Stand: 23.08.2020 06:00 Uhr

Hallig Süderoog: Familienleben mitten im Wattenmeer

An blühenden Salzwiesen entlang, über Tausende weiße Muschelschalen und zurück auf sattgrüne Wiesen: Holger Spreer macht seinen täglichen Rundgang auf Süderoog. Manchmal stoppt er kurz in einem Bereich mit hellem, feinen Strandsand direkt am Wasser. "Süderoog Strand" nennen er und seine Lebensgefährtin Nele Wree diesen Teil der Hallig liebevoll. Die Natur hier draußen ist wunderschön und einzigartig. Allerdings richtet Holger seinen Blick auf seinen Runden häufig auf den Boden, denn es sind keine Spaziergänge: "Da ist zum Beispiel ein richtiges Loch", zeigt er auf eine Stelle, "da haben auch die Fluten schon reingehauen. Nichts Gravierendes, aber wieder etwas Arbeit."

Das Bewirtschaften der Hallig als Hauptberuf

Holger Spreer und Nele Wree sind im Küstenschutz angestellt und teilen sich eine Stelle beim Landesamt für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Ihr Job ist es, die Hallig zu bewirtschaften, zu schützen und - wenn nötig - so nachzubessern, dass die Fluten dem kleinen Eiland nichts anhaben können. Die Hallig haben sie vom Land Schleswig-Holstein gepachtet.

"Auch das Halten der entsprechenden Tiere gehört dazu, zum Beispiel der Schafe. Sie halten die Grasnarbe kurz und verdichten mit ihren Tritten den Boden", erzählt Nele Wree, während sie sich auf der anderen Seite der Warft - dem Hügel, auf dem ihr Haus steht - ihr Fernglas schnappt. "Ich zähle die Tiere, im Idealfall immer vor Hochwasser. Denn es kann passieren, dass Schafe in Priele stürzen. Sie müssten wir dann natürlich vorher rausholen."

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Die bisher einzigen Bewohner auf Hallig Süderoog, Nele Wree und Holger Spreer, haben eine Familie gegründet. Im November letzten Jahres wurde ihre Tochter Fenja geboren. © NDR/Detlev Brumm
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Nachwuchs auf Süderoog

Die bisher einzigen Bewohner von Süderoog, Nele Wree und Holger Spreer, sind nicht mehr allein auf der Hallig. Sie haben eine Tochter. Der Film berichtet über ein aufregendes Jahr. 59 Min

Nachwuchs bei der Hallig-Familie

Heute ist die Herde aber komplett, der späte Nachmittag bleibt also stressfrei. Holger Spreer und Nele Wree haben Zeit für einen Kaffee im Innenhof ihres großen Hallighauses. Seit einiger Zeit wohnen sie hier nicht mehr alleine: Vor zweieinhalb Jahren wurde Tochter Fenja geboren, kurz vor Weihnachten 2019 dann die kleine IIvy. Zur Welt kamen beide im Krankenhaus in Flensburg. In den Sommermonaten hat die Familie Praktikanten. Sie helfen bei der Arbeit und passen auch mal auf die Kinder auf, wenn Nele und Holger gerade zeitgleich zu tun haben.  

Zweifler: "Ihr schießt euch ja aus dem Leben"

"Was macht ihr nur? Ihr schießt euch ja komplett aus dem Leben", hätten einige damals gesagt, als Nele und er sich in einem Verfahren vom Land um die Stelle auf Süderoog beworben haben, erinnert sich Holger Spreer. "Nach sieben Jahren muss ich sagen: Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben uns ins Leben geschossen. Intensiver leben kannst du fast nirgendwo. Und man spürt, dass man sich als Mensch anpassen muss, man muss hier immer mit der Natur arbeiten."

Tagesablauf orientiert sich an Gezeiten

Wann kommt der Postbote? Wann treffen Wattwanderer ein, die Suppe und Kuchen möchten? Wann kann man mit dem Boot losfahren, um Besorgungen zu machen? Der gesamte Alltag hier draußen ist von den Gezeiten abhängig. Aber die beiden wussten, auf was sie sich einlassen, berichtet Nele Wree - mit Baby auf dem Arm: "Wir sind hier nicht naiv rangegangen." Mehrfach hatte das Paar vorher das Hallighaus bewohnt, wenn die Vorgänger auf dem Festland waren.

"Irgendwann haben sie rumgewitzelt und gesagt: 'Warum macht ihr das hier nicht?' Dann haben wir uns beworben, denn so eine Chance bekommt man nicht noch einmal. Und wir haben es nicht bereut", erzählt der gelernte Kapitän und Krabbenfischer Holger Spreer. Ursprünglich kommt er aus Brandenburg, hat aber schon vor seiner Zeit auf Süderoog in Nordfriesland gelebt.

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Die Spontanität fehlt manchmal

Nele Wree kommt aus Kisdorf im Kreis Segeberg und hat, bevor sie mit Holger auf die Hallig ging, in Hamburg gelebt. Vermisst sie aus der Zeit in der Stadt gar nichts? "Nein, eigentlich nicht. Ruhiger wird man ja sowieso mit Kindern." Dann denkt sie aber kurz nach - und ihr fällt doch etwas ein: "Wenn man mal nicht so den besten Tag hatte, dann mal eine Freundin anzurufen und zu sagen: Lass uns spontan einen Kaffee trinken gehen, das wäre vielleicht das einzige, das fehlt. Man kann hier draußen eben nicht spontan sein."

Künftig ist die Hallig-Familie getrennt

Ein bisschen mehr unter Menschen ist die Familie nun wieder - zwangsläufig: Tochter Fenja geht seit einigen Tagen auf Pellworm in den Kindergarten. Erst einmal nur alle zwei Wochen, dann wohnen Nele und Holger abwechselnd mit ihr auf der Insel. Ob das auch ein Modell für die Grundschule wäre, dazu wollen die Eltern noch nichts sagen. "Der Plan ist: Es gibt keinen Plan." Das ist das Motto des Halligpaares. Es lässt das Leben auf sich zukommen und genießt Süderoog, so lange es eben geht.

Aber eines steht schon fest: Ungewohnt wird es zukünftig. Und das nicht nur, weil die Familie alle zwei Wochen getrennt ist. "Mehr als 1.000 Menschen auf Pellworm - das ist für unsere Verhältnisse nun fast eine Großstadt", lacht Nele Wree.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 23.08.2020 | 20:20 Uhr

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