Sendedatum: 15.03.2019 08:00 Uhr

"Fridays for Future" in Kiel: "Wir wollen Taten sehen"

Mit der schwedischen Schülerin Greta Thunberg fing es an. Mittlerweile gehen Tausende Schüler freitags statt in die Schule für mehr Klimaschutz auf die Straße. Am Freitag wollen weltweit in mehr als 50 Ländern Schüler für eine bessere Klimapolitik auf die Straße gehen - auch in Schleswig-Holstein. Jakob Blasel ist von Anfang an als Mitorganisator bei der Protestbewegung "Fridays For Future" dabei. Der 18-jährige Gymnasiast aus Kronshagen bei Kiel spricht im Interview mit NDR Schleswig-Holstein über den kommenden Freitag, was die Bewegung politisch bewirken soll und frustrierende Momente.

Am Freitag finden im Rahmen von "Fridays for Future" weltweit Proteste statt. Was ist für Schleswig-Holstein geplant?

Jakob Blasel: In Schleswig-Holstein planen wir in mehr als 20 Städten Streiks, unter anderem in Sylt, Husum, Flensburg, Kiel und Elmshorn. Das wird in Schleswig-Holstein richtig abgehen. Auch in der ganzen Welt werden wir vertreten sein. Wir sind inzwischen in 99 Ländern vertreten, vielleicht werden es ja Hundert.

Wie viele Ortsgruppen hat die Bewegung bislang in Deutschland?

Blasel: In Deutschland gibt es mehr als 300 Gruppen. Davon werden nicht alle streiken, weil sich viele davon gerade erst gebildet haben. Aber wir können am Freitag mit mehr als 200 Streiks deutschlandweit rechnen.

Wie sollte ihrer Meinung nach die Initiative "Fridays for Future" politisch unterstützt werden?

Blasel: Wir wollen von der Politik eigentlich nur eine Sache, nämlich Taten sehen. Wir wollen konkrete Maßnahmen, um die Klimakrise zu stoppen. Das ist die größte Unterstützung, die man uns geben kann.

Es gibt immer wieder den Vorwurf, dass diese Initiative - und auch die Organisatoren - inhaltlich wenig zu sagen haben. Welche konkreten Forderungen haben Sie an die Politiker?

Blasel: Wir sind das Sprachrohr der Wissenschaft. Es geht um einen schnellen Kohleausstieg und um einen Klimaschutzplan, der ausreichend ist, damit wir eine Zukunft haben. Das heißt, wir fordern, dass wir bis spätestens 2040 - am besten schon 2030 - nur noch so viel Emissionen ausstoßen wie Bäume einfangen können. Das ist nötig, um die Klimakrise zu stoppen. Das ist weltweit nötig.

FDP-Chef Christian Lindner hatte mit Blick auf die Schülerproteste vor Kurzem erklärt: Klimaschutz solle den Profis überlassen werden. Hat er recht?

Blasel: Das sehe ich auch. Aber Herr Christian Lindner sollte mal anfangen, auf die Profis zu hören. Die haben sich nämlich zwei Tage später mit 12.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geäußert. Die sagen genau das, was wir fordern.

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Was war ihr frustrierendster Moment im Rahmen des "Fridays for Future"-Protestes?

Blasel: Mein frustrierendster Moment war, als wir von Angela Merkel ein Lob bekommen haben. Sie hat es seit 2005 nicht geschafft, die Klimakrise in Deutschland anzugehen. Sie ist seitdem untätig, was den Klimaschutz angeht. Sie schweigt im Moment das Klimaschutzgesetz von Bundesumweltministerin Svenja Schulze tot.

Die Bewegung organisiert sich nur übers Internet. Kann sie so genug Druck ausüben?

Blasel: Auf jeden Fall. Ich glaube, dass das Internet für unsere Generation die beste Methode ist, sich zu verbinden. Es ist auch die beste Methode, möglichst viel Beteiligung zu ermöglichen. So haben wir es in kürzester Zeit geschafft, eine ziemlich starke Bewegungen in ganz Deutschland aufzubauen. Das wäre ohne das Internet gar nicht möglich gewesen.

Glauben Sie, dass die Bewegung eine Zukunft hat?

Blasel: Ich glaube, dass die Klimadebatte sich weiterhin anheizen wird, genauso wie die Erde, weil die Regierung weiterhin untätig ist. Die einzige Methode, wie man unsere Bewegung und unseren Elan stoppen könnte, wäre jetzt endlich mal zu handeln.

Das Interview führte Lars Gawel

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.03.2019 | 08:00 Uhr

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