Stand: 17.01.2019 20:43 Uhr

Bundeshengstschau: Dithmarscher Pony auf Platz 2

von Kai Salander

Es ist eine große Ehre für ein kleines Welsh-Pony aus Dithmarschen. Der fünf Jahre alte "Yakari" darf in diesem Jahr während der Internationalen Grünen Woche in Berlin an der Bundeshengstschau teilnehmen. Das bedeutende agrarpolitische Event findet turnusmäßig alle vier Jahre statt. 2019 sind erstmalig auch Welsh-A-Ponys für die Schau zugelassen. Fünf solcher Pferde aus ganz Deutschland warten in der Box auf ihren großen Moment. Die Züchter wollen ihre Ponys drei Juroren vorführen. Pia und Gudrun Wieczorek haben "Yakari" auf ihrem Gestüt in Norddeich gezüchtet, aufgezogen und ausgebildet - alles von eigener Hand. Bis zur großen Hengstschau war es ein weiter und trainingsintensiver Weg. Doch vor der langen Fahrt in die Hauptstadt muss der Hengst eine letzte Einheit absolvieren.

Ein Highlight für Welsh-Pony "Yakari"

Ein kleines Pony für die feine Dame

Auch bei eisigen Temperaturen spannt Pia ihren Hengst regelmäßig vor die Kutsche. "Er soll stark und muskulös bleiben. Deshalb ist er seit etwa einem halben Jahr im Fahrtraining. Ein bis zwei Mal die Woche, je nachdem, wie das Winterwetter es zulässt", erklärt Pia Wieczorek. Die 31-Jährige läuft zum Stall, legt eine blaue, wärmende Decke über das kleine Pony, auf dessen Rücken kleine Besucher des Ponyhofs ihren ersten Ausritt erleben. An diesem Vormittag ist die Kamera dabei. Der feinfühlige Yakari merkt das natürlich und zuckt ab und an leicht nervös. Doch Züchterin und Tier haben sich über Jahre eingespielt und mit ein wenig Pferdegeflüster, beruhigenden Worten und Lob kann Pia "Yakari" beruhigen.

Sie führt den Hengst an einer blauen Leine aus dem Stall, macht ihn einer Backsteinhauswand fest und kämmt liebevoll seine blonde Mähne, um sie schließlich zu Zöpfen zu flechten. Im schwarzen Geschirr kommt "Yakari" vor die Kutsche. Mit einer Ponystärke rollen Mutter und Tochter vom Hof. Gleich auf den ersten Metern kommt dem Duo ein Trecker entgegen, sie fahren rechts ran. Pia hält die Zügel fest. Er sei sehr aufmerksam und fleißig, sagt sie über ihren Hengst. "Ich kann ihn sehr gut mit meiner Stimme beruhigen. Wenn mal ein Trecker kommt, dann steigt eben meine Mutter kurz ab, um das Pony vorbeizuführen." Dann trabt das Zugpferd ganz entspannt weiter über den Feldweg und ist damit seiner tradierten Rolle ein ganzes Stück näher. Ursprünglich wurden Welsh-Ponys gezüchtet, um die Dame des Hauses zum Tee bei der Nachbarin zu fahren.

Hartes Training bei Wind und Wetter

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Eine kleine Schönheit: Der braune Ponyhengst Yakari wurde für Berlin herausgeputzt.

Minutenlang umgibt die Kutschfahrt eine akustische Idylle: Windgeräusche, Hufgetrappel und die schellenden Glöckchenkränze links und rechts am Geschirr. Unterwegs lobt Pia: "Er hat schon viel Kraft und Ausdauer vor der Kutsche. 'Yakari' hat eine gute Einstellung - egal bei welchem Wind und Wetter. Er zieht immer, arbeitet hart und strengt sich an." Allerdings sei es auch ein zumutbares Training für das Pony, die Kutsche lasse sich leicht ziehen, vier Hufeisen schützen den Hengst, wenn er über Teerwege rund um Norddeich läuft. Die längste Tour ist etwa zehn Kilometer lang. Auch auf dem Hof absolviert "Yakari" Trainingseinheiten, etwa Kreisläufe an einer langen Leine, der sogenannte Longe. Das fördere seine Koordination und Ausdauer. Doch vor der Vorführung auf der Grünen Woche gibt es noch ein wenig mehr zu beachten.

Ein Pony kennt kein Wochenende

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Regen und Wind sind für ein robustes Welsh-Pony kein Problem.

"Es ist ein Vollzeit-Job", sagt Gudrun Wieczorek. Die To-do-Liste für die Bundeshengstschau fülle eine ganze DIN-A4-Seite: Shampoo, Bürsten, Vorführkleidung. Auch eine Art Pferdeschminke kommt zum Einsatz: Mit einer Fettcreme werden die Nüstern des gestriegelten Tieres eingecremt, damit die Nase bei der Schau richtig glänzt. Zudem müssen die Züchter in diesem Jahr zum ersten Mal eigenes Futter für die Pferde mitbringen, bei der Bundeshengstschau wird keines gestellt. Der Grund ist die Futterknappheit in Deutschland, eine Auswirkung des vergangenen Dürre-Sommers.

Aufregung in der Hauptstadt

Einen Tag vor der Prüfung laden die Wieczoreks ihren "Yakari" in den Pferdeanhänger. "Er hat viel Kraftfutter vor der Fahrt bekommen, damit er die Reise gut verkraftet", berichtet Pia. Mit nur einem kurzen Tankstopp fahren sie in die Hauptstadt. "Er hat alles gut überstanden, musste nach der Ankunft gleich eine Menge trinken", berichtet Pia am Telefon, in ihrer Stimme liegt deutlich ein wenig Aufregung.

"'Yakari' hat bisher alles erreicht, was so ein kleiner Mann erreichen kann: Fohlenchampionat und Leistungsprüfung gewonnen." Die Bundesprämie wäre die Krönung der Zucht auf dem Gestüt Ponyland. Bei der Prüfung untersuchen die Juroren, ob das Pferd dem Rasse- und Geschlechtstyp entspricht, und auch auf den Körperbau sowie die Stellung der Beine wird geachtet. "'Yakari' leidet nicht an Prüfungsangst", versichert Pia und freut sich auf den Wettbewerb.

Viele Möhren und eine Schleife

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Pia Wieczorek strahlt über den Erfolg bei der Bundeshengstschau und auch ihr Hengst "Yakari" trägt die Siegerschleife mit Stolz.

Die Prüfungsbedingungen sind eine besondere Herausforderung für Pia und "Yakari". Vieles lenkt den Hengst in der Halle ab - die Besuchertribünen ganz dicht am Vorführplatz, eine Leinwand mit ständig wechselnden Bildern und dazu die anderen tobenden Hengste. Die Konkurrenz ist stark und dennoch kann "Yakari" überzeugen. Die Juroren ehren ihn mit der größten Auszeichnung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, der Bundesprämie. Im direkten Vergleich zu den anderen Welsh-A-Ponys belegt der Hengst aus Dithmarschen den zweiten Platz, gilt damit als sogenannter Bundesreservesieger Hengst. Das Pony trabt noch eine letzte Ehrenrunde, um seinen Hals hängt eine silberne Schleife, Pia strahlt: "Es gibt natürlich ein paar extra Möhren für 'Yakari'. Ich glaube aber, er hat noch nicht so viel mitbekommen von seinem Erfolg."

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein von 10 bis 2 | 18.01.2019 | 12:40 Uhr

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