Eine Zufahrt zum Bundeswehrgelände WTD 91 in Meppen. © picture alliance/dpa Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Marode Raketen: Zutritt zu Depot in Meppen beschränkt

Stand: 10.01.2022 12:16 Uhr

Die Bundeswehr hat Probleme mit Zehntausenden alten Raketen. Sechs Munitionslager sind deutschlandweit betroffen, darunter eines der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition 91 in Meppen.

Einem Bericht des "Spiegel" zufolge sondern die ausrangierten mehr als 30 Jahre alten Raketen den hochexplosiven Stoff Nitroglycerin ab. Die Munitionslager sind dem Bericht zufolge bis auf Weiteres gesperrt, der Transport der 32.641 Raketen ist untersagt. Ein Sprecher der Bundeswehr erklärte auf Nachfrage des NDR in Niedersachsen allerdings, dass eine Sperrung von Munitionsdepots der Bundeswehr in diesem Zusammenhang "bis dato weder erfolgt noch vorgesehen" sei. Für einzelne sogenannte Materiallagerhäuser innerhalb der Munitionsdepots, wo die betreffende Munition lagert, gebe es allerdings eine Zutrittsbeschränkung.

Problem seit Frühjahr 2019 bekannt

Im September 2021 soll sich der Generalinspekteur der Bundeswehr laut "Spiegel" bei der Rüstungsabteilung des Bundesverteidigungsministeriums beschwert haben, dass es bei der Entsorgung nicht vorangehe. Ein tragfähiges Konzept des zuständigen Koblenzer Beschaffungsamtes gibt es dem Bericht zufolge nicht - obwohl das Problem seit Frühjahr 2019 bekannt sei. Neben Meppen sind Lager in Wulfen, Nörvenich (beide Nordrhein-Westfalen), Köppern (Hessen), Eft-Hellendorf (Saarland) und Wermutshausen (Baden-Württemberg) betroffen.

Ausrüstungsamt: Raketen sind lager- und transportsicher

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Koblenz sieht das Problem offenbar als nicht so gravierend an. "Aufgrund der strengen Sicherheitsauflagen zu Lagerung und Handhabung von Munition und/oder Munitionsteilen werden Gefahren beim Umgang mit der Munition bei Einhaltung dieser Vorgaben ausgeschlossen", teilte ein Sprecher auf Anfrage des NDR in Niedersachsen mit. Die Raketen seien in speziellen Munitionsbunkern aus Stahlbeton untergebracht, die sich auf einem gesondert gesicherten Areal befänden. "Nach Abschluss der munitionstechnischen Prüfungen der Munition und Bestätigung der Lager- und Transportsicherheit ist eine Entsorgung durch gewerbliche Unternehmen vorgesehen", so der Sprecher des Bundesamtes. Nach vorläufigen Testergebnissen "kann die Munition entgegen der öffentlichen Darstellung als lager- und transportsicher bewertet werden".

WTD in Meppen mit Untersuchung beauftragt

Die Wehrtechnische Dienststelle 91 in Meppen sei mit der Untersuchung der Raketen beauftragt, hieß es weiter. Experten der Dienststelle hatten demnach auch das sogenannte Ausschwitzen des Nitroglycerins festgestellt. "Nach einem sogenannten Kurzschuss einer Rakete 2019 wurde die Munition für den Ausbildungs- und Übungsbetrieb gesperrt", so der Sprecher. Auch der Transport sei daraufhin untersagt worden. Bei einer Übung war die Rakete nicht so weit geflogen, wie sie es hätte tun sollen. Chemiker schnitten in Meppen Raketen auf und testeten die austretenden Stoffe - und der Nitroglycerin-Gehalt sei so gering, dass die Raketen sich nicht selbst entzünden könnten, so die Bundeswehr. Die Frage, wie viele Raketen derzeit in Meppen beziehungsweise im Emsland lagern, wollte der Sprecher des Bundesamtes nicht beantworten. "Über Lagerorte von Munition und deren Mengen machen wir aus Sicherheitsgründen grundsätzlich keine Angaben", sagte er.

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