Stand: 02.01.2018 19:08 Uhr

Batteriespeicher gegen den Druck im Stromnetz

Mal gibt es starke Böen, mal gar keinen Wind. Der Ausbau der erneuerbaren Energien setzt das deutsche Stromnetz immer stärker unter Druck. Der große Netzbetreiber Tennet musste 2017 nach einer vorläufigen Schätzung wegen unzureichender Leitungskapazitäten fast eine Milliarde Euro für sogenannte Noteingriffe ins Netz zahlen. Die Eingriffskosten lagen 2015 noch deutlich niedriger bei 710 Millionen Euro, im windschwachen Jahr 2016 sogar nur bei 660 Millionen Euro. Neben den überregionalen Stromleitungen fehlen vor allem Stromspeicher. Ein Jungunternehmer aus Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen will dagegen etwas tun: Tim Brandt hat den ersten größeren Batteriespeicher im Land in Betrieb genommen. Seine Lithium-Ionen-Akkus haben eine Speicherkapazität in der Größe von einer Million Smartphone-Akkus.

Speicher reagiert in Millisekunden auf Schwankungen

Vor zweieinhalb Jahren hatte Tim Brandt das Start-up-Unternehmen Wind to Gas Südermarsch mit gegründet. Er suchte nach passenden Technologien und Investoren und kämpfte um Fördergelder - mit Erfolg. "Ich komme hier aus der Region und habe seit der Kindheit miterlebt, wie die Energiewende sich entwickelt hat", sagt der 26-Jährige Jungunternehmer. "Nun geht es in meiner Generation darum, den nächsten Schritt, den Weg der Speicherung zu begleiten." In den zwei Containern des Batteriespeichers misst eine Steuerungssoftware permanent die Frequenz im Netz. "Das tolle an dem Speicher ist, dass er in Millisekunden auf Frequenzschwankungen im Netz reagiert", erklärt Brandt. "Bei einer Änderung im Netz reagiert der Speicher sofort und speist automatisch Strom ein oder zieht ihn raus." Der Strom aus dem Netz fließt über einen Trafo in die Wechselrichter und dann in die Speichercontainer - oder umgekehrt ins Netz wieder rein.

Verbraucher zahlen für Noteingriffe

Im Moment gleichen konventionelle Kraftwerke solche Schwankungen aus. Im stürmischen Herbst und Winter müssen im Norden immer wieder Gas- und Kohlekraftwerke heruntergefahren oder Windparks gegen Kostenerstattung abgeschaltet werden, weil sonst mehr Strom produziert würde als die Netze aufnehmen können. Damit im Süden nicht die Lichter ausgehen, müssen dort konventionelle Reservekraftwerke hochgefahren werden. Oft kommt die Netzreserve auch aus Österreich. Auch dafür müssen die Netzbetreiber wie Tennet Entschädigung zahlen. Die Kosten für die Noteingriffe werden über die sogenannten Netzentgelte auf den Strompreis umgelegt und landen am Ende beim Verbraucher.

"Die Stabilisierung der Netze kostet uns alle viel Geld"

"Das Netz ist wegen des starken Zubaus der Erneuerbaren weiter extrem belastet. Wir brauchen zwingend ein Energiewende-Netz, also die vom Gesetzgeber bereits beschlossenen Netzausbauprojekte", fordert Tennet-Geschäftsführungsmitglied Lex Hartmann. "Bis dahin sind Netzengpässe, hohe Kosten für die Verbraucher und eine zunehmend instabile Versorgung die harte Wirklichkeit." Auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sieht Milliardenkosten auf die Verbraucher zukommen: "Die Stabilisierung der Netze ist komplexer geworden und kostet uns alle viel Geld. Diese Kosten sinken erst durch die großen Stromleitungen", sagt Homann. Allerdings hält der Behördenchef die Versorgung auch in der Zwischenzeit bis zum Start der neuen Leitungen für sicher: "Eine Warnung vor Stromausfällen bis dahin wäre übertrieben."

Rechnet sich der Stromspeicher?

Bild vergrößern
Seit November läuft im Brunsbütteler Industriepark ein Batteriespeicherkraftwerk. Hier sieht man die Trafo- und Wechselrichtereinheit.

Die Anlage von Tim Brandt im Brunsbüttler Industriepark hat zwei Millionen Euro gekostet. Netzbetreiber Tennet bezahlt für die Dienstleistung. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Projekt mit 400.000 Euro. Brandt hat aber auch hohe Kosten. Er muss allein für den Netzanschluss 400.000 Euro bezahlen - als wäre er ein normaler Verbraucher. Dabei entlastet Brandt mit der Anlage das Netz. "Die Politik hat noch nicht richtig erkannt, wie man mit solchen neuen Technologien rechtlich umgehen soll. Da sehen wir noch große Hürden und haben die Befürchtung, dass wir in der Wirtschaftlichkeit nicht so zurechtkommen." Er hofft, dass die Preise für seine Speicherdientsleistung steigen, wenn immer mehr konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 02.01.2018 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:27
Schleswig-Holstein Magazin

Gefesselter Mann: Ermittlungen laufen

17.10.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:14
Schleswig-Holstein Magazin

Röntgenlaser enttarnt Antibiotikaresistenzen

17.10.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
01:06
Schleswig-Holstein Magazin

Polizei durchsucht Gebäude im Rockermilieu

16.10.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin