Stand: 20.06.2020 06:00 Uhr

Am NOK zu Hause: Die Camper von Schachtholm

von Christian Wolf

Als der Nord-Ostsee-Kanal vor 125 Jahren seinen Betrieb aufnahm, hat sich vermutlich niemand vorstellen können, dass dieses Bauwerk eines Tages eine touristische Attraktion werden würde. Doch die Besucherzahlen steigen ständig, vor allem sind die vielen Wohnmobilstell- und Campingplätze entlang der künstlichen Wasserstraße ständig belegt. Ein Stellplatz für Wohnmobile liegt direkt am Flugplatz Schachtholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Hier, inmitten der grün blühenden Landschaft im Herzen des Landes, reihen sich Dutzende Campingmobile aneinander. Aus der Ferne wirken die weißen Fahrzeuge wie die Tasten eines riesigen Klaviers.

Ein Hotspot für Schiff-Spotter

"Grün, viel Platz, Schiffe, immer ein bisschen Wind, frische Luft. Das ist hier für mich das Naherholungsgebiet", erklärt Jan-Pieter Hirsch. Der 65-Jährige und seine Frau wohnen eigentlich in Plön, verbringen aber trotzdem viel Zeit hier. Mehrere Wochen im Jahr kommt der ehemalige Marine-Offizier mit seiner Frau Siglinde zu dem Stellplatz am Nord-Ostsee-Kanal.

Vor allem die Schiffe haben es ihm angetan. "Mit einer App kann man ja schauen, was da kommt und wann die hier sind", sagt der Pensionär. Begeistern kann er sich insbesondere für Schiffe mit Spezialaufbauten und Kreuzfahrtschiffe : "Dieses Jahr ist da aber bis auf die 'M/S Bremen' noch kein einziges durch den Kanal gekommen."

Bekanntschaften fürs Leben

Aber nicht nur das spielt eine Rolle für ihn. Jan-Pieter Hirsch ist auch die Camping-Romantik wichtig: "Das Ungezwungene, die Hilfsbereitschaft untereinander, das ist für mich das Credo des Campens." Die Bekanntschaften sind dem Hobby-Fotografen wichtig, denn viele kommen immer wieder. "England, Schweiz, Norwegen. Viele machen hier immer halt, wenn sie entweder ans Nordkap wollen oder umgekehrt in den Süden fahren. Da kommen immer die Gleichen", sagt Jan-Pieter Hirsch.

Seit zehn Jahren ist Familie Radtke aus Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) der direkte Nachbar in Schachtholm. Aus Bekannten sind inzwischen Freunde geworden: "Wir kennen uns nun ja schon lange. Und Angela und Karsten haben uns auch schon zu Hause besucht", sagt Hirsch.

Hupen der Schiffe "geht bis in den kleinen Zeh"

Drei bis vier Monate im Jahr verbringt Angela Radtke in Schachtholm: "Weil wir ja in Kaltenkirchen wohnen, kann ich immer kommen und gehen." Das von ihrer, wie sie sagt, "Eineinhalb-Zimmer-Ferienwohnung auf Rädern" nur wenige Meter entfernt der Flugplatz Schachtholm liegt, stört sie nicht. Ganz im Gegenteil, denn dieser sorge für Abwechslung: "Bis vor zwei Jahren ist hier noch das Militär mit der Transall oder mit dem Sea-King-Hubschrauber gelandet. Und dann sind hier auch noch Kunstflieger, die ab und zu üben."

Der Kanal und seine Schiffe sind auch für sie und ihren Ehemann wichtig. Den Frachtern oder Kreuzfahrtschiffen zuzuwinken hat für sie Tradition: "Wenn dann ein guter Kapitän oder ein guter Lotse drauf ist, dann hupen die auch mal - und das geht dann bis in den kleinen Zeh."

Der Sehnsuchtsort als zweites Zuhause

Für die 54-Jährige ist das Miteinander am Kanal sehr wichtig. "In einer Ferienwohnung oder in einem Hotel ist man alleine", erklärt Angela Radtke. Dagegen seien Camper eine Gemeinschaft. Für die lebenslustige Frau ist der Stellplatz inzwischen eine Art Sehnsuchtsort geworden, der wichtiger zu sein scheint als das Eigenheim: "Ich kann mit dem Wohnmobil gewesen sein, wo ich will. Wenn wir wieder hierher gefahren sind, dann habe wir beide immer gesagt: Wir sind zu Hause."

Diese Sehnsucht geht sogar so weit, dass Familie Radtke von einer Wohnmobil-Tour statt nach Kaltenkirchen erst hierher kommt: auf den Wohnmobilhafen Schachtholm am Nord-Ostsee-Kanal.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 12.06.2020 | 19:10 Uhr

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