Stand: 29.10.2016 14:26 Uhr

Ems ist Schlusslicht unter den Flussgebieten

Die Stickstoffbelastung zu hoch, das Wasser trüb, der Boden bedeckt mit Schlick: Die Ems ist seit Jahrzehnten aus dem Gleichgewicht. Dass das Ökosystem Ems Hilfe braucht, ist unbestritten. Wie dramatisch die Lage ist, macht jetzt ein neuer Bericht des Bundesumweltministeriums deutlich. In einem Ranking der zehn großen deutschen Flussgebiete landet die Ems auf dem letzten Platz. Erschreckend: Lediglich ein Prozent der Fläche im Ems-Gebiet befindet sich demnach in gutem Zustand. Am besten schneiden die Donau und ihre Zuflüsse ab, gefolgt von Maas und Rhein. In der Donau seien 20 Prozent der Flächen in sehr gutem oder gutem ökologischen Zustand, im Rhein-Gebiet zwölf. Wichtigste Kriterien bei der Studie: die biologische Vielfalt an Organismen wie Fischen, Insekten, Wasserpflanzen und Algen, und auch die Belastung durch Pestizide, Schwermetalle oder industrielle Schadstoffe.

Die Ems: lang und schmutzig

Details erscheinen am 1. November

Die neue Studie erscheint am Dienstag zum 30. Jahrestag der sogenannten Sandoz-Katastrophe in der Schweiz. Bei dem Brand in der Chemiefabrik waren am 1. November 1986 mit dem Löschwasser Giftstoffe in den Rhein gelangt und hatten dort ein großes Fischsterben ausgelöst.

Masterplan Ems

Um die Ems zu retten, wurde vor eineinhalb Jahren der Masterplan Ems von Land, Kommunen, Umweltverbänden und Papenburger Meyer Werft auf den Weg gebracht. Er soll die Wasserqualität im stark verschmutzten Bereich der Unterems wiederherstellen. Bis zum Jahr 2050 sollen flusstypische Lebensräume und Flächen für den Wiesenvogelschutz angekauft werden. Das sorgt gerade bei Landwirten aus der Region immer wieder für großen Protest. Außerdem soll das Emssperrwerk als Schlickbremse umgebaut werden - so sieht es der Plan vor.

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Masterplan Ems: Ökonomischer Unsinn?

Dietrich Rupert ist ehemaliger NLWKN-Mitarbeiter und kritisiert den Masterplan Ems. Pläne zur Verbesserung der Wasserqualität seien "herausgeschmissenes Geld" und zum Teil illegal. (02.10.2016) mehr

Ausbaggern für Meyers große Pötte

Neben dem täglichen Schiffsverkehr schieben sich auch regelmäßig die neu gebauten Ozeanriesen der Papenburger Meyer Werft über die Ems - wie zuletzt die "Genting Dream". Damit die Schiffe den Fluss in Richtung Nordsee auch problemlos passieren können, muss das Flussbett immer wieder ausgebaggert werden. Die Folge: ein hoher Salzgehalt und zu wenig Sauerstoff im Wasser. Und auch der Verlauf der Gezeiten ist gestört. Mit der Flut strömt mehr Schlick aus der Nordsee in die Ems hinein als ihn mit der Ebbe verlässt.

Auch an der Mündung wird ins Ökosystem eingegriffen

Aber nicht nur für die Meyer Werft wird im Flussbett gebuddelt: An der Emsmündung haben am Sonnabend die Arbeiten zur Vertiefung der Fahrrinne begonnen. Damit sollen künftig größere Schiffe von der Nordsee das niederländische Eemshaven anlaufen können. Die Arbeiten sollen nach Angaben des niederländischen Verkehrsministeriums bis Ende nächsten Jahres dauern. Die Fahrrinne wird auf 42 Kilometern für Schiffe mit einem Tiefgang von 14 Metern ausgebaggert.

"Keine positiven Ergebnisse sichtbar"

Für die Bürgerinitiative "Rettet die Ems" in Leer sind bislang keine positiven Ergebnisse des Masterplans sichtbar. "Die Ems ist der Fluss mit der schlechtesten Wasserqualität in Deutschland", erklärte Sprecherin Birgit Rutenberg. Und auch von den Maßnahmen ist die Umweltschützerin eher nicht überzeugt: Eine Verbesserung durch den geplanten Ankauf von Flächen für den Vogelschutz werde die Lage nicht verbessern. Von zentraler Bedeutung sei die Steuerung der Tide, betonte sie. Ein erster gescheiterter Versuch am Emssperrwerk habe aber bereits die Grenzen des Bauwerks aufgezeigt. Auch die angedachte Sohlschwelle sieht die Bürgerinitiative kritisch und verweist dabei auf die Probleme für die Schiffe und Unterbrechung des Fischzugs.

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Masterplan Ems: EU-Millionenstrafen vom Tisch

Erfolg des Masterplans: Die EU wird kein Vertragsverletzungsverfahren gegen den Bund wegen des schlechten Zustandes der Ems einleiten. Millionenstrafen sind kein Thema mehr. (14.04.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.10.2016 | 12:00 Uhr

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