Der letzte seiner Zunft? Der Drechslermeister Karl Decker

Stand: 06.03.2021 15:47 Uhr

Das Drechslerhandwerk ist seit 2018 immaterielles Kulturerbe in Deutschland. Aber es fehlt der Nachwuchs. Ans Aufhören denkt Drechslermeister Karl Decker nicht.

Langsam frisst sich das Dreheisen in das Werkstück, schält die Konturen aus dem Rohholz. Drechseln ist ein Handwerk, das fast 4.000 Jahre alt ist. Das alte Werkstattgebäude an der Wakenitz ist etwa 100 und Drechslermeister Karl Decker fast 74 Jahre alt. Kollegen hat er nur wenige. Drechslermeister, also keine Tischler, die auch drechseln, findet man in Schleswig-Holstein nur ganz selten.

Baumstamm ist "Rohstoff"

Wenn Karl Decker einen neuen Baumstamm vor sich hat, beginnen seine Augen fast zu leuchten: "Es ist hoch interessant, was da drin steckt. Ich sehe mir die Form an, wo sind zusammenhängende Stücke, die was ergeben könnten", überlegt der 73-Jährige. Aus dem neuesten Baumstamm hofft er, Schüsseln machen zu können. Es handelt sich um Robinienholz - der Baum musste wegen Pilzbefall gefällt werden und wurde so zum Rohstoff für den Drechslermeister.

Werkzeug: Meißel und Röhren

Beim Drechseln wird ein Stück Holz in eine Drehbank eingespannt und dann mit Meißel und sogenannten Röhren bearbeitet. Nicht nur Holz kann gedrechselt werden, auch Bernstein, Bronze, Kalkstein und Marmor. Karl Decker bearbeitet momentan vor allem Holz. Prüfend schaut er auf eine frisch gedrechselte Schale: "Halbwegs bin ich zufrieden. Die Färbung des Holzes ist nicht ganz glücklich, aber wenn es gekocht ist, könnte es sich farblich noch verbessern", erklärt der Fachmann. Bevor der Rohling weiter bearbeitet wird, kommt er in einen Dampfkessel. Dort werden die Pilze und das Eiweiß ausgekocht. Das Holz wird haltbarer und trocknet leichter.

Türdrücker in Museen verbaut

Karl Decker fertigt Alltagsgegenstände in unterschiedlichsten Größen und Formen. Seine Türdrücker sind mittlerweile in Museen und historischen Gebäuden, wie zum Beispiel dem Burgkloster Lübeck verbaut. Wann Karl Decker das Drechseln an den Nagel hängt, weiß er nicht: "Das muss auch weiter gehen. Aber ich merke schon, dass manches deutlich schwerer wird."

Das Drechslerhandwerk ist seit 2018 immaterielles Kulturerbe in Deutschland. Aber es fehlt der Nachwuchs. Ganze drei Azubis sind dieses Jahr in den Beruf eingestiegen - bundesweit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 07.03.2021 | 19:30 Uhr

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