Stand: 24.04.2019 12:11 Uhr

Endlager-Suche: "Irgendwo muss es ja hin"

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Markus Mehrens, Bürgermeister von Gnutz, bleibt bei der Endlager-Suche gelassen.

In Deutschland läuft die Suche nach einem Standort für ein Atommüll-Endlager - zurzeit noch in der Anfangsphase. Wie die Behörden dabei vorgehen, erklären sie heute Abend in Kiel auf einer Infoveranstaltung im Landeshaus. Zunächst geht es darum, Gebiete zu finden, die theoretisch geeignet sein könnten, bevor diese genauer untersucht werden. Dafür wurden in einem Gesetz Kriterien festgelegt - so soll das Endlager in eine 100 Meter starke Schicht aus Granit, Salz oder Ton gebaut werden.

In Schleswig-Holstein könnte auch der Salzstock unter der Gemeinde Gnutz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) auf die Liste der nach Aktenlage denkbaren Standorte kommen, die genauer untersucht werden sollen. Dafür spricht, dass dieser auch in der Vergangenheit schon mal in einem Papier als theoretisch geeigneter Standort genannt wurde. Der Gnutzer Bürgermeister Markus Mehrens (KWG) erklärt im Interview, wie die 1.200-Einwohner-Gemeinde damit umgeht.

Wie groß wird das Thema Endlager bei Ihnen in Gnutz schon diskutiert?

Markus Mehrens: Im Moment wird der Ball noch ziemlich flach gehalten. Es wird natürlich darüber gesprochen, aber es gibt keine Panik.

Das heißt: Im Moment gibt es noch keine großen Sorgen bei Ihren Bürgern?

Mehrens: Nein. Wir wissen ja noch gar nicht, ob wir überhaupt in die zweite und dritte Phase dieser Untersuchung kommen werden. Es läuft ja im Moment die erste Phase. Dort wird erstmal geprüft: Liegen wir in einem Vulkangebiet, in einem Erdbeben- oder Bergbau-Gebiet? Das kommt ja für uns alles nicht infrage. Insofern sollten wir davon ausgehen, dass wir bei der Größe des Salzstocks unter unserer Gemeinde in der zweiten Phase bleiben.

Die Untersuchungen, die in den vorherigen Jahrzehnten immer mal gelaufen sind, sind alle nicht mehr zu verwerten für dieses Verfahren, so hat man uns das gesagt. Insofern können wir jetzt nur darauf setzen, was die neuen Erkundungen ergeben werden. Die laufen ja erst in der zweiten Phase ab Mitte 2020. Und: Wir wissen noch nicht, ob wir dabei sind.

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Das ist noch ein bisschen hin. Wie stehen Sie denn persönlich dazu? Also irgendwo muss das Zeug ja gelagert werden...

Mehrens: Das ist richtig. Aber ich denke, niemand möchte das gerne haben. Das wissen wir. Aber irgendwo muss es hin. Ich finde es gut, dass man von der Politik gesagt hat, es soll nach rein wissenschaftlichen Kriterien ausgesucht werden. Und irgendwo wird der Standort gefunden werden. Wenn unser Salzstock geeignet ist, dann muss man damit umgehen. Dann müssen wir sehen, wie man eine vernünftige Lösung gemeinsam findet, die von den Bürgerinnen und Bürgern hier halbwegs akzeptiert wird. Man kann ja, denke ich, nicht verlangen, dass wir dann Freudensprünge machen.

Aber was mich viel mehr beunruhigt, ist die Tatsache, wenn es wirklich dazu kommt, dass das mit Riesenprotesten verbunden sein wird. Das haben wir alle erlebt, was das bedeutet. Ich denke, das ist auch eine sehr schlimme Sache für unsere Gegend, für unsere Bürgerinnen und Bürger, wovor ich persönlich noch mehr Angst habe als vor dem Endlager.

Ja, das ist schwierig. Es wird Proteste geben, definitiv, wenn es soweit kommt - ja nicht nur von Ihren Bürgern, sondern das betrifft ja viele mehr, wie Sie gerade sagen. Wo stehen Sie denn dann? Würden Sie sich dann dafür stark machen, dass das Endlager dort hinkommt oder stehen Sie dann eher auf der Seite der Bürger und würden sich vorne an die Protestbewegung setzen?

Mehrens: Es kommt sicherlich darauf an, was da entstehen soll. Es gibt ja in Schweden das Beispiel, da haben die Bürgerinnen und Bürger sich sogar beworben von mehreren Gemeinden und gesagt: Wir möchten das haben, weil man ein schlüssiges Konzept dort entwickelt hat, was akzeptiert wird. Wenn es zu viele Unsicherheiten gibt, dann kann ich mich ja nicht da vorne hinstellen und sagen, wir wollen das unbedingt haben.

Für mich ist es auf keinen Fall ein Standpunkt zu sagen, man kann hier ganz viele Arbeitsplätze bekommen. Das ist für mich zweitrangig. Darauf möchte ich nicht bauen. Es soll wissenschaftlich korrekt und für alle tragbar eine Lösung geben. Wenn das dann unser Salzstock ist, dann müssen wir gemeinsam eine Lösung finden.

Das Interview führten Mandy Schmidt und Horst Hoof, NDR 1 Welle Nord. Es wurde für die Lesbarkeit sprachlich geglättet. Im Radio war eine gekürzte Fassung zu hören.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Horst und Mandy am Morgen | 24.04.2019 | 07:10 Uhr

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