Geltinger Bucht: Taucher finden "Enigma" auf Ostseegrund

Stand: 04.12.2020 16:18 Uhr

Überraschender Fund in der Geltinger Bucht: Taucher der Umweltorganisation WWF haben dort ein Exemplar der Chiffriermaschine "Enigma" aus dem Zweiten Weltkrieg geborgen. Mit dem Gerät wurden Funksprüche verschlüsselt.

Das Taucherteam war im Auftrag der Umweltschützer unterwegs, um Reste verloren gegangener Fischernetze zu bergen, die eine lebensbedrohliche Gefahr für Fische, Schweinswale und Seevögel darstellen. Ein Sonar hilft in solchen Fällen bei der Suche - Taucher steigen dann herab und lösen die Netze oft von Steinen oder Baumstämmen. In diesem Fall wurde ein Netz aber von einer "Enigma" festgehalten - der selten gewordenen Codiermaschine, mit der die deutsche Marine ihre Kommunikation geheim halten wollte.

Enigma ging wohl bei Versenkung von U-Booten unter

Der Fund liegt auf einer blauen Decke.  Foto: Lukas Knauer
Schätzungsweise mehr als 75 Jahre hat sie auf dem Grund der Ostsee verbracht. Das Salzwasser hat der "Enigma" zugesetzt.

Viele der Geräte waren zum Kriegsende vernichtet worden. In der Geltinger Bucht hatte die deutsche Kriegsmarine damals 50 U-Boote versenkt, um sie nicht an die Alliierten zu übergeben. "Wir vermuten, dass unsere Enigma im Zuge dieses Ereignisses über Bord gegangen ist", sagt Florian Huber, Unterwasserarchäologe und Taucher in dem Team, das im Auftrag des WWF im Einsatz war und die Chiffriermaschine fand. Mitarbeiter des archäologischen Museums in Schleswig wollen das Gerät nun weiter untersuchen und restaurieren.

Archäologen im Land freuen sich über bedeutenden Fund

Für das archäologische Landesamt in Schleswig-Holstein ist es der Überraschungsfund dieses Jahres. Sie habe nicht vermutet, dass auf dem Grund der Geltinger Bucht noch heute solche Dinge schlummern, sagt die zuständige Archäologin am Landesamt, Stefanie Kloß. Ihr sei nicht bekannt, dass in Schleswig-Holstein überhaupt schon einmal eine "Enigma" gefunden wurde. Die Chiffriermaschine soll später in den Besitz der Landesmuseen gehen und auf Schloss Gottorf ausgestellt werden.

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