Hetlinger retten ihre Gaststätte ein zweites Mal

Stand: 31.01.2021 05:00 Uhr

Bereits vor Corona stand die Gaststätte in Hetlingen (Kreis Pinneberg) schon einmal vor dem Aus. Der neue Pächter hat nun einen schwierigen Corona-Start, doch die Hetlinger halten wieder extrem zusammen.

von Hannah Bird

Es ist kurz nach 17 Uhr. Gleich kommen an diesem Samstag die Ersten, um ihr Essen abzuholen. In der Küche kümmern sich zwei Köche um die Gerichte. Sechs bis zehn Speisen bietet Pächter Andreas Sparwirth zum Mitnehmen im "Op de Deel" im Moment an - immer samstags und sonntags ab 17 Uhr. Das Telefon klingelt, die nächste Bestellung kommt rein. "Ich kriege es vor viertel vor 7 nicht hin", sagt Andreas Sparwirth dem Anrufer. "Das ist ein tolles Gefühl und das macht auch Spaß hier im Dorf, wie alle so regelmäßig am Wochenende kommen und sich hier ihr Essen abholen. Das hilft uns sehr", erzählt er.

Schon einmal stand das "Op de Deel" vor dem Aus

Pächter Andreas Sparwirth steht in seiner Dorfkneipe in Hetlingen. © NDR
Pächter Andreas Sparwirth findet die Unterstützung der Hetlinger "gigantisch".

Das "Op de Deel" in Hetlingen ist die einzige und letzte Gaststätte im Ort. 2017 stand sie schon einmal vor dem Aus. Die alte Reetdachkate sollte abgerissen werden, ein moderner Wohnblock sollte entstehen. Ein Schock für die Hetlinger. Seit Jahrzehnten war die Gaststätte der zentrale Treffpunkt des Dorfes. 14 Hetlinger gründeten daraufhin eine GbR und kauften das alte Reetdachhaus. Denn ihre Befürchtung war: Stirbt die Kneipe, stirbt das Dorf. Fast zwei Jahre renovierten und modernisierten sie die Gaststätte und feierten dann im November 2019 die Neueröffnung des "Op de Deels" zusammen mit dem neuen Pächter Andreas Sparwirth. Der erfüllte sich mit dem Restaurant einen Lebenstraum und war fasziniert von der Initiative der Hetlinger.

Kurz nach der Eröffnung kam Corona

Doch ein paar Monate nach der erfolgreichen Neueröffnung kam Corona. "Das war eine gewisse Schocksituation. Also, wir sind gut gestartet. Wir haben einen super November und einen tollen Dezember gehabt." Im März kam dann die negative Nachricht. "Corona hat uns natürlich klar getroffen, wie alle anderen auch", erzählt Andreas Sparwirth. Schnell organisierte er den Außer-Haus-Verkauf. Und dieses Angebot nehmen viele an. Bis zu 60 Gerichte können es an einem Abend schon mal werden. Am beliebtesten sind Schnitzel und Burger, erzählt der Wirt.

Einzige Gaststätte im Dorf

Zu den Stammgästen gehören natürlich auch die 14 Hetlinger, die das "Op de Deel" wiedereröffnet haben. Denn sie wollen, dass Andreas Sparwirth weitermacht. Er passe hier einfach wunderbar rein, so Silvia Koopmann. Und vor allem wollen sie, dass die Gaststätte auch nach Corona noch da ist. "Weil es eben die einzige in ganz Hetlingen hier ist. Und für uns ist es eben wichtig, weil wir gerne zusammensitzen, ein Bierchen trinken für die Dorfgemeinschaft, die hier in Hetlingen wirklich sehr gut ist, das muss man sagen", sagt Holger Martinsteg. Der Anlaufpunkt sei wichtig.

Auf die Pacht wird verzichtet

In dieser schwierigen Zeit würden sie außerdem schwer einen neuen Pächter finden. Und das wollen die Hetlinger auch gar nicht. Deswegen bestellen sie nicht nur fleißig Essen, sondern verzichten sogar auf die Pacht. Im ersten Lockdown kamen sie auf Andreas Sparwirth zu und boten ihm an, auf einen Teil der Pacht zu verzichten. "Und jetzt beim zweiten Lockdown" - erzählt Andreas Sparwirth - "der ja schlimmer ist für uns alle in der Gastronomie, weil gerade November und Dezember unsere Hauptmonate sind, da haben sie sogar großzügigerweise vollständig auf die Pacht verzichtet. Das finde ich gigantisch!“ Die Hetlinger lassen ihren Wirt auch in diesen schweren Zeiten nicht hängen. Und halten zusammen. Denn alle freuen sich darauf, hier wieder ordentlich zu feiern - zusammen.

Weitere Informationen
Eine Tischgarnitur vor einem geschlossenen Restaurant mit Laub auf dem Tisch. © imago images / Seeliger

Lockdown: Gastronomie und Handel fordern Hilfe

Gastronomen erwarten von der Politik, dass die versprochenen Übergangsgelder ausgezahlt werden. Einzelhändler fordern unbürokratische Hilfe. mehr

Alte Dorfkneipe in Helingen von außen. © NDR

Hetlinger retten ihren Dorfkrug

Der frühere Eigentümer wollte die alte Reetdachkate abreißen. Doch die Stammtisch-Belegschaft kauft und modernisiert die Gaststätte kurzerhand - mit 14 Hetlingern und 500.000 Euro. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 31.01.2021 | 19:30 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Ein Friseur kämmt die nassen Haare einer Kundin. © Colourbox Foto: Syda Productions

Lockerung der Corona-Maßnahmen: Kleiner Schritt Richtung Normalität

Die aktualisierte Landesverordnung ermöglicht etwas, worauf viele sehnlich gewartet haben: eine neue Frisur. mehr

Videos