Stand: 30.07.2019 20:33 Uhr

Wegen Lecks: Althusmann prüft Einpressbohrungen

Eine Bohrmaschine auf dem Gelände der Firma Wintershall DEA. © NDR
An einer Ölförderanlage sollen durch ein defektes Rohr 220 Millionen Liter verseuchtes Wasser in den Boden bei Emlichheim gelangt sein. Nun haben die Betreiber ein zweites Leck gefunden.

Nach dem Austritt von sogenanntem Lagerstättenwasser aus einer Bohranlage für Erdöl in Emlichheim (Grafschaft Bentheim) hat das Niedersächsische Wirtschaftsministerium landesweit die kurzfristige Überprüfung aller Einpressbohrungen angeordnet. Bis zum 5. August müssten demnach alle Erdöl- und Erdgasproduzenten Informationen zu ihren Anlagen liefern, teilte das Ministerium am Dienstag mit. Die Behörde erwarte Rückmeldungen zu den verwendeten Werkstoffen für Bohrrohre, bisherigen und zukünftigen Überwachungsmaßnahmen und Maßnahmen zur Korrosionsverhinderung in den rund 220 Einpressbohrungen in Niedersachsen.

Althusmann fordert Sanierungskonzept vom Betreiber

Wie am Montag bekannt wurde, ist auf der Förderanlage in Emlichheim zwischen Januar 2014 und Oktober 2018 aus einem Leck in einem Einpressbohrrohr ("Em132") zwischen 140.000 bis 220.000 Kubikmeter Lagerstättenwasser im Erdreich versickert. Das Loch in einem zweiten Rohr ("EM51") wird derzeit untersucht. Wirtschaftsminister Bernd Alhusmann (CDU) sagte: "Sobald Klarheit über das Ausmaß des Schadens besteht, erwarten wir von Wintershall DEA die umgehende Vorlage eines Sanierungskonzepts."

Rohr auf einer Länge von 60 Metern verrostet

In Emlichheim wird seit 1943 Erdöl gefördert. Wie eine Sprecherin des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) sagte, werde bei der Förderung ein Gemisch aus rund 90 Prozent Lagerstättenwasser und 10 Prozent Erdöl an die Oberfläche gepresst. Dort werde beides voneinander getrennt und das Wasser wieder durch die Einpressbohrungen zum Ursprungsort zurückgepumpt. Bei der Bohrung "Em132" soll ein Rohr in 150 Metern Tiefe auf 60 Metern Länge verrostet sein.

Aus zweitem Leck soll kein Giftwasser ausgetreten sein

Wo das ausgetretene Lagerstättenwasser aus Rohr "Em132" geblieben ist, wird vom Betreiber untersucht. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, bohrt das Unternehmen bis in eine Tiefe von 230 Metern, um Boden- und Grundwasserproben zu entnehmen. Aus dem Schaden am Bohrloch "Em51" soll nach derzeitigen Erkenntnissen kein Giftwasser ausgetreten sein, heißt es vom Betreiber Wintershall DEA und des für die Überwachung zuständigen LBEG.

Wasser enthält Salze, Kohlenwasserstoff und Metalle

Laut eines Gutachtens sei das Wasser unter anderem mit Salzen, dem flüssigen Kohlenwasserstoff Benzol sowie den Metallen Bor, Strontium und Barium in nicht genannter Menge versetzt. LBEG-Präsident Andreas Sikorski sagte gegenüber dem NDR: "Wir überprüfen regelmäßig das Grundwasser und die Fließgewässer. Über diese regelmäßigen Proben haben wir bis jetzt keine Erkenntnis, dass Lagerstättenwasser im nutzbaren Grundwasser und in den Fließgewässern angekommen ist." Eine akute Gefahr bestehe für die Menschen in der Region nicht.

Bürgermeisterin "schockiert" über das Ausmaß der Verunreinigung

Daniela Kösters, Bürgermeisterin der Samtgemeinde Emlichheim
Bürgermeisterin Daniela Kösters erwartet vom Erdölförderanlagen-Betreiber Wintershall DEA Antworten auf offene Fragen.

Die Bürgermeisterin der Samtgemeinde, Daniela Kösters, sagte, sie sei "schockiert" über das Ausmaß der Verunreinigung. Die ausgetretene Menge sei "dramatisch". Seit Mai habe es regelmäßige Besprechungen mit dem Betreiber und Behörden gegeben. Das Gutachten sei ihr allerdings erst seit Dienstagmorgen bekannt. Kösters verlangt eine Erklärung dafür, dass es vier Jahre gedauert habe, das Leck zu entdecken. "Sind die Wartungen ausreichend gewesen? Wie kann das Lagerstättenwasser aus dem Boden wieder herausgeholt werden? Kann es über die Jahre im Boden aufsteigen und doch irgendwann in die Nähe von Trinkwasserbrunnen oder in oberflächennahe Gewässer gelangen, mit denen die Landwirte ihre Felder beregnen?"

Defektes Rohr seit März bekannt

Wintershall DEA hatte die defekten Rohre im März gemeldet. Die betroffenen Bohrstellen ist seit Oktober 2018 aufgrund von Wartungsarbeiten außer Betrieb. Im Januar sei der Verdacht aufgekommen, dass Korrosionsschäden aufgetreten sein könnten. Diese wurden im März bestätigt. Die Bergbehörde habe daraufhin sofort Oberflächengewässer und das oberflächennahe Grundwasser beobachten lassen, hieß es. Eine Taskforce aus Bergbehörde, Hydrogeologen, Landkreis, der Samtgemeinde Emlichheim, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und dem Betreiber treffe sich seitdem regelmäßig zum Informationsaustausch.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 29.07.2019 | 17:00 Uhr

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