vor allem effizienter als die bisherige und auch leistungsfähiger sein. Mit genauen technischen Details hält sich TKMS aber zurück. Klar ist dagegen, dass die neue Technik auch mit neuen Akkus kombiniert werden kann. Vergangenes Jahr hatte TKMS auf der Messe Euronaval bei Paris den Prototypen einer Lithium-Ionen-Batterie vorgestellt. Bislang werden aus Sicherheitsgründen auf U-Booten Blei-Säure-Batterien verbaut, da die Lithium-Ionen-Batterien als leicht entflammbar gelten. Dieses Problem soll aber von TKMS und Saft, einem Hersteller von Batteriesystemen, gelöst worden sein.

Lithium-Ionen-Batterien haben eine längere Lebensdauer als Blei-Säure-Batterien und lassen sich schneller wieder aufladen. "Damit wird die Zeit, in der das U-Boot auftauchen muss, um seine Akkus aufzuladen, halbiert", erklärt Andreas Burmester. Tauchen die Boote der 212-Klasse auf, werden die Akkus an Bord vom Dieselantrieb wieder vollständig aufgeladen.

Neue Technik für Deutschland und Norwegen?

Noch gibt es kein Land, das die neue Technik aus Kiel bestellt hat. Allerdings befindet sich TKMS gerade mit Deutschland und Norwegen im Gespräch. Beide Länder wollen sechs U-Boote der 212-CD-Klasse bestellen - Norwegen vier, Deutschland zwei. Ende des Jahres soll der Vertrag fertig sein, Anfang kommenden Jahres sollen dann die benötigten Unterschriften folgen.

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Mögliche Verzögerung bei Auslieferung

Erst im Sommer hatte die norwegische Regierung einen Zeitplan für die Beschaffung veröffentlicht. Danach sollte das erste U-Boot 2026 an das skandinavische Land ausgeliefert werden. Allerdings scheint nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein dieser Termin nicht mehr sicher zu sein. Denn das norwegische Verteidigungsministerium war nach eigenen Angaben mit dem bisherigen Angebot für das neue U-Boot nicht zufrieden. Jetzt soll das Angebot nochmal angepasst werden.

Die norwegische Marine hat deshalb vorgesorgt. Die neuen U-Boote sollen die sogenannte Ula-Klasse ersetzen. Von 2022 soll die Flotte, die aus sechs Booten besteht, auf vier reduziert werden. So will die norwegische Marine Betriebskosten und Kosten für Ersatzteile einsparen und die Einsatzbereitschaft der in Deutschland gebauten Ula-Klasse bis zum Jahr 2028 gewährleisten. Norwegen plant für den Kauf und Betrieb der vier U-Boote mit Kosten von rund 4,6 Milliarden Euro.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.10.2019 | 06:00 Uhr

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