Stand: 29.05.2019 13:38 Uhr

Anklage nach Tod in Lübecker Krankenhaus

Nach dem Tod eines 33 Jahre alten Patienten in der psychiatrischen Abteilung der Universitätsklinik (UKSH) Lübeck im September 2017 hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage gegen insgesamt zwölf Verdächtige erhoben. Sie richtet sich gegen zwei Männer eines Sicherheitsdienstes, gegen drei Pfleger, zwei Ärztinnen und fünf Polizisten. Die Lübecker Staatsanwaltschaft wirft ihnen Körperverletzung mit Todesfolge vor, wie die Anklagebehörde am Mittwoch mitteilte. Nach Ansicht der Ermittler starb der Mann, weil er brutal auf einem Krankenbett fixiert wurde.

Auf dem Krankenbett fixiert

Was war passiert? Am 20. August 2017 randalierte laut Anklage ein 33-Jähriger in Lübeck-Blankensee, beschädigte Autos und Mülltonnen. Polizisten hielten ihn für verwirrt und brachten ihn ins Lübecker Universitätsklinikum. Bereits während des Transportes im Polizeifahrzeug hatte der Mann sich laut Staatsanwaltschaft heftig gewehrt und sich auch bei der Einlieferung in die Klinik weiterhin "hochgradig aggressiv" verhalten. Dort sollte der aggressive und womöglich unter Drogen stehende Mann auf Anweisung einer Ärztin auf dem Krankenbett fixiert werden.

Ärzte mussten reanimieren

Die Ermittler sind sich sicher, dass der Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes dabei mehrfach ein Kissen an den Kopf des Patienten drückte. Um festzustellen, ob der Patient noch atmete, soll der damals 19-jährige Sicherheitsmitarbeiter das Kissen in Abständen immer wieder angehoben und für die anderen Beteiligten vernehmbar laut geäußert haben, dass der Mann noch atme, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der 33-Jährige bekam offenbar keine Luft mehr und musste reanimiert werden. Er lag anschließend im künstlichen Koma - einige Wochen später starb er in der Klinik.

Anklage vor der Jugendkammer

Weil weder die zwei Ärztinnen noch die drei Pfleger und die fünf Polizisten den Sicherheitsmann daran gehindert hatten, das Kissen auf den Kopf zu drücken, wurde laut Staatsanwaltschaft gegen die elf Beschuldigten ein Unterlassenvorwurf erhoben. Der Sicherheitsdienstmitarbeiter war zur Tatzeit 19 Jahre alt, deshalb wurde die Anklage vor der Jugendkammer des Landgerichts Lübeck erhoben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.05.2019 | 13:00 Uhr

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