Stand: 15.11.2017 13:26 Uhr

Bier statt Sake - Ein Japaner lernt Brauen in Wacken

von Peter Bartelt

"Das ist ein Bier!" Takafumi Kawabe schließt die Augen und genießt den ersten Schluck aus einem der großen Tanks auf dem Gelände der Wacken Brauerei. Dort reifen die verschiedenen Biersorten nach. "Sowas bekommt man bei uns in Japan nicht. Da gibt es nur wenige Sorten und die schmecken mir gar nicht,“ sagt der 30-jährige Brauerei-Lehrling aus Osaka. Erst seit ein paar Wochen ist der junge Japaner nun in Wacken und lernt bei der Wacken Brauerei, wie man deutsches Craft- Beer braut. Das ist etwas kräftiger als das herkömmliche Pils und hat auch mehr Alkoholgehalt. Und das kann gerade für Asiaten zum Problem werden.

Fehlendes Enzym bei Nordostasiaten

Nicht jeder verträgt Alkohol gleich. Diese Binsenweisheit trifft besonders für Menschen asiatischer Herkunft zu. Denn etwa bei jedem Zweiten aus Nordostasien - dazu gehören unter anderem Japaner, Chinesen und Koreaner - fehlt ein bestimmtes Enzym, das hilft, den Alkohol im Körper abzubauen: Acetaldehyd-Dehydrogenase - kurz ALHD. Schon nach wenigen Schlucken Bier oder Wein sind sie betrunken. Sie sind es auch länger als Westeuropäer, weil der Alkohol viel langsamer abgebaut wird.

Bier brauen heißt nicht Bier trinken

Vor diesem Hintergrund stellt sich natürlich die Frage: Kann das mit Takafumi Kawabe als Brauerei-Lehrling gut gehen? Denn immerhin muss er das Bier regelmäßig verkosten, um ein Gefühl für den richtigen Geschmack zu bekommen. "Keine Sorge", wiegelt Helge Pahl ab. Er ist einer der Geschäftsführer der Wacken Brauerei. "Bloß weil wir Bier brauen, betrinken wir uns ja nicht jeden Tag von Berufs wegen. Das sind immer nur ein, zwei Schlucke Bier, mehr nicht. Außerdem ist Taka viel zu vernünftig, um zu viel zu trinken."

Azubi-Suche über Facebook

Wie kommt man an einen Auszubildenden aus Japan? Die kleine Wacken Brauerei gibt es ja erst seit etwa eineinhalb Jahren, aber sie ist bereits ein Ausbildungsbetrieb. Ist Takafumi ein Metal-Fan und wollte unbedingt in die Heimat des Wacken Open Air? "Nein, ganz und gar nicht. Das war Zufall", sagt Helge Pahl. Er wollte einen zweiten Azubi, fand aber auf die Schnelle niemanden. Also setzte er einen Aufruf bei Facebook ab und schon nach kurzer Zeit meldete sich Takafumi Kawabe. "Dann ging alles ganz schnell, denn Takafumi war gerade in Deutschland. Und vor allem: Er konnte Deutsch", freut sich Pahl. Kawabe war in seinem ersten Beruf Deutschlehrer in Japan. An den Zwölf-Stunden-Tagen zerbrach seine Beziehung. Daraufhin entschied er sich, ins Ausland zu gehen.

Ein Japaner braut Bier in Wacken

Der Favorit des Japaners: Weizenbier

Schon am Tag nach der Kontakaufnahme stand Kawabe auf der Matte. Und nun hat Annik Berthold einen japanischen Kollegen an ihrer Seite. Sie war die erste Auszubildende, die lernt, wie man Bier in Wacken braut. "Nun habe ich internationale Gesellschaft", freut sie sich. "Ab und zu versteht er noch nicht alles, und es dauert ein bißchen länger, aber er ist sehr höflich, sehr zurückhaltend - eben so wie man sich einen Japaner vorstellt. Wirklich sehr nett."

Takafumi Kawabe selbst träumt davon, nach seiner Ausbildung in Japan sein eigenes Bier zu brauen. Besonders ein Bier hat es ihm angetan: "Weizenbier ist mein absoluter Favorit. Das würde ich gerne selbst brauen" Aber bis dahin muss er noch viel lernen, nicht nur das Brauereihandwerk.

Trinksprüche auf Platt und Japanisch

Obwohl Kawabe sehr gut Deutsch spricht, gibt es natürlich das eine oder andere sprachliche Hindernis. Nicht unbedingt auf fachlicher Ebene, sondern wenn sie gegenseitig Trinksprüche austauschen. Dann bekommt der Japaner auch schon mal Plattdeutsch-Unterricht. "Nu schüllt wi noch mol een verteern", spricht Helge Pahl seinem Azubi vor. Der lächelt höflich und bittet darum, es noch mal hören zu dürfen. Nach zwei weiteren Versuchen schafft er eine fernöstlich eingefärbte Version. Aber die fällige Retourkutsche auf Japanisch kommt prompt: "I pai no mi ma scho", legt Kawabe vor. Und auch seinem Chef gelingt der kleine Sprachtest nach zwei Anläufen. Pahl ist im Nachhinein froh, dass er bis dahin nur zwei Schlucke Bier getrunken hat.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 13.11.2017 | 20:13 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:47
Schleswig-Holstein Magazin

A7-Ausbau steht vor dem Abschluss

13.11.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:31
Schleswig-Holstein Magazin

Informationsbesuch an der Schleusenbaustelle

13.11.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:34
Schleswig-Holstein Magazin

Immobilienatlas: Preise steigen weiter

13.11.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin