Stand: 18.12.2019 16:03 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Kükentöten: Niedersachsen will schnellen Ausstieg

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Der Zentralverband der Geflügelwirtschaft strebt offenbar nur einen Teilausstieg beim Kükentöten an.

Die niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat sich von den öffentlich gewordenen Plänen des Zentralverbands der Geflügelwirtschaft (ZDG), das umstrittene Töten männlicher Küken nicht gänzlich aufzugeben, enttäuscht gezeigt. Sie sagte auf Nachfrage von NDR.de, dass Niedersachsen einen raschen und vollständigen Ausstieg anstrebe. Hierbei solle der Verzicht des Tötens von männlichen Küken sowohl bei der Produktion von Legehennen zum Zweck der Erzeugung von Schaleneiern als auch bei der Erzeugung von Eiern zur Weiterverarbeitung in der Lebensmittelindustrie zügig umgesetzt werden.

Land setzt auf Geschlechterbestimmung im Ei

Das Land setze neben der Aufzucht von Zweinutzungshühnern aufgrund der hohen Tierzahlen insbesondere auf die Geschlechtsbestimmung im Ei zu einem möglichst frühen Zeitpunkt. Die als männlich erkannten Eier könnten abgekühlt und als Futtermittel verwertet werden, so Otte-Kinast. Allerdings müsse dieses Verfahren noch in die Praxis überführt werden. Hier sieht Niedersachsen die Wirtschaft gefordert.

Foodwatch spricht von Täuschung

Am Dienstag hatte die "Neue Osnabrücker Zeitung" von den ZDG-Plänen berichtet. Damit wäre die Ankündigung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), 2021 das millionenfache Töten zu beenden, hinfällig. Vonseiten der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch gab es Kritik. Sie spricht von Täuschung. Foodwatch beruft sich auf ein internes ZDG-Papier.

Lobbyverband will offenbar nur Teilausstieg

Der Lobbyverband stellt in dem Papier ein Ende des Kükentötens bis zum 1. Januar 2022 in Aussicht. Allerdings soll der Ausstieg nicht komplett sein, sondern zunächst nur im Bereich der sogenannten Schaleneier umgesetzt werden. Das sind die Eier, die Verbraucher im Karton im Supermarkt kaufen. Im Bereich der verarbeiteten Eier etwa für Gebäck oder Nudeln soll das Kükentöten zunächst weitergehen.

Zwischen 40 und 50 Millionen Küken 2018 getötet

Durch Alternativen zum Vergasen männlicher Küken im Zuge der Schaleneier-Produktion müssten etwa 26 Millionen männliche Tiere nicht mehr getötet werden, rechnet der Verband vor. Die Eier würden entweder weit vor dem Schlüpfen aussortiert und weiterverarbeitet. Oder die männlichen Tiere im Zuge sogenannter Bruderhahn-Initiativen aufgezogen. Die Gesamtzahl der vergasten Küken lag in den vergangenen Jahren allerdings zwischen 40 und 50 Millionen Tieren. "Das Ziel des Komplettausstiegs wird in den nächsten Jahren bis 2023 kontinuierlich weiterverfolgt", heißt es in dem Verbandspapier. ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke sagte: "An den Zahlen wird sich noch einiges ändern." Es würden derzeit intensive Gespräche geführt, wie die Zahl der getöteten Hähne weiter gesenkt werden könne.

Foodwatch kritisiert Bundesagrarministerin

Foodwatch verwies darauf, dass die Große Koalition das Ende des Kükentötens ursprünglich bereits für diesen Herbst angekündigt hatte. Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker sagte, dass Julia Klöckner die Frage beantworten müsse, weshalb sie noch immer bei derart scheinheiligen Verhandlungen um einen freiwilligen Ausstiegstermin mitspiele. Sie solle das Kükentöten endlich per Gesetz verbieten.

Weitere Informationen

Gesetz gegen Küken-Tötung: Geflügelzüchter skeptisch

Bei der deutschen Geflügelwirtschaft glaubt man nicht, dass ein sofortiger Stopp des Tötens von Küken machbar sei. Realistisch sei eine Halbierung der Zahl getöteten Tiere bis 2022. (19.11.19) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 17.12.2019 | 11:30 Uhr

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