Missbrauch: Betroffene kritisiert evangelische Landeskirche

Stand: 11.10.2021 20:48 Uhr

Eine als Kind von einem Geistlichen in Georgsmarienhütte missbrauchte Frau wirft der hannoverschen Landeskirche Versäumnisse vor. Sie sei sich wie "eine Art Bittstellerin" vorgekommen.

"Bis heute handelt die evangelische Kirche aus meiner Erfahrung nach Salamitaktik", sagte die Betroffene. "Das ist für Opfer sehr, sehr belastend". Unter dem geänderten Namen Lisa Meyer machte sie am Montag ihren Fall auf einer Pressekonferenz mit Vertretenden der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers öffentlich. Im Alter von etwa zehn Jahren sei sie 1973 und 1974 von einem Diakon in Ausbildung der König-Christus-Gemeinde Oesede (Landkreis Osnabrück) sexuell missbraucht worden.

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Betreuerin drohte Mädchen nach Tat mit Ärger

Bei einer Kirchenfreizeit habe ihr der Beschuldigte Siegfried G. sexuelle Gewalt angetan, sagte die Betroffene in einem Video, das bei der Pressekonferenz der Landeskirche in Georgsmarienhütte gezeigt wurde. Nach heutigem Straftatbestand sei das Vergewaltigung, sagte Meyer. Sie habe sich danach unter Tränen einer Betreuerin anvertraut. Diese aber habe ihr nicht geglaubt und ihr sogar mit Ärger gedroht, sollte sie solche Vorwürfe wiederholen. Als im Jahr 2010 Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche bekannt wurden, habe Meyer ihr langes Schweigen gebrochen und sich an den damaligen Osnabrücker Superintendenten Burghard Krause gewandt. Der habe ihr Hilfe angeboten, aber nichts weiter veranlasst. Die betroffene Gemeinde sei nicht informiert worden, kritisierte sie.

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Verfahren "sehr belastend, absolut intransparent"

Als Meyer dann im vergangenen Jahr einen Antrag auf eine Anerkennungsleistung bei der Landeskirche gestellt habe, habe sie das Verfahren als "sehr belastend, absolut intransparent und somit wenig Betroffenen freundlich" erlebt. Erst durch ihre Initiative sei der aktuelle Aufarbeitungsprozess zustande gekommen, nachdem sie von anderen Betroffenen von einer solchen Möglichkeit erfahren habe. "Wer das nicht weiß und nicht die richtigen Fragen stellt, hat verloren", beklagte die Frau.

Landeskirche entschuldigt sich für Fehler

"Wir haben Fehler gemacht, auch ich persönlich", sagte Oberlandeskirchenrat Rainer Mainusch bei der Veranstaltung am Montag. Der Leiter der Rechtsabteilung des Landeskirchenamts bat Meyer um Entschuldigung. In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe sich viel verändert und verbessert. "Aber es gibt noch viel zu tun, und manches geht auch nicht so schnell, wie wir uns das selbst wünschen", sagte Mainusch weiter. Der Kirchenvorstand in Oesede will Meyers Fall durch eine externe, wissenschaftliche Untersuchung aufarbeiten lassen, wie es hieß. Die Begegnung mit der Frau und ihrer Leidensgeschichte mache ihn "sprach- und fassungslos", sagte Pastor Nils Donadell.

Geistlicher soll viele Kinder missbraucht haben

Der Beschuldigte Siegfried G. sei 1977 wegen eines anderen Missbrauchsfalls aus dem Gemeindedienst entlassen worden. Nach heutigem Wissen habe G. auch viele Jahre danach Kinder missbraucht. Noch 2010 sei er in einem Sportverein tätig gewesen.

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 11.10.2021 | 15:00 Uhr

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